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Ruf nach Öffnung wird lauter
Lockdown bremst Fahrrad-Boom aus

Dennis Hübner (l.) und Markus Irle (r.) sind mit ihrem neuen Bike-Store kurz vor dem Start des zweiten Lockdowns gestartet.
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  • Dennis Hübner (l.) und Markus Irle (r.) sind mit ihrem neuen Bike-Store kurz vor dem Start des zweiten Lockdowns gestartet.
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sabe Siegen. Da rollt was auf uns zu! Sportlich, stattlich, vollgefedert oder mit Akku im Unterrohr. Die Boomer-Geschichten, die das Fahrrad in all seinen Varianten im vergangenen Jahr schrieb, sind sagenhaft: Das Fahrrad ist das Sportgerät der Corona-Stunde. Die Pandemie als Katalysator für gleich mehrere Trends: Das Zweirad reift als Alternative zu öffentlichen Verkehrsmitteln, als Sportgerät hat es vermehrt Bedeutung in Zeiten geschlossener Fitnessstudios, ökobewusst ist das Rad sowieso. Als Dienstrad im Leasingangebot lockt es Mitarbeiter, Paketboten sind mit Lastenrädern unterwegs – es läuft und läuft und läuft … In Zahlen heißt das: Die Umsatzsteigerung in der Fahrradbranche im Corona-Jahr reicht bis zu 20 Prozent.

sabe Siegen. Da rollt was auf uns zu! Sportlich, stattlich, vollgefedert oder mit Akku im Unterrohr. Die Boomer-Geschichten, die das Fahrrad in all seinen Varianten im vergangenen Jahr schrieb, sind sagenhaft: Das Fahrrad ist das Sportgerät der Corona-Stunde. Die Pandemie als Katalysator für gleich mehrere Trends: Das Zweirad reift als Alternative zu öffentlichen Verkehrsmitteln, als Sportgerät hat es vermehrt Bedeutung in Zeiten geschlossener Fitnessstudios, ökobewusst ist das Rad sowieso. Als Dienstrad im Leasingangebot lockt es Mitarbeiter, Paketboten sind mit Lastenrädern unterwegs – es läuft und läuft und läuft … In Zahlen heißt das: Die Umsatzsteigerung in der Fahrradbranche im Corona-Jahr reicht bis zu 20 Prozent.

Im neuen „Bike Store 57“ an der Kaan-Marienborner Hauptstraße ist besetzt. Es braucht Kondition, um Markus Irle (56) und Dennis Hübner (39) an die Strippe zu bekommen – die beiden sind im Dauereinsatz, um der Nachfrage der Kundschaft nach neuen Fahrrädern oder Reparaturen gerecht zu werden. Den Start in Kaan erleben Hübner und Irle mit gemischten Gefühlen. Mit ihrem Konzept – „zeitnaher Service für jedermann, breitflächig aufgestelltes Markensegment (Hübner)“ – und der Entscheidung für eine Selbstständigkeit in der Fahrradbranche, liegen die beiden genau richtig. „Die Kunden haben uns hier freudestrahlend begrüßt“, sagt Irle. Endlich mal wieder ein Fahrradladen in Kaan. Berührungsängste? Fehlanzeige. Also sucht der Store „händeringend“ nach Team-Verstärkung. Die glänzenden Modelle auf der modernen Verkaufsfläche gehen weg wie Klopapier im Vorteilspack. Besonders gefragt – und damit dem deutschlandweiten Trend entsprechend – sind dabei E-Bikes.

93 Prozent E-Bikes

Satte 93 Prozent der verkauften Modelle seien E-Varianten, so Hübner. Die Stärke der elektromotorisierten Verstärkung sehen die Fachmänner in ihrer Flexibilität. Ob es der entspannte Weg zur Arbeit ohne hechelndes Ankunftserleben sein soll oder der Sinn nach sportlich-schweißtreibender Aktivität mit wenig Unterstützung steht – die Möglichkeiten lassen sich bequem hoch- und runterschalten.

