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Kinder sollen sich in Schulen warm anziehen
Lüften wegen Corona

Unterricht am offenen Fenster: Arian hat sich warm eingepackt, schließlich muss in Corona-Zeiten alle 20 Minuten in den Klassenräumen gelüftet werden. Das könnte im Winter zum Problem werden.
  • Unterricht am offenen Fenster: Arian hat sich warm eingepackt, schließlich muss in Corona-Zeiten alle 20 Minuten in den Klassenräumen gelüftet werden. Das könnte im Winter zum Problem werden.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

damo Siegen/Betzdorf. Noah ist Drittklässler und kein Hausarzt, also ist seine Selbstdiagnose mit einem Fragezeichen zu versehen. Aber der Achtjährige hat einen Verdacht, wo er sich seine Erkältung eingefangen hat: im Klassenraum. Denn dort muss jetzt wegen der Corona-Pandemie alle 20 Minuten stoßgelüftet werden. „Das ist schon ganz schön kalt, wenn das Fenster auf ist. Einige Kinder und ich sind deswegen schon krank gewesen“, sagt der Weitefelder Grundschüler.
Mehr Kinder krankAuch Lars Lamowski ist kein Allgemeinmediziner. Allerdings ist er ein paar Jährchen älter als Noah und mit reichlich Berufserfahrung ausgestattet. Selbst der Leiter der Kirchener Grundschule kommt zu einer ähnlichen Einschätzung wie Noah.

damo Siegen/Betzdorf. Noah ist Drittklässler und kein Hausarzt, also ist seine Selbstdiagnose mit einem Fragezeichen zu versehen. Aber der Achtjährige hat einen Verdacht, wo er sich seine Erkältung eingefangen hat: im Klassenraum. Denn dort muss jetzt wegen der Corona-Pandemie alle 20 Minuten stoßgelüftet werden. „Das ist schon ganz schön kalt, wenn das Fenster auf ist. Einige Kinder und ich sind deswegen schon krank gewesen“, sagt der Weitefelder Grundschüler.

Mehr Kinder krank

Auch Lars Lamowski ist kein Allgemeinmediziner. Allerdings ist er ein paar Jährchen älter als Noah und mit reichlich Berufserfahrung ausgestattet. Selbst der Leiter der Kirchener Grundschule kommt zu einer ähnlichen Einschätzung wie Noah. „Es sind mehr Kinder krank, als das Anfang September üblich ist“, sagt Lamowski: „Das höre ich auch von anderen Schulen.“

Klassenraum alle 20 Minuten lüften

Die Vorgabe, dass im Kreis Altenkirchen alle 20 Minuten kräftig gelüftet werden muss, kommt aus Mainz. Festgeschrieben ist sie in der 5. Fassung des Corona-Hygieneplanes für Schulen. Da heißt es: „Es ist auf eine intensive Lüftung der Räume zu achten. Mindestens alle 20 Minuten ist eine Stoßlüftung bzw. Querlüftung durch vollständig geöffnete Fenster über mehrere Minuten vorzunehmen, auch während des Unterrichts.“ Das ist nicht verhandelbar: „Lüften ist das A und O. Also wird es bleiben“, bestätigt Dr. Sabine Schmidt, Pressesprecherin des Bildungsministeriums, auf Frage der SZ.

Im Winter wird es kalt

Zwar war es am Montagmorgen während der ersten Schulstunde mit 7 Grad etwas kühl – aber noch sind die Temperaturen allemal auszuhalten. „Aktuell ist das noch kein Problem“, meint Isabell Meutsch, Chefin der Grundschule Elkenroth. „Aber das wird im Winter eines werden, da sind wir uns alle einig.“
Zumal ja auch die Turnhallen gelüftet werden müssen, wie Hans-Joachim Laubenthal, Leiter der Realschule plus in Daaden, zu bedenken gibt. „Da wird es im Winter schwierig. Wir werden nur solange Sport unterrichten können, wie man den Kindern zumuten kann, in Sportklamotten zu turnen.“ Und in Mathe, Deutsch und Erdkunde? Sieht Laubenthal aktuell noch keine Schwierigkeiten – allerdings ist schon jetzt ein Passus der Hausordnung gelockert worden: Vor Corona waren Jacken im Klassenraum ein Tabu, jetzt dürfen die Kinder selbst entscheiden.

Lüften auch vor Corona üblich

Auch im Betzdorfer Gymnasium ist das Lüften momentan kein Problem, zumal es laut Studiendirektor Joachim Langhauser nicht neu ist. Schon vor der Pandemie sei es fester Bestandteil der Raumhygiene gewesen, regelmäßig für hinreichend Sauerstoff zu sorgen. Das Gymnasium arbeitet mit CO2-Ampeln: Sie registrieren zwar keine potenziell mit dem Corona-Virus belasteten Aerosole, wohl aber die Kohlendioxid-Konzentration in der Luft. Und sie melden sich, wenn es Zeit zum Lüften wird. Derzeit werden alle 20 Minuten die Fenster geöffnet: „Aktuell sitzen bei uns die Kinder nicht bibbernd in der Jacke da“, sagt Langhauser.

