SZ

Keine mobilen Lüftungsgeräte vorhanden
Lüften wegen Corona: Es wird kalt im Klassenzimmer

Mit Wolldecke im Klassenzimmer? In Zeiten von Corona wird dieses Bild vielleicht zu einem Stück Normalität, schließlich sollen die Klassenzimmer auch jetzt im Herbst und im Winter regelmäßig durchgelüftet werden. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt werden Lüftungsgeräte möglicherweise doch ein Thema sein.
  • Mit Wolldecke im Klassenzimmer? In Zeiten von Corona wird dieses Bild vielleicht zu einem Stück Normalität, schließlich sollen die Klassenzimmer auch jetzt im Herbst und im Winter regelmäßig durchgelüftet werden. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt werden Lüftungsgeräte möglicherweise doch ein Thema sein.
  • Foto: damo
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ihm Siegen/Olpe/Bad Berleburg/Betzdorf. Für keine einzige Schule im Verbreitungsgebiet der SZ wurden bisher mobile Lüftungsgeräte angeschafft. Das ergab eine Umfrage der Redaktion unter den Schulträgern. Alle setzen vorerst auf das manuelle Lüften mittels Fenster.
Bestellt haben verschiedene Kommunen allerdings „CO2-Ampeln“, die anzeigen, wenn die Luft im Klassenraum „verbraucht“ ist und sich das Lüften empfiehlt. Flächendeckend aber ist die Anschaffung dieser Messgeräte nicht geplant. Während zum Beispiel der Kreis Altenkirchen für die weiterführenden Schulen 200 CO2-Warner bestellt hat, will die Stadt Siegen auf dieses Hilfsmittel vorerst verzichten – Schuldezernent André Schmidt fürchtet, dass sonst die klaren Vorgaben zum Lüftungs-Rhythmus womöglich nicht eingehalten würden.

ihm Siegen/Olpe/Bad Berleburg/Betzdorf. Für keine einzige Schule im Verbreitungsgebiet der SZ wurden bisher mobile Lüftungsgeräte angeschafft. Das ergab eine Umfrage der Redaktion unter den Schulträgern. Alle setzen vorerst auf das manuelle Lüften mittels Fenster.
Bestellt haben verschiedene Kommunen allerdings „CO2-Ampeln“, die anzeigen, wenn die Luft im Klassenraum „verbraucht“ ist und sich das Lüften empfiehlt. Flächendeckend aber ist die Anschaffung dieser Messgeräte nicht geplant. Während zum Beispiel der Kreis Altenkirchen für die weiterführenden Schulen 200 CO2-Warner bestellt hat, will die Stadt Siegen auf dieses Hilfsmittel vorerst verzichten – Schuldezernent André Schmidt fürchtet, dass sonst die klaren Vorgaben zum Lüftungs-Rhythmus womöglich nicht eingehalten würden.

Alle 20 Minuten lüften

Die Regeln sind streng: Alle 20 Minuten müssen die Fenster im Klassenraum für fünf Minuten geöffnet werden, schreibt die Handreichung des Umweltbundesamts vor. Wenn es im Winter eiskalt ist, reichen drei bis fünf Minuten. Im Sommer müssen es zehn bis 20 Minuten sein, bei Hitze sollen die Fenster ohnehin ununterbrochen aufbleiben.
Aber Achtung: Lüften ist nicht gleich lüften. Ein Fenster allein reicht nicht. Stoßlüften heißt die Devise. Dabei müssen alle Fenster weit aufgerissen werden. Noch besser ist Querlüften: Gegenüberliegende Fenster – das kann bei geöffneter Klassenzimmertür auch die Fensterfront im Flur sein – werden aufgemacht.

Stoßlüften war nicht überall möglich

In vielen Klassenräumen, so berichtet André Schmidt, war bisher nur eines der vorhandenen Fenster zu öffnen. Die anderen konnten aus Sicherheitsgründen höchstens gekippt werden. Nun hätten die Schulhausmeister die baulichen Blockaden an zumindest einem weiteren Fenster in jedem Raum beseitigt, sodass ein Stoßlüften überhaupt erst möglich wurde.
Damit taucht ein neues Problem auf: Die Fenster dürfen nur weit geöffnet werden, wenn es eine Aufsicht gibt. Die Gefahr von Verletzungen durch in den Raum ragende Fensterflügel oder gar von Stürzen aus dem Fenster ist ansonsten zu groß.

Herausforderung für Lehrer

Da nicht nur alle 20 Minuten gelüftet werden muss – eine Schule in Siegen lässt den Gong deshalb nun dreimal pro Stunde ertönen –, sondern auch in sämtlichen Pausen, gibt es neue logistische Herausforderungen für die Lehrer. Auch in den „kleinen Pausen“, die zwischen zwei Unterrichtsstunden mitunter nur fünf Minuten dauern, muss eine Aufsicht im Raum sein, damit niemand zu Schaden kommt. Der schnelle Kaffee im Lehrerzimmer dürfte damit erledigt sein – zumindest wenn es um Grundschulkinder oder die unteren Klassen der Sekundarstufe 1 geht.
Die Schulträger, die sich an der SZ-Umfrage beteiligt haben, erläutern die Lage:

