»Mädele aus dem schwarzen Wald«

Gelungener Operettenabend in der Siegener Stadtbühne bot richtig gute Unterhaltung

Siegen. Ein richtiges Gute-Laune-Paket hatte die Operettenbühne Wien vorgestern für ihr Gastspiel in der Stadtbühne geschnürt. Mit dem »Schwarzwaldmädel« servierte die personalstarke Truppe durchaus charmant – das gehört sich für Österreicher halt so – einen »der« deutschen Operettenklassiker. Wer sich bisher in Siegen bei Operetten-Gastspielen schon öfter über lieblose Billig-Inszenierungen geärgert hat, der wurde bei der Veranstaltung von Theater Siegen positiv überrascht. Für eine Tourneeproduktion war das Gastspiel der Wiener mit Chor und Orchester unter der musikalischen Leitung von Heinz Hellberg mehr als ordentlich. Kostüme (Lucya Kerschbaumer) und Choreographie (Enrico Juriano) konnten sich sehen und die Gesangssolisten hören lassen. Das honorierte das Publikum in der gut besuchten Stadtbühne nicht nur mit kräftigem Schlussbeifall, sondern auch immer wieder mit spontanem Szenenapplaus.

Das zweimal verfilmte »Schwarzwaldmädel« (die 1950er-Version mit Sonja Ziehmann und Rudolf Prack war ein Riesen-Publikums-Hit) zieht seinen Reiz nicht nur aus den vielfältigen amourösen Verwicklungen, sondern auch aus den konträren Lebensverhältnissen der Menschen auf dem Land und in der Stadt. Die Unterschiede waren damals – 1917 wurde die Operette (Musik Léon Jessel, Text August Neidhart) uraufgeführt – natürlich noch viel größer als heute. Das muss anno dunnemals ein richtiger Kulturschock gewesen sein, wenn ein Berliner in den dunklen Wald gekommen ist. Und zwar auf beiden Seiten! Für den Juden Jessel gab es übrigens kein Happy End wie für die Liebenden in der Operette. Von der Gestapo misshandelt, starb er 1942 in Berlin.

»Mädle aus dem schwarzen Wald« ist vielleicht der bekannteste »Hit« aus dem volkstümlichen Singspiel und wurde vom Publikum entsprechend goutiert. Aber auch das Polkalied »Malwine, ach Malwine« oder das Walzerduett »Muss denn die Lieb' stets Tragödie sein« haben durchaus eingängigen Ohrwurmcharakter. Vom offensichtlich routiniert eingespielten Orchester kongenial begleitet, brachte das Ensemble immer wieder farbenfrohe Gruppenszenen auf die Bühne, die die Atmosphäre rund um das Cäcilienfest in Sankt Christoph gut rüberbrachten. Bei diesem Fest dürfen sich die Mädele einen Burschen zum Tanz aussuchen. Da diese Damenwahl aber offenbar ein eindeutiger Fingerzeig auf den weiteren (gemeinsamen) Lebensweg ist, sind Turbulenzen natürlich vorprogrammiert. Wenn dann noch zwei junge Herren aus der Hauptstadt, verfolgt von einer mehr oder weniger mondänen Dame, durchs Unterholz brechen, gibt es Verwicklungen en masse. Natürlich nicht ohne glückliches Ende, schließlich handelt es sich um eine Operette. Damit alle happy sind.

So finden sich denn die durch eine Erbschaft reich gewordene Lumpenprinzessin Bärbele (Susanne Fugger) und der fesche Hans (Laszlo Maleczky) und auch Richard (Alexander M. Helmer) und Malwine von Hainau (Heidi Brandstetter). Domkapellmeister Blasius Römer (Alois Wachshofer) muss erkennen, dass ein »Schmätzle« noch längst keinen zweiten Frühling macht und die alte Traudel (Linde Rupp) Recht behalten hat: Die besten Jahre eines Mannes sind nicht mehr die guten! Für gute Laune im Saal sorgten der Berliner Schmußheim (Gerhard Karzel) und der Ochsen-Wirt (Helmut Ettl). Ohne Burschen vom Tanzboden, dafür aber mit ebenso viel Applaus, wie das gesamte Ensemble wurden Hannele (Verena te Best) und Lorle (Martina Stuber) verabschiedet.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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