Kinder sollen sich warm anziehen

In den Grundschulen hingegen wird das regelmäßige Stoßlüften bereits bei den Elternabenden thematisiert. Die Maßgabe lautet, dass die Kinder hinreichend warm eingepackt werden. Das dürfte auch im Sinne der Eltern sein, schließlich wird im Moment bei jedem Husten die Frage aktuell, ob das Kind jetzt sicherheitshalber der Schule fernbleiben muss. „Die Eltern sind verunsichert, und das kann man gut verstehen“, gibt Lars Lamowski die Eindrücke von der Grundschule Kirchen wieder.
Nun ist Lamowski nicht nur Schulleiter, sondern zugleich stellvertretender Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Und in dieser Rolle nimmt er im SZ-Gespräch das Land in die Pflicht: „Wir müssen weiter alle 20 Minuten lüften, auch wenn es draußen kälter wird. Das ist ein Problem, mit dem wir Schulen alleingelassen werden. Denn es gibt noch keine Lösung vom Land.“

Die Situation in nordrhein-westfälischen Schulen Johannes-Althusius-Gymnasium, Bad Berleburg: „Sofern es die Temperaturen und der Verkehrslärm zulassen, haben wir die Fenster geöffnet“, erzählt der stellv. Schulleiter Christoph Achenbach. An kälteren Tagen gebe es feste Öffnungszeiten für jede Doppelstunde. Außerdem habe man Toiletten- und Lüftzeiten für Jüngere eingerichtet, um den Verordnungen gerecht zu werden. Jung-Stilling-Grundschule, Siegen: „Im Moment öffnen wir die Fenster in den Klassenräumen durchgehend“, erzählt auch Schulleiterin Petra Dors, „aber man muss ja auch damit rechnen, dass es bald kälter wird.“ Deshalb werde im Gremium besprochen, wie man zukünftig die Situation für alle Beteiligten am besten lösen könne. Dann folge ein Elternbrief mit genauen Informationen, verspricht Dors. Gesamtschule Wenden: „Aus meiner Sicht gibt es eine große Diskrepanz zwischen dem Lüften und der Unfallgefahr“, nimmt Julia Cruz-Fernandez vorweg. Deshalb würden die Fenster in den Klassenräumen während des Unterrichts unter Aufsicht einer Lehrkraft und nicht in den Pausen geöffnet, erklärt die Schulleiterin im Gespräch mit der Siegener Zeitung.

Es gibt kein Konzept

Dass noch kein Konzept auf dem Tisch liegt, bestätigt – wenn auch indirekt – die Pressesprecherin des Bildungsministeriums: „Wir werden gemeinsam mit den Schulträgern Lösungen finden“, sagt Dr. Sabine Schmidt. Das Ministerium stehe mit allen Beteiligten im Austausch. Wie immer in Zeiten der Pandemie: „Es gibt keine Blaupause, auf die wir zurückgreifen können. Wir werden gemeinsam flexible Lösungen finden.“

Lüftungsgeräte im Gespräch

Wie die aussehen können, lässt die Ministeriumssprecherin offen. Es müsse aber in alle Richtungen gedacht werden: So müsse z.B. geprüft werden, ob mobile Raumlüftungsgeräte eine Option seien. Angedacht werden müsse aber auch, ob bei wirklich knackigen Temperaturen Unterrichtszeiten verkürzt oder kleinere Lerngruppen gebildet werden müssten. Noch sei aber alles offen.
Das wiederum wirft die Frage auf, ob denn in Mainz niemand mit dem Winter gerechnet hat? „Wir sind natürlich bereits im Dialog, und im Hintergrund wird schon lange an dem Thema gearbeitet. Deshalb lautet unsere Botschaft: Wir haben das Problem auf der Agenda.“

Gebäude für Corona gewappnet?

Übrigens müssen sich nicht nur die Akteure in Mainz mit dem Lüften von Klassenräumen befassen: Der Schulausschuss des NRW-Landtags in Düsseldorf wird sich am Dienstag mit einem gebäudetechnischen Corona-Check für alle 5500 Schulen des Landes beschäftigen.
Allerdings geht es in NRW nicht vorrangig um kalte Frischluft, sondern um fehlende: So soll zeitnah geklärt werden, an wie vielen Schulen aufgrund baulicher Einschränkungen die Fenster gar nicht zu öffnen sind. Die Einschätzungen gehen dabei weit auseinander: Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) geht von etwa einem Prozent aller Schulen aus, die SPD-Opposition hält die Dimension des Problems für weitaus größer.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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