  • Kreis Siegen-Wittgenstein (u. a. Träger der Berufskollegs): „Unsere Schulen bzw. Klassenräume haben alle Fenster, die man öffnen kann (zumindest Oberlichter, die sich öffnen lassen), sodass eine natürliche Belüftung möglich ist und wir auch nicht in den Genuss des Förderprogrammes des Landes kommen könnten.“
  • Stadt Siegen: „Von insgesamt drei Schulen in der Stadt Siegen wurden bauliche Mängel in der Belüftung benannt. Die Überprüfung durch die Verwaltung hat jedoch ergeben, dass es sich bei den Beanstandungen entweder nicht um Unterrichtsräume als Teil der Raumprogramme handelte oder aber um leicht zu behebende Mängel oder bekannte Mängel, die im Rahmen der Bauunterhaltung behoben werden. Grundsätzlich kann somit in allen städtischen Schulgebäuden gelüftet werden.“ 
  • Stadt Kreuztal: „Wir haben in keinem Gebäude Lüftungsprobleme, überall kann manuell ausreichend gelüftet werden. Zur nächsten Sitzung des Rates haben wir allerdings eine Vorlage zur Erneuerung der Lüftungsanlagen im Schulzentrum vorbereitet. Im Bereich des Außen-WCs, des Sportbunkers und des Musikbunkers gibt es Belüftungssysteme. Hier sind einige Komponenten reparaturbedürftig, die möchten wir grundlegend sanieren.“ 
  • Gemeinde Burbach: „Derzeit klären wir noch noch gemeinsam mit den Schulen, Bauamt und diversen Anbietern die Anschaffung von mobilen Lüftungsgeräten. Auch die Option, was über die vorhandenen Lüftungsanlagen möglich ist, wird derzeit geprüft.“ 
  • Stadt Hilchenbach: „Die Stadt Hilchenbach plant derzeit nicht, mobile Lüftungsgeräte für die Schulen anzuschaffen. In allen städtischen Schulen besteht die Möglichkeit, die Klassenräume zu lüften.“ 
  • Stift Keppel: „Im Gebäude kann überall vollständig gelüftet werden, einige Räume lassen sich sogar gut querlüften. Wir haben die Anschaffung von Lüftungsgeräten derzeit nicht geplant, sondern warten zunächst die Förderrichtlinie ab. Das Thema beobachten wir aber – vor allem im Hinblick auf den bevorstehenden Winter.“ 
So bitte nicht! Das Umweltbundesamt mahnt: So soll nicht gelüftet werden: Lüften ausschließlich über geöffnete Türen ohne gleichzeitiges Öffnen von Fenstern. Damit können virushaltige Aerosole unter Umständen von einem Raum über den Flur in andere Klassenräume transportiert werden, ohne dass zuvor eine deutliche Verdünnung durch Außenluftzustrom erfolgte. Lüften mit gekippten Fenstern oder nur einem offenen Fenster. Unzureichend ist eine teilweise Öffnung von Fenstern oder eine Lüftung durch Kippstellung von Fenstern. Eine Kippstellung der Fenster führt nicht zu einem ausreichenden Luftaustausch, auch wenn das Fenster den ganzen Tag gekippt bleibt. In der kalten Jahreszeit führt dieses hygienisch ineffiziente Lüften zudem dazu, dass Wärme aus dem Raum unnötig entweicht; Kipplüftung erhöht zudem das Schimmelrisiko an den Fensterlaibungen.


  • Stadt Netphen: „Derzeit überlegt die Stadtverwaltung Netphen, auch im Hinblick auf das Förderprogramm der Bundesregierung, an der Anschaffung von mobilen Lüftungsgeräten für die Schulen. Der Empfehlung zu lüften wird unter Berücksichtigung der Hinweise in der Schulmail des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes NRW selbstverständlich Folge geleistet.“ 
  • Stadt Freudenberg: „Die Beschaffung von mobilen Luftreinigungsgeräten im Rahmen des vom Land angekündigten Förderprogramms für die städtischen Schulen ist derzeit nicht geplant. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass bei dem Einsatz mobiler Geräte zur Luftreinigung in der Regel parallel auch das Lüften der Räume über die Fenster erforderlich ist. Insoweit werden die Schulräume entsprechend den Empfehlungen des Schulministeriums und des Umweltbundesamtes regelmäßig gelüftet.“ 
  • Stadt Bad Berleburg: „Unser Immobilienmanagement beschäftigt sich mit der Frage, ob mobile Lüftungsgeräte für unsere Schulgebäude angeschafft werden können. Allerdings ist es so, dass es an keinem unserer neun Schulstandorte größere bauliche Mängel an Fenstern gibt. Es ist überall möglich zu lüften. Für Turnhallen, im Rothaarbad als Schulsportanlage und in den Aulen wird mit Lüftungsanlagen gearbeitet.“ 
  • Stadt Bad Laasphe: „Derzeit ist noch nicht geplant, mobile Luftwäscher für die Schulen im Stadtgebiet Bad Laasphe anzuschaffen. Es gilt weiterhin die Empfehlung, die Klassenräume regelmäßig zu lüften.“ 
  • Gemeinde Wenden: „Bei uns kann gelüftet werden. Die Schulen haben aber darum gebeten, CO2-Melder anzuschaffen. Sie sind bestellt, aber noch geliefert.“ 
  • Stadt Olpe: „Wir sind noch in der Prüfung.“ 
  • Kreis Altenkirchen: „Wir können alle Unterrichtsräume gescheit lüften, prüfen aber gleichwohl, ob der Einsatz von mobilen Lüftungsgeräten sinnvoll ist. Bestellt haben wir bis jetzt 200 CO2-Ampeln.“ 
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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