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Jugendliche sehnen Ende der Pandemie herbei
Lockdown geht an die Psyche

Vor allem über WhatsApp-Nachrichten werden in Zeiten von Corona Kontakte zu Freunden aufrecht gehalten.
  • Vor allem über WhatsApp-Nachrichten werden in Zeiten von Corona Kontakte zu Freunden aufrecht gehalten.
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js Siegen. Corona schlägt aufs Gemüt – das macht sich auch beim Nachwuchs bemerkbar. Wie genau ergeht es den Kindern und Jugendlichen derzeit? Mit einer kurzfristig auf den Weg gebrachten Umfrage hat sich die Stadt Siegen jetzt dazu ein Bild verschafft. Und das macht deutlich: Die befragten Jungen und Mädchen sehnen sich das Ende der Pandemie herbei. Am meisten freuen sie sich darauf, endlich wieder unbeschwert ihre Freunde treffen und Reisen unternehmen zu können. Insbesondere den Zehn- bis 14-Jährigen fehlt die Möglichkeit, auch mal Urlaub oder einen Ausflug machen zu können.

Knapp 800 junge Siegener nahmen kurz vor den Osterferien an der nicht wissenschaftlichen, aber doch aussagekräftigen Umfrage teil.

js Siegen. Corona schlägt aufs Gemüt – das macht sich auch beim Nachwuchs bemerkbar. Wie genau ergeht es den Kindern und Jugendlichen derzeit? Mit einer kurzfristig auf den Weg gebrachten Umfrage hat sich die Stadt Siegen jetzt dazu ein Bild verschafft. Und das macht deutlich: Die befragten Jungen und Mädchen sehnen sich das Ende der Pandemie herbei. Am meisten freuen sie sich darauf, endlich wieder unbeschwert ihre Freunde treffen und Reisen unternehmen zu können. Insbesondere den Zehn- bis 14-Jährigen fehlt die Möglichkeit, auch mal Urlaub oder einen Ausflug machen zu können.

Knapp 800 junge Siegener nahmen kurz vor den Osterferien an der nicht wissenschaftlichen, aber doch aussagekräftigen Umfrage teil. „Je älter die Befragten, desto weniger gut geht es ihnen“, fasst Yvonne Matzke, Arbeitsgruppenleiterin Kinder- und Jugendarbeit bei der Stadt, zusammen. Der Gang in die Schule, das Vereinsleben oder der Besuch von Konzerten und Veranstaltungen fehlt dem Nachwuchs weniger als das Treffen mit Freunden und Familienmitgliedern – echte soziale Kontakte eben. Weit oben auf dem Wunschzettel steht die klare und zugleich umfassende Formulierung: „ein Leben ohne Corona“, ein freies und unbeschwertes.

Größten Sorgen machen sich die 15- bis 18-Jährigen

Und wie läuft es mit dem Homeschooling? Sehr unterschiedlich, wie sich aus den Befragungsergebnissen ablesen lässt. Insbesondere diejenigen, die sich auch Sorgen machen um die Zukunft, haben ihre liebe Not mit diesem Modell. Bei einem Drittel derjenigen, die pessimistisch nach vorn blicken, läuft es auch mit dem nach Hause verlegten Schulalltag nicht rund. Der fehlende Erfolg in der Schule sei offenbar ein Faktor, der die Jugendlichen stark belaste. Die größten Sorgen machen sich die 15- bis 18-Jährigen, also die älteren unter den Befragten.

Wie verbringt der Nachwuchs seine Freizeit? Top-Antworten sind hier „chillen“, mit dem Handy zocken, Online-Gaming und Fernsehen – aber auch Sport. Den Kontakt zu Freunden halten insbesondere die Jugendlichen vor allem auf digitalem Weg. Je jünger sie sind, desto wichtiger ist der persönliche Kontakt. Jugendliche kommen ohne das Smartphone aber offenbar kaum zurecht. Die 15- bis 18 Jährigen setzten für ihre Kontaktpflege vor allem auf den Austausch über Whatsapp. Freundschaften werden damit zwangsläufig zur reinen Fingerübung.

Corona-konforme Treffpunkte im öffentlichen Raum gewünscht

„Experten gehen davon aus, dass sich Benachteiligungen durch die Pandemie verstärken“, sagt Yvonne Matzke. Die Auswertung der Umfrage soll daher als Planungsgrundlage für Sommerangebote der Jugendtreffs, Vereine und Verbände herangezogen werden. Corona-konforme Treffpunkte im öffentlichen Raum seien gewünscht, entsprechende Angebote gelte es nun zu entwickeln.

Die derzeitige Krisensituation mache Stärken und Schwächen der einzelnen Systeme deutlich, findet Siegens Jugendamtsleiter Dr. Raimund Jung. Er sieht derzeit das Risiko, dass ohnehin benachteiligte Kinder, die aufgrund der Familien-/ Wohnsituation oder mangelnder technischer Ausstattung schlechter als andere am Distanzunterricht teilnehmen können, weiter abgehängt werden. „Das ist sehr gefährlich.“ Bei den 15- bis 18-Jährigen könnten auf diese Weise Zukunftschancen verbaut werden – Berufsorientierung sei erschwert, Praktika fänden nicht statt.

Großteil hält sich an Regeln

Jung hat zudem den Eindruck, dass die von den Kinder und Jugendlichen gelebte Solidarität und Bemühungen nicht gewürdigt würden. Der Großteil, das habe auch die Befragung gezeigt, halte sich an die Regeln. Nur die Minderheit derjenigen, die über die Stränge schlagen, würden wahrgenommen – beispielsweise, wenn auf dem Kornmarkt gefeiert werde. Für die Zeit nach dem Sommer vermisst Jung eine Strategie. „20 Millionen Jugendliche und Kinder werden dann immer noch nicht geimpft sein.“ Von Lockerungen in den Pandemiebestimmungen könnten diese dann womöglich nicht wie die Geimpften profitieren. Das sei ihnen nicht verständlich zu machen und könne zu einem echten Generationenproblem werden.

Dass die Jugendtreffs viele ihrer Angebote auf digitale Kanäle umgeleitet haben seit dem ersten Lockdown vor einem Jahr, könne keinesfalls eine Dauerlösung sein. „Das ist aus der Not geboren.“ Vormittags Schule auf digitalem Weg und dann noch nachmittags weiter vor dem Bildschirm zu sitzen – das sei schlichtweg „nicht gesund“.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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