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Kantaten-Gottesdienst mit Präses Kurschus
Mächtige Botschaft in leisen Worten

Der geplante Auftritt des Bach-Chors Siegen in der Martinikirche am Pfingstsonntag musste coronabedingt ausfallen.
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tile Siegen. Ohne die üblichen „Trommeln und Trompeten“, wie Präses Annette Kurschus feststellte, fand am Pfingstsonntag der Kantaten-Gottesdienst in der Martinikirche Siegen statt. Auf den zu diesem Anlass eigentlich geplanten großen Auftritt des Bach-Chors mussten die Gläubigen coronabedingt verzichten; sie durften dennoch Kirchenmusik auf hohem Niveau genießen und einer Predigt aus berufenem Munde lauschen: Die leitende Geistliche der ev. Kirche von Westfalen griff die Themen Abschied (Tod) und Liebe des Lesungstextes (Johannes 14, 15.19.23b-27) und der Bach-Kantate „Wer mich liebet, der wird mein Wort halten“ (BWV 74) auf, die ein reduziertes Ensemble unter der Leitung von Kantor Peter Scholl darbot.

tile Siegen. Ohne die üblichen „Trommeln und Trompeten“, wie Präses Annette Kurschus feststellte, fand am Pfingstsonntag der Kantaten-Gottesdienst in der Martinikirche Siegen statt. Auf den zu diesem Anlass eigentlich geplanten großen Auftritt des Bach-Chors mussten die Gläubigen coronabedingt verzichten; sie durften dennoch Kirchenmusik auf hohem Niveau genießen und einer Predigt aus berufenem Munde lauschen: Die leitende Geistliche der ev. Kirche von Westfalen griff die Themen Abschied (Tod) und Liebe des Lesungstextes (Johannes 14, 15.19.23b-27) und der Bach-Kantate „Wer mich liebet, der wird mein Wort halten“ (BWV 74) auf, die ein reduziertes Ensemble unter der Leitung von Kantor Peter Scholl darbot.

"Corona-Lücken" im Kirchenschiff

Vor mehr leeren als besetzten Plätzen – im Zuge der Pandemie-Schutzmaßnahmen wurde nur jeder dritte Platz in jeder zweiten Reihe mit zuvor angemeldeten Besuchern besetzt (ausgenommen Verwandte oder Haushalte) – betonte Kurschus die mächtige Pfingstbotschaft in den leisen Worten und Klängen der Texte: „Wir sind zu Pfingsten nicht mehr dieselben, denn Gott richtet sich in uns ein.“ Das verändere die Menschen. Die ehemalige Gemeindepfarrerin von Siegen-Klafeld zitierte einen anderen Sohn der Stadt, Navid Kermani, um das Resultat dieser Veränderung zu verdeutlichen. In seinem Buch „Ungläubiges Staunen“ (2016) schreibe der Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels über seine Bewunderung für das Christentum und die Christen wegen ihrer „spezifischen christlichen Liebe, sofern sie sich nicht nur auf den Nächsten bezieht“. Dies sei ein Maß der Liebe, „auf das der Mensch ohne Gott nicht kommen könne“, zitierte die Theologin den Autor und Orientalisten. Daran nämlich erkenne er die Christen.

Religiöses Mit-Fingern-aufeinander-Zeigen

„Wo hat Kermani diese Christen getroffen?“, fragte Annette Kurschus spitz angesichts der Zuschriften, die sie jüngst erhalten habe, und der anhaltenden Diskussionen über den richtigen Glauben („nicht nur in der Siegener Zeitung“), die sie beklommen gemacht habe. Sie beobachte eine Art religiöses Mit-Fingern-aufeinander-Zeigen und eine Unsicherheit jedes einzelnen, mündend in der Ahnung, Kermanis Bild der Christen, geschweige denn Jesu Erwartung, nicht gerecht zu sein. „Die Liebe Gottes“, stellt die Präses fest, „ist eine Haltung“, die durch Gottes Augen sehen lasse. Sie zeige sich unter anderem im „Widerstand gegen Unrichtiges“. Diese Haltung, so konnte man die Theologin interpretieren, scheint sie zuletzt in der Breite vermisst zu haben.

Jesus wirbt um jeden Menschen

Das Werben Jesu um die Menschen werde in Bachs Kantate sichtbar, schlug Annette Kurschus den Bogen zurück zum musikalischen Rahmen, der in der Arie „in strahlendem C-Dur, der Sieges-Tonart“ ihren Höhepunkt finde: „Nichts kann mich erretten / Von höllischen Ketten / Als, Jesu, dein Blut.“ In den Fürbitten beschwor die Präses den Geist der Hoffnung gegen die Angst und Mutlosigkeit der vergangenen Wochen, den Geist der Wahrheit gegen „bewusst falsche Nachrichten“, den Geist des Vertrauens gegen Verwirrung und Verschwörungstheorien sowie den den Geist des Friedens und der Liebe gegen Hass, Missachtung und Gewalt.

Dezimierter Applaus für reduziertes Ensemble

Für die Musiker gab es am Ende verdienten Applaus des dezimierten Publikums. Den Gläubigen, die den Live-Stream des Gottesdienstes verfolgten, dürfte die Darbietung des Ensembles bestehend aus Irene Carpentier (Sopran), Christine Wehler (Alt), Leonhard Reso (Tenor), Sebastian Klein (Bass), Birthe Metzler (Violine), Anja Vogel (Cello), Patrick Lohrbach (Trompete) und Kantor Peter Scholl (Orgel/Leitung) trotz des „Filters“ Internet ebenfalls einige Freude bereitet haben.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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