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Speditionen in Sorge
Lkw-Fahrer fürchten Planen-Schlitzer

Trauriger Trend: Schlitze in den Lkw-Planen und gestohlene Fracht sind für die heimischen Speditionen mittlerweile beinahe schon die Regel.
  • Trauriger Trend: Schlitze in den Lkw-Planen und gestohlene Fracht sind für die heimischen Speditionen mittlerweile beinahe schon die Regel.
  • Foto: Pixabay (Symbolfoto)
  • hochgeladen von Michael Sauer

sabe Siegen. Es ist Ende Juli, eine kühle Sommernacht. Auf dem Autobahnrastplatz „Am Wildenberg“, kurz hinter der Anschlussstelle Wilnsdorf, parken ein paar wenige Lkw. Die Fahrer haben es sich in den Kabinen ihrer Sattelzüge gemütlich gemacht. Einige schlafen längst, die vom vielen Fahren auf der Bahn so müden Augen erholen sich. Aber die Ruhe ist trügerisch.

Schon seit einiger Zeit werden die parkenden Lastwagen von einem weißen Ford Transit mit britischem Kennzeichen beobachtet. Die Insassen haben die Lkw als Beute ausgemacht. Als ein Fahrer verdächtige Geräusche wahrnimmt, ist es schon zu spät. Er sieht nur noch, wie drei dunkel gekleidete Personen hinter seinem Fahrzeug verschwinden, um dann mit dem Transit auf der A 45 in Richtung Frankfurt im Dunkel der Nacht abzutauchen.

sabe Siegen. Es ist Ende Juli, eine kühle Sommernacht. Auf dem Autobahnrastplatz „Am Wildenberg“, kurz hinter der Anschlussstelle Wilnsdorf, parken ein paar wenige Lkw. Die Fahrer haben es sich in den Kabinen ihrer Sattelzüge gemütlich gemacht. Einige schlafen längst, die vom vielen Fahren auf der Bahn so müden Augen erholen sich. Aber die Ruhe ist trügerisch.

Schon seit einiger Zeit werden die parkenden Lastwagen von einem weißen Ford Transit mit britischem Kennzeichen beobachtet. Die Insassen haben die Lkw als Beute ausgemacht. Als ein Fahrer verdächtige Geräusche wahrnimmt, ist es schon zu spät. Er sieht nur noch, wie drei dunkel gekleidete Personen hinter seinem Fahrzeug verschwinden, um dann mit dem Transit auf der A 45 in Richtung Frankfurt im Dunkel der Nacht abzutauchen.

Lkw-Fahrer fürchten Planen-Schlitzer: Vorfall auf der A45

Als der Fahrer seinen Truck in Augenschein nimmt, stellt er eine Beschädigung an der Plane fest. Wie sich später herausstellt, sind die unbekannten Täter über den Schnitt in das Fahrzeuginnere und damit an die Ladung gelangt. Einige Umverpackungen stehen noch offen. Entwendet wird allerdings nichts – scheinbar konnte der aufmerksame Fahrer Schlimmeres verhindern. Als die alarmierte Polizei vor Ort eintrifft, werden fünf weitere betroffene Lkw vorgefunden. Alle mit beschädigten Planen.

Die Tricks werden immer waghalsiger.
Roman Sonntag
Spedition Busch

Auch, wenn man beim Blick auf die offizielle Statistik der Siegener Polizei von einem Einzelfall ausgehen könnte – ein weiterer Vorfall wurde laut Pressesprecher Niklas Zankowski nicht gemeldet – Schlitze in den Planen sind für die heimischen Speditionen fast schon die Regel. „Jeder zweite Lkw der zurückkommt, hat eine Sichel in der Plane“, sagt Steffen Siebel von der Spedition „Gerhard Siebel“ mit Sitz in Kreuztal. Und die Hemmschwelle sinke weiter. „Die Banden werden immer krimineller.“
Deutschlandweit ist die Zahl der Überfälle auf parkende Lastwagen und ihre schlafenden Fahrer auf eine Rekordzahl gestiegen. Nach Angaben der „Arbeitsgemeinschaft Diebstahlprävention in Güterverkehr und Logistik“ stehlen kriminelle Banden statistisch gesehen alle 20 Minuten Lkw-Ladungen. Pro Jahr seien fast 20 000 Laster betroffen. Der Güterschaden belaufe sich insgesamt auf 1,3 Milliarden Euro.

Lkw-Fahrer fürchten Planen-Schlitzer: Selten spontane Taten

In den seltensten Fällen gehe es dabei um spontane Taten, so Pretzel. Vielmehr stecke organisierte Kriminalität dahinter. Banden, die als mobile Einsatzteams organisiert seien und mit Hintermännern arbeiteten und ihre Truppe wie ein normales Unternehmen führten – mit eigenen Abteilungen z.B. für den Diebstahl, die Lagerung, die Personalbeschaffung und den Vertrieb. Das Diebesgut wird nach den Beobachtungen des DSLV meist über legale Vertriebskanäle – wie zum Beispiel den Amazon Marketplace oder Ebay Kleinanzeigen – verkauft.

Ob die geladene Ware für die Planen-Schlitzer interessant ist, also ob dafür ein Markt vorhanden ist, werde oft noch vor Ort und blitzschnell mit Blick durch das aufgetane Guckloch überprüft. Oft im Auge hätten die Banden High-Technology-Güter- und Luxusgüter, aber mittlerweile auch Dinge des täglichen Bedarfs. Zigaretten, Lebensmittel und so weiter. Stahl, wie er bei Siebels transportiert wird, ist für die Kriminellen eher uninteressant.

Lkw-Fahrer fürchten Planen-Schlitzer: Mehr als ein Ärgernis

Gleiche Erfahrungen hat die Spedition Busch aus Hilchenbach gemacht. Eine Stahlladung interessiere einen Langfinger weniger als Luxustaschen, sagt Roman Sonntag. Trotzdem. Auch, wenn die Ladung verschont bleibt: Der Riss, der im Siegerland wieder geflickt werden muss, ist mehr als ein Ärgernis.
Sonntag selbst war früher als Berufskraftfahrer oft im Ausland unterwegs. Seine Erfahrungen bestätigen die Statistik: „Die Tricks werden immer waghalsiger.“ Betrug, Diebstahl, aufgeschlitzte Planen, ein fehlendes Vorderrad – jeder der in der Branche tätig ist, habe sowas mindestens schon einmal miterlebt. „Sobald ein Lkw unbeobachtet irgendwo steht, ist ein Schlitz in der Plane.“

Was könnte helfen? „Eine gezielte Zusammenarbeit der Behörden“, sagt Maximilian Pretzel. „Auch länderübergreifend.“ Der Diebstahl ende schließlich nicht an der Landesgrenze. Und: Die Infrastruktur der Rastplätze sollte dringend verbessert werden, findet Roman Sonntag. Es bräuchte mehr gesicherte Parkplätze. „Wenn sich dort die Lkws knubbeln“, sagt Sonntag, „und Fahrer aufgrund von Parkplatzmangel in eine dunkle Ecke im nächsten Industriegebiet ausweichen müssten, dann ist das nicht gerade förderlich.“

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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