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Prozess um virtuelle Vergewaltigung
Mädchen mit Fake-Identitäten unter Druck gesetzt?

Wiederholt soll der 45-Jährige ein junges Mädchen im Internet mit Fake-Identitäten unter Druck gesetzt haben.
  • Wiederholt soll der 45-Jährige ein junges Mädchen im Internet mit Fake-Identitäten unter Druck gesetzt haben.
  • Foto: cs (Archiv)
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

mick Siegen. Ein 45-Jähriger Siegerländer wurde im Sommer 2019 wegen virtueller Vergewaltigung zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof hatte den Rechtsfolgenausspruch nach Revision des Verteidigers aufgehoben und den Fall ans Landgericht zurückverwiesen. Am Mittwoch fand der Prozess vor der 1. großen Strafkammer als Jugendkammer seine Fortsetzung.
Der Mann war Mitte 2018 aus dem Gefängnis gekommen, er hatte bereits eine Strafe von fünf Jahren und neun Monaten wegen eines ähnlichen Vorfalls verbüßt: 2012 hatte er im Internet Kontakt zu einer Minderjährigen aufgenommen, drei verschiedene Identitäten benutzt und die Minderjährige zum Geschlechtsverkehr gezwungen.

mick Siegen. Ein 45-Jähriger Siegerländer wurde im Sommer 2019 wegen virtueller Vergewaltigung zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof hatte den Rechtsfolgenausspruch nach Revision des Verteidigers aufgehoben und den Fall ans Landgericht zurückverwiesen. Am Mittwoch fand der Prozess vor der 1. großen Strafkammer als Jugendkammer seine Fortsetzung.
Der Mann war Mitte 2018 aus dem Gefängnis gekommen, er hatte bereits eine Strafe von fünf Jahren und neun Monaten wegen eines ähnlichen Vorfalls verbüßt: 2012 hatte er im Internet Kontakt zu einer Minderjährigen aufgenommen, drei verschiedene Identitäten benutzt und die Minderjährige zum Geschlechtsverkehr gezwungen.

Gefängnis für eine perfide Scharade

Angeklagter mit Strategie

Im vorliegenden Fall hatte er eine 14-Jährige ebenfalls mit drei erfundenen Charakteren in eine komplexe Geschichte um Liebe, Prostitution und japanische Mafia verstrickt, unter Druck gesetzt und zu sexuellen Handlungen per Chat und Kamera genötigt. Zu einem Treffen war es aber nicht gekommen. „Wie ein Roman“ sei das für ihn gewesen, beschrieb ein Polizist die Geschichte, die sich nach der Verhaftung des Mannes vor ihm auftat. Da müsse schon eine längerfristige Strategie existiert haben, so der Zeuge. Insgesamt sei der Mann kooperativ gewesen „und hatte uns wohl auch schon erwartet“. Aufgefallen ist dem Zeugen, dass der Beschuldigte sehr real von vier Beteiligten gesprochen habe, von seinen drei falschen Identitäten „in der dritten Person“.
Erst auf die nachdrückliche Erinnerung hin, dass diese falsch seien, habe der Beamte den Eindruck gehabt, dass seinem Gegenüber dies bewusst wurde. Auch habe der Angeklagte wohl gemerkt, „dass er Hilfe braucht“.

Mädchen hält falsche Identitäten für real

Ein weiterer Beamter aus dem Landkreis Märkisch-Oderland hatte seinerzeit die 14-Jährige vernommen. Aus seiner Sicht war das Mädchen für ihr Alter sehr weit entwickelt, habe genau nachgefragt. Der Beamte konnte genau den Moment bestimmen, in dem „ihr ein Licht aufgegangen“ sei und sie erkannt habe, dass ein einzelner Mann hinter den drei Identitäten steckte.
„Uns wollte sie nicht mal ihren Vornamen nennen, hat sich total verweigert“, bedauerte Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach. Möglicherweise sei das Mädchen verärgert gewesen, so der Beamte. Er habe herausgehört, dass es alle drei „Fake“-Identitäten für echt gehalten und gemocht hatte. Die Mutter hingegen sei sauer gewesen, weil die Tochter schon einmal Fotos an einen älteren Mann geschickt und offenbar nichts daraus gelernt habe.

Psychiatrisches Gutachten steht aus

Verteidiger Michael Aßhauer wollte wissen, wie sie von den sexuellen Vorgängen berichtet habe. Anfangs zurückhaltend, dann freier, sagte der Zeuge. Für den Anwalt deutete das auf sexuelle Erfahrungen hin. Laut Staatsanwältin Katharina Burchert sei die Kenntnis auf Begriffe zurückzuführen, die der Angeklagte sicher bei seinen Forderungen an das Opfer genutzt habe.
Während des ersten Aufenthalts im Gefängnis hatte die frühere Schwägerin dem Angeklagten Briefe geschrieben und ihn darin als Lieblingsschwager bezeichnet. Ganz entgegengesetzt dazu soll sie jedoch auch gesagt haben, sie wünsche ihm mehr oder weniger, für immer im Gefängnis bleiben zu müssen.
Dies soll ein Zeuge bestätigen, der möglicherweise am 13. November gehört wird. Dann steht auch das psychiatrische Gutachten auf dem Plan.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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