Luz Leskowitz maßlos enttäuscht

 Eine Fotografie aus dem Festwochen-Album des künstlerischen Leiters, das Luz Leskowitz mit der dänischen Königin Ingrid zeigt. Foto: privat
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ciu - „Ich war wie vom Blitz getroffen.“ Luz Leskowitz, der nun unfreiwillig scheidende künstlerische Leiter der Musikfestwoche auf Schloss Berleburg, macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über die Entscheidung der Kulturgemeinde Bad Berleburg, die Zusammenarbeit mit ihm zu beenden. Er habe in diesem Jahr das Programm für 2015 präsentieren wollen (u. a. mit German Brass, mit der Pianistin Olga Scheps, mit der Gitarristin Irina Kulikowa), habe selbst und mit genügend Vorlauf seinen Abschied von Bad Berleburg („ich weiß, ich bin nicht mehr der Allerjüngste“) vorbereiten wollen. 2017, zum 45-Jährigen des traditionsreichen Klassikfestivals. Nun sei er, wie er am Dienstagabend in der Konzertpause im Gespräch mit der Siegener Zeitung sagte, gefordert, seine Musikerkollegen, die unter diesen Umständen eigentlich gar nicht hätten kommen wollen, zu motivieren („Kommt, wir wollen schöne Konzerte spielen!“) und dem Publikum zu vermitteln, was denn nun eigentlich der Grund für die Trennung Leskowitz/Musikgemeinde ist.

Eine Begründung, warum der Vorstand der Kulturgemeinde mehrheitlich dafür stimmte, ab 2015 die Musikfestwoche in eigener Regie zu organisieren und das ohne künstlerischen Leiter Luz Leskowitz, mochten die Verantwortlichen, zumindest offiziell, nicht geben. „Uns steht es auch nach langer Zusammenarbeit mit dir frei, die Organisation unserer Musikfestwochen zu ändern. Einer Rechtfertigung bedarf dies nicht“, heißt es in dem von 2. Vorsitzendem Christoph Haupt unterzeichneten Schreiben vom 18. Juni 2014. Auch vom Dank „für die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit“ ist die Rede, dazu die Bitte, „eine zwischen uns abgestimmte beiderseitige Erklärung“ zu formulieren. Der Vorstand, das ist in den Papieren nachzulesen, die Leskowitz vorlegte, stehe „zwischen verschiedensten Interessen, Notwendigkeiten und in Verantwortung für den Verein“. Leskowitz selbst sieht in den Reihen des Vorstands vor allem einen, der seit Jahren versuche, ihn von der künstlerischen Leitung zu entbinden; hinsichtlich der weiteren Entscheidungsträger sagte er: „Sie kennen ja das Wort ,Fraktionszwang’. Berleburg ist nun einmal – und ich sage das liebenswürdig – ein Dorf.“

Nun gehe er, das mailte Luz Leskowitz in die Redaktion, „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Weinend, weil derzeit „all die schönen Erinnerungen“ überdeckt würden von dieser großen Enttäuschung. Über 20 Jahre sei er Gast im Schloss gewesen („die Fürstin stellte damals mir jedes Jahr herrliche Gästezimmer in der ersten Etage zur Verfügung“), es habe Einladungen für musikalische Wochenenden auf Schloss Fredensborg in Kopenhagen gegeben und so weiter und so weiter, schreibt der Geiger, der seit Ende November, vom österreichischen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur beurkundet, den Berufstitel Professor tragen darf. Er fühlt sich verkannt in Bad Berleburg, will seinen Blick nun dorthin richten (bei Festivals etwa in Russland oder in Japan, bei internationalen Wettbewerben), „wo man mit Respekt meine Erfahrungen aufnehmen möchte“. Mit einem lachenden Auge verlasse er die Region, da er mit einem Vorstand, der ihm so viel Misstrauen entgegenbringe, letztlich nichts mehr zu tun haben wolle. „Diese Art der menschlichen Begegnung ist nicht die meine. (…) Diese Vorgehensweise ist menschlich unterste Schublade.“ Ein herzliches Dankeschön, und das ist Leskowitz wichtig zu betonen, gelte dem Berleburger Publikum, den jahrzehntelangen Wegbegleitern.

Einer davon ist Hans W. Kocherscheidt, Seniorchef von Musikfestwochen-Sponsor EJOT, der in einem Brief an den Kulturgemeinde-Vorstand anmahnt, das „Ausscheiden von Herrn Leskowitz aus der Organisation der Festwoche in irgendeiner würdigen Form“ zu gestalten. Vielleicht – und hier sagt er auch finanzielle Unterstützung zu – in einer Hommage mit dem Schauspieler Klaus Maria Brandauer und dem Pianisten Jörg Demus. Letzterer schrieb Ende Juni gleichfalls sowohl an Otto Marburger als auch an Luz Leskowitz, sein Unverständnis mit einer Vielzahl an Fragen äußernd, abschließend dies: „Mein dringender Rat an meinen Freund Luz: Spielt bei eurer letzten Festwoche so unbeschreiblich schön, dass sich mancher – so er’s schafft – in den Hintern beißen möchte …“

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