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Mehr Bienen und mehr Wald - in Siegen eher schwierig
"Maja" muss längere Wege in Kauf nehmen

Mit ihren Anträgen wollte die UWG mehr Bienen ins Stadtgebiet holen. Diese Honigbiene „tankt“ Nektar auf den Blüten der Fetten Henne.
  • Mit ihren Anträgen wollte die UWG mehr Bienen ins Stadtgebiet holen. Diese Honigbiene „tankt“ Nektar auf den Blüten der Fetten Henne.
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  • hochgeladen von Dirk Manderbach (Redakteur)

dima Geisweid. „Kann die Verwaltung stadteigene Flächen außerhalb des Stadtforstes benennen, die sich sowohl für eine artengemischte Wiederaufforstung eignen, aber auch insektenfreundlich begrünt werden können?“ Gleich zwei Fliegen mit einer Klappe wollte die FDP mit dieser Frage erschlagen. Wobei dieses Bild wohl nicht so recht passt, schließlich will die FDP Insekten fördern. Ein solches Projekt könne an geeigneten Standorten durchaus zielführend und gut für das Stadtbild sein, so die FDP in ihrer Anfrage, die sie am Donnerstag im Ausschuss für Umwelt, Landschaftspflege und Energie, der im Geisweider Rathaus tagte, von der Stadt beantwortet haben wollte.

dima Geisweid. „Kann die Verwaltung stadteigene Flächen außerhalb des Stadtforstes benennen, die sich sowohl für eine artengemischte Wiederaufforstung eignen, aber auch insektenfreundlich begrünt werden können?“ Gleich zwei Fliegen mit einer Klappe wollte die FDP mit dieser Frage erschlagen. Wobei dieses Bild wohl nicht so recht passt, schließlich will die FDP Insekten fördern. Ein solches Projekt könne an geeigneten Standorten durchaus zielführend und gut für das Stadtbild sein, so die FDP in ihrer Anfrage, die sie am Donnerstag im Ausschuss für Umwelt, Landschaftspflege und Energie, der im Geisweider Rathaus tagte, von der Stadt beantwortet haben wollte.

Also: Etwas gegen den Klimawandel tun – mittels Erstaufforstung bisher unbewaldeter Flächen – und gleichzeitig für das Wohl der Insekten: Funktioniert das in Siegen? Wird wohl eher schwierig, antworteten Dr. Bernhard Kraft als Leiter der städtischen Umweltabteilung und Stadtförster Jan Marc Heitze, quasi unisono, nur mit anderen Worten. Klar sei eine Aufforstung prinzipiell eine geeignete Maßnahme zur zusätzlichen Bindung von Kohlendioxid und damit gegen den Klimawandel, so Kraft. Ein Problem sehe er allerdings aufgrund der Rechtslage. Erstaufforstungen bisher unbewaldeter Flächen seien erst einmal vom Regionalforstamt zu genehmigen. Was wohl noch nicht das Hauptproblem ist, denn, so Kraft weiter: Freiflächen in Siegen, die noch kein Wald sind, stehen beinahe flächendeckend unter Naturschutz. Und zwar als Landschaftsschutzgebiet.

Nur 13 Prozent der Stadtfläche Offenland

Außerdem, so Kraft, hätte dann auch noch die Untere Naturschutzbehörde ein Wörtchen mitzureden. Erstaufforstungen schutzwürdiger Flächen würden sicher nicht genehmigt. Nicht ohne Grund, denn schließlich sind laut Kraft nur 13 Prozent der Stadtfläche Offenland. Deshalb nenne auch der Landschaftsplan keine Flächen, die noch aufzuforsten wären. Will heißen: Eine Aufforstung dieser Flächen bekommt den dort lebenden Insekten weniger gut, ist oft sogar kontraproduktiv. Man denke nur an die seltenen Schmetterlinge in den Wiesen und Weiden, die nur in diesen Lebensräumen und nicht im Wald leben können.

