Lucia Aliberti bot große Oper

gmz Siegen. Am Ende war es kein Opernkonzert mehr, sondern große Oper mit komischem Akzent: Lucia Aliberti, die weltberühmte Sopranistin, begeisterte am Freitagabend beim Sinfonie- und Opernkonzert das Publikum im völlig ausverkauften Apollo-Theater Siegen. Mit stehenden Ovationen und frenetischen Zugabe-Forderungen, die auch gerne gewährt wurden, gaben die Zuhörer ihrer Begeisterung Ausdruck. Und Lucia Aliberti belohnte die Zuschauer mit einer ungemein witzigen „Opernszene“ mit „running gag“.

Bei der Wiederholung ihrer Zugabe „Brindisi“ forderte sie den gewohnt präzise und mitreißend gestaltenden Russell N. Harris zum Mitsingen auf (schließlich wird eigentlich mindestens auch ein Tenor benötigt), der aber der Aufforderung nicht nachkam. Stattdessen erklang der Tenorpart unerwarteterweise aus ihrem Rücken: Ein Geiger erwies sich als überzeugend text- und melodiesicher! Und wurde prompt in die Szene miteinbezogen, durfte schmachten, singen und tanzen – also gemeinsam mit Lucia Aliberti große Oper „vorleben“. Einzig die mehr als bodenlange (elegante) Robe der Sängerin erwies sich dabei als hinderlich  …!

Lucia Aliberti stellte Arien italienischer Opernkomponisten vor, und zwar vornehmlich solche aus Früh- oder unbekannteren Werken: Verdi – natürlich (hat Aliberti doch kürzlich eine CD mit Arien des jungen Verdi aufgenommen)!, Puccini, Donizetti und nochmals Verdi. Ihre große, ungemein ausdrucksstarke Stimme kann auch in den höchsten Tönen ein intensives und emotionsgefülltes Pianissimo „zaubern“ (Arie der Fedelia aus Puccinis „Edgar“), sie beherrscht den weichen Klang, die hoffnungsfrohe Spannung (Arie der Giulietta aus dem 1. Akt in Verdis „Un Giono di Regno“) und die energische Fülle mit packender, glasklarer Tonschönheit (Arie der Odabella in Verdis „Attila“).

Sie kann mit feurigen Ausbrüchen (Cavatine der Lucrezia aus dem 1. Akt von Verdis „I due Foscari“), ergreifenden Bitten (Arie der Anna aus dem 2. Akt aus Donizettis „Anna Bolena“), intensiver Reflexion und zarten, verletzlich wirkenden Passagen (Arie der Leonora aus dem 4. Akt aus Verdis „La Forza del Destino“) den Texten Leben einhauchen. Eine wirklich große Stimme!

Die Sängerin verstand es auch, durch Gestik, Mimik und die Einbeziehung des Bühnenraumes (sie schritt immer wieder zwischen den Reihen der Musiker hin und her) anzudeuten, dass die Arien Teil eines größeren Ganzen sind. Sie wurden so relevant als Aussagen über das Leben (dieser Aspekt kann bei der isolierenden Auswahl von „Paradestücken“ ja durchaus untergehen).Dazu trug auch die äußerst gut aufspielende Philharmonie Südwestfalen bei, die Ouvertüren und Zwischenspiele der Komponisten als Kontextualisierungen der einzelnen Arien interpretierte. Mit präzisen Streichern (Intermezzo zu Puccinis „Manon Lescaut“), guten Bläsern (Lob für die Klarinettistin und den Trompeter in Verdis Ouvertüre zu „Luisa Miller“ und der zu „Aroldo“) und gutem Schlagwerk schufen sie zarte und auch dramatische Kontexte, beschworen mit lyrischen Melodien die Sehnsucht, schufen ergreifende Szenen des Aufbegehrens gegen das Scheitern (Ouvertüre zu Donizettis „La Favorita“) oder frische Aufbruchsstimmungen (Ouvertüre zu Verdis „Un Giorno di Regno“). Ein mitreißendes Konzert, das begeisterte!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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