Lölling siegt bei Junioren-WM

Jacqueline Lölling mit der Goldmedaille bei der Junioren-WM in Winterberg. Foto: Florian Runte

sz - Bevor die Brachbacher am Samstagabend ihren Prinzen im Karneval proklamierten, feierten die Siegtaler am Mittag ihre Prinzessin im Wintersport. Jacqueline Lölling wurde bei ihrem "Heimspiel" in Winterberg unter dem Jubel ihrer zahlreich angereisten Fans Junioren-Weltmeisterin im Skeleton - der Sportart, bei der die Athleten auf dem Bauch liegend, mit dem Kopf voran und weit über 100 kmh den Eiskanal hinunterrasen.

"Das war definitiv mein schönster Erfolg. Die Goldmedaille bei den Olympischen Jugendspielen war gut, aber das hier zählt noch viel mehr", strahlte die 18-Jährige, nachdem sie in beiden Wertungsläufen die Bestzeit erzielt hatte und in 1:59,93 Minuten vor der Kanadierin Elisabeth Vathje (+ 0,22 Sekunden) und der Rumänin Maria Marilena Mazilu (+ 0,96) gewann. Die Eschenburgerin Tina Hermann (+1,41), ebenfalls als Gold-Kandidatin gehandelt, erwischte einen schwarzen Tag und musste sich zwei Wochen nach dem Gesamt-Sieg im Intercontinental-Cup mit Platz 6 begnügen.

Der Weg vom Auslauf der Bahn zum Fahrer-Taxi - die Athleten müssen ihre Schlitten eigenhändig wieder am Start zur Kontrolle abliefern - geriet für Lölling zum Triumphzug. Eine gut 70-köpfige Schar aus dem Siegerland ließ mit einem Höllenlärm ihre "Jacka" hochleben, die sichtlich von den Socken war. "Mit so einem Empfang habe ich nicht gerechnet. Ich freue mich riesig, dass so viele hier hoch gekommen sind und jetzt hier stehen", sagte Lölling, für die der knapp zweistündige Marathon nach dem Rennen anstrengender gewesen sein dürfte als der Wettkampf an sich. Dutzende Umarmungen, das Beschriften der neu gedruckten Autogrammkarten und posieren für Erinnerungsfotos sowie mehrere Interviews ließen kaum Ruhe aufkommen.

Dass sie von Fanclub, Verwandtschaft und Freunden auf Händen getragen wurde, ordnete Jacqueline Lölling übrigens als nennenswerten Erfolgs-Faktor und keineswegs als Belastung ein: "Das hat mich richtig gepusht." Dass dies nicht bloß eine Phrase war, zeigte der Blick auf die Startzeiten, die während der offiziellen Trainingseinheiten mit dem Attribut "schlecht" noch schmeichelhaft beschrieben waren. Doch im entscheidenden Moment konnte Lölling beim Anschub-Sprint zulegen. Um eine ganze Zehntelsekunde im 1. Lauf, sogar um deren zwei im 2. Lauf - das reichte, um den Startrückstand von vier Zehnteln mit gewohnt erstklassigen Fahrleistungen zu kompensieren.

"Ich hätte ihr diese Steigerung nicht zugetraut. Dass sie sich das unter diesem Druck erkämpft hat, kommt einer Sensation gleich und zeigt, dass sie eine ganz Große werden kann", kommentierte der Winterberger Stützpunkttrainer Bernhard Lehmann, der sich normalerweise zurückhaltend äußert, da er als angehender Rentner schon viele aufsteigende Stars hat verglühen sehen. Doch bei Jacqueline Lölling rechnet er nicht damit: "Im nächsten Jahr findet hier die Weltmeisterschaft der Männer und Frauen statt, da sollte sie dabei sein. Sie ist mit einem super Fahrgefühl und einer guten Fahrtechnik gesegnet."

Um den Schritt in die 1. Liga des Skeleton - Weltcup und Weltmeisterschaft - zu schaffen, müsse sich die Brachbacherin allerdings am Start verbessern. "Um zwei Zehntel", konkretisiert Lehmann und schreibt seiner Athletin ins Stammbuch: "Leistungssport hat einen Prozess-Charakter, es muss sich langsam entwickeln. Schneller zu werden, ist eine Fleißarbeit. Jacqueline muss ihre Bauch- und Rückenmuskulatur, aber auch ihre Grundlagenausdauer verbessern, um am Start ein paar Meter weiter anschieben zu können."

Leichter gesagt als getan, denn im Vergleich zu vor zwei Jahren ist Lölling erstaunlicherweise nicht schneller, sondern sogar ein bisschen langsamer geworden. "Das hängt mit körperlichen Veränderungen zusammen. Sie ist deutlich fraulicher geworden und musste erst lernen, mit den veränderten Proportionen umzugehen", erklärt Lehmann, der hinzufügte: "Diese Entwicklungsphase ist jetzt aber abgeschlossen." Die Chancen für Lölling, sich im kommenden Jahr für höhere Weihen zu qualifizieren, sind durchaus vorhanden. Mit nur einem Podestplatz in der gesamten Weltcup-Saison erlebten die deutschen Skeletonis den schlechtesten Winter seit über zehn Jahren, sodass vieles für eine Zäsur nach den Winterspielen in Sotschi spricht.

Privat gibt es eine solche für Lölling in diesem Jahr auch. Im Sommer steht das Abitur an, danach winkt eine Ausbildung bei der Bundespolizei, bei der sie von der Sportförderung profitieren könnte und den Winter über freigestellt wäre. Das Fundament für eine erfolgreiche Karriere ist also gelegt. Und Brachbach drückt die Daumen, dass die Wintersport-Prinzessin eines Tages zur Königin wird.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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