Jan Marc Heitze fügte ein weiteres Argument hinzu: Es sei mit starkem Widerstand der Landwirtschaftskammer zu rechnen. Also solle man sich ein solches Vorgehen insgesamt genau überlegen. Heitze schlug deshalb vor, Erstaufforstungen nicht innerhalb des Stadtgebietes, sondern in anderen Ländern zu finanzieren. Gerhard Karl Kötter von der FDP wollte jetzt von der Stadt wissen, ob so etwas „in Sicht“ sei. Agenturen würden zertifizierte Aufforstungen vermitteln, zum Beispiel in Afrika, sagte Bernhard Kraft. Man müsse nur noch das Geld mitbringen.

UWG möchte Bushaltestellendächer begrünen

Das Summen, das schon beim Antrag der FDP zur Aufforstung im Ratssaal leise zu vernehmen war, wurde bei den Anträgen der UWG noch deutlicher. Um dem Artensterben entgegenzuwirken, habe die Stadt Utrecht Bushaltestellen begrünt, so die UWG. Die Unabhängigen baten die Stadtverwaltung jetzt zu prüfen, ob sich das Utrechter-Konzept auf die Universitätsstadt Siegen übertragen lasse. Die begrünten Dächer würden nämlich Raum für Bienen, Hummeln und andere Insekten schaffen. Und so könnte die Artenvielfalt unterstützt werden. Da die Dächer der Bushaltstellen nicht so hoch wie andere Flachdächer seien, herrschten dort beste Flugbedingungen: wenig Wind und gute Sonneneinstrahlung. Außerdem würden die Pflanzen Feinstaub aus der Luft filtern.

Die Stadt musste dem Antrag etwas Wind aus den Segeln nehmen. Man habe mit Statikern gesprochen. Die rund 100 Bushaltestellen-Häuschen im Stadtgebiet hätten leider keinerlei Reserven für zusätzliche Lasten. Wie das bei den 50 bis 60 privaten Haltestellen der Firma Ströer aussehe, wisse man nicht, könne man aber noch erfragen. Darum bat die UWG anschließend. Außerdem, so die Fraktion, solle man die Begrünungsoption beim Kauf zukünftiger Bushaltehäuschen im Auge behalten. Henner Klaas von der CDU regte sogar an, den Antrag zu erweitern. Er wollte die durchschnittlich zehn Quadratmeter großen Dächer mit Moosen bepflanzen, da die Siegens Feinstaub ganz besonders gut binden würden.

Bienen sammeln Nektar im 4-km-Radius

Unterstützen wollte die UWG Siegens Bienen mit einem weiteren Antrag. Demnach sollte die Verwaltung in Kontakt mit heimischen Imkern treten und diesen erlauben, ihre Bienenstöcke auf städtischem Gebiet aufzustellen. Bevorzugt sollte das im Bereich von Grünanlagen und Friedhöfen geschehen. Honigbienen bräuchten über die Aktion „Blütenzauber“ der Stadt Siegen, die zu Beginn des Jahres gestartet sei, hinaus weiterhin Unterstützung.

Etwas beruhigen konnte Jan Marc Heitze auch in diesem Punkt, da er nicht nur Förster, sondern gleichzeitig leidenschaftlicher Imker ist. Er betreue bereits jetzt Imker, die ihre Bienenstöcke in Stadtnähe platzieren wollen. Bienen könnten aber vier Kilometer weit vom Stock zur Nahrungsquelle fliegen. Will heißen: Sie müssen nicht direkt im Stadtgebiet Siegens „wohnen“, um dort Nektar sammeln zu gehen respektive zu fliegen. Man einigte sich schließlich darauf, auch im Stadtgebiet vermehrt auf die Anlage von Blühflächen zu achten.

Autor:

Dirk Manderbach (Redakteur) aus Siegen

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