Männer mit Vergangenheit

Spier und Wolter mit und als »Sugar Daddys« in der Bühne

ciu Siegen. Der Weihnachtsmann? Das muss ein Guter sein! Und so lädt die junge Sasha den verunglückten Alten kurzerhand in ihre Wohnung, eine angestaubte Bude, die gleichwohl recht gemütlich ist. Was sie nicht weiß: Der kostümierte Onkel Val ist ein Mann mit Vergangenheit. Spitzbube, Ganove, Pate. Weil er Macht hat, kann er die Dinge zu seinen Gunsten drehen. Doch irgendwie scheint es, als bringe Sasha etwas anderes in sein Leben: Glück und Unschuld, Unbefangenheit, Reinheit, Läuterung. Aber Sasha, urplötzlich überhäuft mit Kleidung, Schmuck und Komplimenten, verändert sich. Sie wird stolz und skrupellos. Nur gut, dass es da diesen anderen Alten gibt: Ashley, der als Cop sein Leben lang dem Schattenmann Val hinterherjagte. Auch Ashley hat ein Auge (er hat nur noch eines!) auf Sasha geworfen; will sie warnen und schützen und vielleicht auch noch ein bisschen mehr. Umgarnt von ihren »Sugar Daddys« wird sich Sasha entscheiden müssen: für ein Leben als Vals Barbiepüppchen oder für einen Weg als freie Frau. Am Ende wird die Prinzessin flügge. Was auch mit Halbschwester Chloe zu tun hat, die sie liebt, und mit Charmaine, einer fürchterlich halbseidenen Dame...

Diese Geschichte um Schein und Sein, um Traum und Wirklichkeit, um Zukunft und Vergangenheit amüsierte am Freitagabend das Siegener Theaterpublikum in der fast ausverkauften Stadtbühne. Die Rollen der »Sugar Daddys« (so heißt das Stück von Alan Ayckbourn, das unter der Regie von Jürgen Wölffer in einer Inszenierung der Komödie Am Kurfürstendamm aufgeführt wurde) waren Paraderollen für die »Bühnenfüchse« Wolfgang Spier (Val) und Ralf Wolter (Ashley). Der eine gab den undurchsichtigen Alt-Gangster mit wackligem Knie und kieksiger Stimme, in feinem Zwirn, teurem Pelz und edlem Leder; der andere den geschmeidigen Ex-Kommissar, der auch als Pensionär das Schnüffeln nicht lassen kann. Ralf Wolter karikierte den Polizisten als eine Art Schmidtchen Schleicher, einen Kauz mit Hang zu ausschweifenden Erklärungen (»lange her, lange her«), der trotz Augenklappe »mit dem Zweiten« mehr sieht als manch andrer.

Zwischen diesen Unterhaltungs-Urgesteinen (Spier ist Jahrgang 1920, Wolter 1926 geboren) machte sich Anke Rähm als Sasha umso jugendlicher aus – und sie machte eine gute Figur. Ganz groß der Moment, als sie spüren lässt, dass Sasha reift, dass sie spürt, wie Val sein zugegeben goldenes Netz spinnt, und ahnt, wie kalt und brutal der Hauch des Bösen in ihr Leben weht. Längst ist ihre Wohnung nicht mehr diese graue Stube, sondern ein schwüler roter Salon; längst hat sie ihre lässige Garderobe gegen elegante Roben eingetauscht; längst hat sie sich der Schwester entfremdet.

Doch Sasha zieht die Reißleine. »Wir müssen Schluss machen«, sagt sie und nimmt Abschied von Val. Der Alte geht; ob freilich ganz und gar, das bleibt so offen wie die Zukunft der hin- und hergerissenen Chloe. Ute Willing zeigte diese unwirsche Rechercheurin in ihrer Verletzlichkeit und dem immer wieder neuen Anlauf zur Hoffnung – und überraschte als grün gepolsterte Flegelin Charmaine. Für dieses aufgeräumt wirkende Ensemble gab es nach zweieinhalb Stunden herzlichen Applaus.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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