Frischluft, Freiheit, Fahrtwind Er hat, was viele wollen. Johannes Bühl (32) ist bei den momentanen Lieferzeiten von bis zu einem Jahr froh, dass er sein E-Mountainbike im Trockenen hat. Nicht erst seit Corona, seitdem aber verstärkt, ist er „heiß wie Frittenfett“ auf jeden Motorbetriebenen-Zweirad-Moment. Er liebt die heimischen Wälder, die Wege, spricht von „einem Paradies für Fahrradfahrer.“ Mit seiner Passion ist der E-Biker nicht alleine: „Schachts Päddchen“ (die SZ berichtete) heißt der Verein, der sich zur Corona-Zeit in Brachbach gegründet hat und indem sich erstmals begeisterte Mountain-Biker der Region organisieren. Ob mit oder ohne E-Antrieb – „wir sind für alles offen.“ Der Siegener ist Gründungsmitglied und freut sich schon auf die Zeit, in der gemeinsame Touren samt abschließendem „isotonischem Kaltgetränk“ wieder möglich sind. „Übers Fahrradfahren habe ich schon so viele nette Leute kennengelernt. Wirklich eine Wahnsinns-Community.“
  • Frischluft, Freiheit, Fahrtwind Er hat, was viele wollen. Johannes Bühl (32) ist bei den momentanen Lieferzeiten von bis zu einem Jahr froh, dass er sein E-Mountainbike im Trockenen hat. Nicht erst seit Corona, seitdem aber verstärkt, ist er „heiß wie Frittenfett“ auf jeden Motorbetriebenen-Zweirad-Moment. Er liebt die heimischen Wälder, die Wege, spricht von „einem Paradies für Fahrradfahrer.“ Mit seiner Passion ist der E-Biker nicht alleine: „Schachts Päddchen“ (die SZ berichtete) heißt der Verein, der sich zur Corona-Zeit in Brachbach gegründet hat und indem sich erstmals begeisterte Mountain-Biker der Region organisieren. Ob mit oder ohne E-Antrieb – „wir sind für alles offen.“ Der Siegener ist Gründungsmitglied und freut sich schon auf die Zeit, in der gemeinsame Touren samt abschließendem „isotonischem Kaltgetränk“ wieder möglich sind. „Übers Fahrradfahren habe ich schon so viele nette Leute kennengelernt. Wirklich eine Wahnsinns-Community.“
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Mit dem Zeitpunkt der Eröffnung allerdings, wenige Tage vor dem zweiten Lockdown, am 10. Dezember, kommen für Irle und Hübner Schwierigkeiten dazu, die für eine ganze Branche gelten: Lieferengpässe, lange Wartezeiten und geschlossene Fahrradläden, während die geöffneten Supermärkte in ihren „Non-Food“-Abteilungen mit billigen Modellen die Kaufwilligkeit der Menschen zu nutzen wissen. Die Fahrradhändler hingegen dürfen nur ihre Werkstätten offenhalten. Mit einem dementsprechenden Brandbrief an die Bundesminister für Gesundheit und Wirtschaft, Jens Spahn und Peter Altmaier (beide CDU), hat sich Georg Honkomp, Vorsitzender von Europas größtem Zusammenschluss von Fahrradhändlern, der Zentralen Einkaufsgenossenschaft (ZEG) aus Köln, mit einer drängenden Forderung stellvertretend für einen ganzen Sektor Luft gemacht. „Macht die Fahrradläden auf!“, heißt es da mit der Begründung: Fahrräder und E-Bikes seien die idealsten Verkehrsmittel, um sich in der Corona-Krise gesund, umweltfreundlich und geschützt zu bewegen.

Öffnung gefordert

Das sofortige Öffnen der Geschäfte wäre mehr als eine begleitende Maßnahme, so Honkomp. Spahn habe vor Jahresfrist angemahnt, jeder solle „im Sinne des ‚social distancing‘ überlegen“, ob er einen Weg zu Fuß oder im Sattel zurücklegen könnte, statt öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Honkomps Forderung: „Lassen Sie den Fahrradfachhandel per 7. März wieder die Geschäfte öffnen.“ Fahrradgeschäfte gehörten zur kritischen Infrastruktur und leisteten ihren Beitrag zu deren Aufrechterhaltung.

Markus Irle und Dennis Hübner stützen den Anspruch. „Wir sprechen hier von einer risikoarmen Branche“, sagt Hübner mit dem Verweis auf die oftmals große Quadratmeterfläche der Läden. Hinzu käme, dass sich alles rund um Beratung und Verkauf oft „ohnehin an der frischen Luft“ abspielt. „Ich wüsste keine Branche, wo die Aufenthaltszeit im Laden so gering ist.“ Außerdem könnten Menschenansammlung beispielsweise durch vorherige Terminvereinbarungen vermieden werden. „So kann man sich auch für jede einzelne Beratung stressfrei Zeit nehmen.“

Dennis Hübner (l.) und Markus Irle (r.) sind mit ihrem neuen Bike-Store kurz vor dem Start des zweiten Lockdowns gestartet.
Frischluft, Freiheit, Fahrtwind Er hat, was viele wollen. Johannes Bühl (32) ist bei den momentanen Lieferzeiten von bis zu einem Jahr froh, dass er sein E-Mountainbike im Trockenen hat. Nicht erst seit Corona, seitdem aber verstärkt, ist er „heiß wie Frittenfett“ auf jeden Motorbetriebenen-Zweirad-Moment. Er liebt die heimischen Wälder, die Wege, spricht von „einem Paradies für Fahrradfahrer.“ Mit seiner Passion ist der E-Biker nicht alleine: „Schachts Päddchen“ (die SZ berichtete) heißt der Verein, der sich zur Corona-Zeit in Brachbach gegründet hat und indem sich erstmals begeisterte Mountain-Biker der Region organisieren. Ob mit oder ohne E-Antrieb – „wir sind für alles offen.“ Der Siegener ist Gründungsmitglied und freut sich schon auf die Zeit, in der gemeinsame Touren samt abschließendem „isotonischem Kaltgetränk“ wieder möglich sind. „Übers Fahrradfahren habe ich schon so viele nette Leute kennengelernt. Wirklich eine Wahnsinns-Community.“
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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