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Neuer Arbeitskreis für "kritische" Straßennamen
"Lothar Irle" ein Fall für die Experten

Umstrittene Ehrung: Lothar Irle könnte die erste Persönlichkeit sein, mit der sich der Siegener Arbeitskreis für „kritische Straßennamen“ befassen wird.
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js Kaan-Marienborn/Siegen. Soll Lothar Irle Namensgeber einer Siegener Straße bleiben? Diese Frage ist nicht neu, sie flammt nun aber ein weiteres Mal auf. Die kleine Volt-Fraktion, seit der Kommunalwahl neu im Rat vertreten und seither überdurchschnittlich aktiv beteiligt an der Themensetzung der Kommunalpolitik, hat den Stift für den Schlussstrich gespitzt. Den Kulturausschuss wollte sie am Dienstag per Antrag dazu bringen, sich für eine Umbenennung der Lothar-Irle-Straße in Kaan-Marienborn auszusprechen. Ganz so schnell ließ sich die Angelegenheit jedoch nicht erledigen.

Vorschlag von Volt ist es, den Straßenzug nach einer anderen Persönlichkeit zu benennen – und zwar nach der Schauspielerin Therese Giese (1898-1975).

js Kaan-Marienborn/Siegen. Soll Lothar Irle Namensgeber einer Siegener Straße bleiben? Diese Frage ist nicht neu, sie flammt nun aber ein weiteres Mal auf. Die kleine Volt-Fraktion, seit der Kommunalwahl neu im Rat vertreten und seither überdurchschnittlich aktiv beteiligt an der Themensetzung der Kommunalpolitik, hat den Stift für den Schlussstrich gespitzt. Den Kulturausschuss wollte sie am Dienstag per Antrag dazu bringen, sich für eine Umbenennung der Lothar-Irle-Straße in Kaan-Marienborn auszusprechen. Ganz so schnell ließ sich die Angelegenheit jedoch nicht erledigen.

Vorschlag von Volt ist es, den Straßenzug nach einer anderen Persönlichkeit zu benennen – und zwar nach der Schauspielerin Therese Giese (1898-1975). Doch nicht allein die Ehrung der Jüdin, die in Siegen ihr erstes Theaterengagement hatte und 1933 in die Schweiz emigrierte, steht bei den Antragstellern im Mittelpunkt. Vielmehr ist es die Person Lothar Irle, die ihnen ein Dorn im Auge ist – und nicht nur ihnen.

Erste Person, die kritisch beleuchtet wird

Irle, der im Siegerland als Heimatforscher bekannt ist, sei untragbar als Namensgeber einer Straße, betonte Erik Dietrich (Volt). „Der war eindeutig ein Nazi, und zwar bis zu seinem Tod.“ Er müsse daher „wirklich weg“. Dietrich sah auch keine Notwendigkeit darin, dass sich ein Arbeitskreis noch einmal mit diesem „kritischen“ Straßennamen auseinandersetzt. Dass eine solche Expertenrunde sich in Kürze formieren soll, ist nämlich längst beschlossene Sache. Noch in der vergangenen Wahlperiode hatte der Siegener Rat diese Weiche gestellt. Lothar Irle, so die Verwaltung, könne die erste Person sein, die dort kritisch beleuchtet werde.

„Das Thema kocht immer wieder hoch“, erinnerte Traute Fries (SPD) an frühere Debatten. Wichtig sei es, dass sich der Arbeitskreis intensiv mit dieser Frage auseinandersetze. Die Bevölkerung habe ein Bild von Irle, das nicht ganz korrekt sei, bedauerte Bärbel Gelling (Grüne). Der Mann habe nach dem Krieg nie wieder als Lehrer gearbeitet. Der Vorschlag des SGV, ihm das Bundesverdienstkreuz zu verleihen, sei „von ganz oben“ abgelehnt worden. „Auch nach dem Krieg hat er eine völkische Auffassung deutlich gemacht.“

Arbeitskreis dringend nötig

Lothar Irle habe „viele Pöstchen“ gehabt und aktiv bei den Nationalsozialisten mitgemischt. Gerade jetzt, da eine kleine rechtsextreme Partei in Siegen genau diese Ideologie an den Mann bringen wolle, müsse die Politik alles tun, um zu widersprechen. Dringend nötig sei es, dass der Arbeitskreis zusammengestellt werde, um solche Themen in Ruhe zu besprechen, meinte Dr. Christian Zybill (CDU). „Es ist gut, dass Volt den Finger noch einmal in die Wunde legt“, fand Sibylle Schwarz (SPD). Harald Hahn (CDU) hingegen störte sich daran, „mit dem heutigen Wissen Leute zu verurteilen“.

Volt zog den Antrag zurück. Die Diskussion um die Lothar-Irle-Straße ist damit jedoch keinesfalls beendet. Sie dürfte sehr bald wieder Fahrt aufnehmen.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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