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Vorsichtige "Normalität" in Seniorenheimen
"Luftküsschen" auch an Ostern

In den Senioreneinrichtungen, die virusfrei sind,  hält nach den Impfungen Normalität Einzug. Das schöne Wetter der vergangenen Tage lud zudem nach draußen ein.
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  • In den Senioreneinrichtungen, die virusfrei sind, hält nach den Impfungen Normalität Einzug. Das schöne Wetter der vergangenen Tage lud zudem nach draußen ein.
  • Foto: Björn Hadem
  • hochgeladen von Anja Bieler-Barth (Redakteurin)

nja Siegen/Kreuztal/Niederdielfen. Es gibt Momente, die gehen unter die Haut. „Jetzt muss ich nicht mehr alleine sterben“: Das war das Erste, das eine betagte Krombacherin, Bewohnerin eines Pflegeheims, nach ihrer zweiten Coronaimpfung zu ihrer ihrer Tochter sagte. Zu tief saß zuvor die Angst, dass der liebste Mensch auf Erden einmal nicht an ihrem Sterbebett würde sitzen dürfen. Der zweite Piks bescherte nun auch ihr große Erleichterung und ihrer Tochter diesen Gänsehautmoment. Herrschten Ostern 2020 noch Kontaktsperren und Besuchsverbote, so darf auch die Krombacherin an diesem Wochenende das Osterfest mit ihrer Familie feiern. Jeder Heim-Bewohner darf laut Coronaschutzverordnung bis zu fünf Besucher (plus unter 14-Jährige) empfangen. Wenn auch nicht überall. Doch dazu später mehr.

nja Siegen/Kreuztal/Niederdielfen. Es gibt Momente, die gehen unter die Haut. „Jetzt muss ich nicht mehr alleine sterben“: Das war das Erste, das eine betagte Krombacherin, Bewohnerin eines Pflegeheims, nach ihrer zweiten Coronaimpfung zu ihrer ihrer Tochter sagte. Zu tief saß zuvor die Angst, dass der liebste Mensch auf Erden einmal nicht an ihrem Sterbebett würde sitzen dürfen. Der zweite Piks bescherte nun auch ihr große Erleichterung und ihrer Tochter diesen Gänsehautmoment. Herrschten Ostern 2020 noch Kontaktsperren und Besuchsverbote, so darf auch die Krombacherin an diesem Wochenende das Osterfest mit ihrer Familie feiern. Jeder Heim-Bewohner darf laut Coronaschutzverordnung bis zu fünf Besucher (plus unter 14-Jährige) empfangen. Wenn auch nicht überall. Doch dazu später mehr.

„Wir sind froh, dass mehr möglich ist als vor einem Jahr“, sagt Sönke Hadem von der Kreuztaler Seniorenwohngruppe „Haus Hadem“. „Alle 19 Bewohner sind zweimal geimpft. Wir planen ein gemeinsames Osterfrühstück, da interne Veranstaltungen ja wieder möglich sind. Dabei wird es auch eine Andacht geben.“ Besucher müssen sich natürlich testen lassen. „Wir bitten die Angehörigen, uns ihren Besuch anzukündigen, damit wir den Einlass besser steuern können.“ Aber natürlich seien auch spontane Besuche möglich. Hadem zur Stimmung im Haus: „Wir merken: Ein Schalter wurde umgelegt, die Senioren leben auf.“

Bewohner müssen keine Maske tragen

Auf- und durchatmen können auch die 119 Männer und Frauen im Weidenauer Marienheim. Dort wird am Sonntag im Restaurant gemeinsam ein Ostergottesdienst gefeiert. Seelsorgerin Pia Biehl wird die frohe Botschaft der Auferstehung Jesu Christi verkünden, freut sich Heimleiter Jörg Boenig über mehr Miteinander. Die Bewohner haben gemeinsam Ostereier gefärbt, am Mittwoch war das Tierheim Siegen mit Schafen zu Gast im Park: „Das hat allen gut getan.“ Auch im Haus müssen die Bewohner weder Maske tragen noch Abstand halten: Es kehrt vorsichtig Normalität ein, die allen gut tut.

Virusausbruch lässt auch Osterträume platzen

Davon können die Bewohner des Niederdielfener „Haus an der Weiß“ allerdings an diesem Osterwochenende nur träumen. Seit 25. März herrschen Betretungsverbot und Aufnahmestopp. Der Grund: acht Corona-nfizierte Bewohner, darunter auch bereits geimpfte Personen. Nicole Klemm, Leiterin des Hauses, betont: „Es gibt einen deutlichen Unterschied bei den Krankheitsverläufen. Die Geimpften haben sehr abgeschwächte Symptome.“ Sie schlafen viel und haben keinen Appetit. Zudem wurde das Virus bei drei Mitarbeitern nachgewiesen. Die Infizierten liegen nun auf einer Quarantänestation. Ins Haus gebracht haben das Virus laut Nicole Klemm eine Bewohnerin, die  zuvor im Krankenhaus lag, und ein Angehöriger.

Gesunde Senioren speisen alleine

Sie ist sauer: NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann spreche von einer Herdenimmunität in den Heimen, sagt sie kopfschüttelnd – und sieht dies grundlegend anders. Die gesunden Senioren speisen also wieder alleine auf ihren Zimmern – genossen in den vergangenen Tagen aber auch das schöne Wetter im Garten: „Wir versuchen, so viel Normalität wie möglich zu bieten.“ Osteraktionen waren geplant – der Ausnahmezustand lässt diese nun aber nicht zu. Ein musikalisches Ständchen werde es aber geben – vom Garten aus. Gespräche mit Angehörigen auf Abstand über den Gartenzaun hinweg sind denkbar. Ansonsten bleibt es bei Telefonkontakten – gegebenenfalls auch von Angesicht zu Angesicht via Facetime. Am Dienstag wird das Gesundheitsamt die dritte Reihentestung vornehmen: Auf diesem Datum ruhen nun die Hoffnungen.

Kreuztalerin optimistisch und zufrieden

Hildegard Jung blickt optimistisch und zufrieden auf ihr Leben und in die nahe Zukunft: Die 88-Jährige wohnt im AWo-Seniorenheim im Kreuztaler Stadtzentrum und fühlt sich dort seit 2012 pudelwohl. Ihre Angehörigen haben ihre Osterbesuche schon vorgezogen. „An den Feiertagen telefonieren wir – so bleibe ich auf dem Laufenden.“ Nun freut sie sich auf das Unterhaltungsprogramm des AWo-Teams – insbesondere auf Gedächtnistraining und Bingo. Die Speiseräume auf den Etagen sind wieder offen. Und auch Besuche auf anderen Etagen sind wieder drin – schenken Normalität und Gemeinschaft, bestätigt Leiter Hartmut Klein.

Einen kath. Ostergottesdienst wird es am Wochenende geben. Hildegard Jung freut sich derweil immer auf die gedruckte Sonntagspredigt ihrer ev. Kirchengemeinde. Sie freut sich auf die Zeit nach der Pandemie – wenn man keine Angst mehr vor Umarmungen mit den Liebsten haben muss. Bis dahin, so sagt sie fröhlich, „werfen wir uns durch die Maske Luftküsschen zu“.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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