»Man muss schon idealistisch sein«

Carsten Schmid (19) leistet im Museum für Gegenwartskunst ein Jahr freiwillige Kulturarbeit

zel Siegen. Er wollte ans Detmolder Theater. Gelandet ist er im Museum für Gegenwartskunst Siegen. Und das ist gut so – für das Museum und für Carsten Schmid, der in dieser »Einsatzstelle« sein Freiwilliges soziales Jahr (FSJ) im Bereich Kultur ableistet.

Am 1. September hat der 19-Jährige aus dem ostwestfälischen Rietberg hier seinen Dienst angetreten, der ihm ermöglichen soll, während eines Jahres tiefere Einblicke in den Kulturbetrieb zu erhalten und ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen. Das FSJ wird jungen Männern als Zivildienstersatz anerkannt. Träger ist die Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (BKJ) in Berlin. Das FSJ Kultur ist heiß begehrt: 2004 begannen bundesweit über 400 Jugendliche in verschiedenen Kultureinrichtungen – 3200 Bewerbungen sind eingegangen, und das Verhältnis von Stellen zu Bewerbern sei heute nicht anderes, sagt Schmid. Mit bildender Kunst habe er noch nicht viel am Hut gehabt, erzählt er, aber nicht aus mangelndem Interesse, sondern weil in seiner Heimatstadt diesbezüglich nicht viel los sei. Dass er eigentlich zum Theater wollte, lag daran, dass er mit seinem Literaturkurs am Gymnasium im Lippstädter Theater gespielt habe. Die Stelle in Detmold – wie auch bei anderen Theatern in der Umgebung – hat er nicht bekommen, aber das Museum für Gegenwartskunst sieht er nicht als zweite Wahl. Denn hier kann er seine Fähigkeiten wunderbar einbringen ––und die liegen ganz klar im Bereich Computer, Medien und Technik.

Stefanie Scheit, im Museum für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, hatte einen kollegialen Tipp aus Düsseldorf erhalten, dass es (neben Theatern, Spielmobilen, Kunstschulen, Medienwerkstätten, Musikschulen, Bibliotheken und soziokulturellen Zentren) auch für Museen die Möglichkeit gibt, einen »Kulturzivi« für ein Jahr zu beschäftigen. Sie ist voll des Lobes für den neuen Mitarbeiter, der mehr ist (und von der »Leistungsbeschreibung« her auch mehr sein soll) als ein Praktikant. »Ich bin freiwillig hier. Wenn ich’s mache, dann mache ich’s richtig«, sagt Carsten Schmid über seinen Vollzeitjob. An den Acht-Stunden-Tag musste er sich nach dem Abi ebenso gewöhnen wie an die 26 Tage Urlaub und das »Taschengeld« von 280 Euro (plus Kindergeld). »Man muss schon idealistisch sein«, sagt Carsten Schmid. Motivation spiele auch beim Auswahlverfahren eine große Rolle.

Sein Projekt, das er eigenständig bearbeitet, ist die Inventarisierung des Museumsbestands in einer Datenbank sowie die Verwaltung der vorhandenen Bilder aus dem Museum, z.B. Pressefotos. Außerdem wertet Schmid am Rechner einmal wöchentlich die Klimadaten aus, er war am Relaunch der Internetseite beteiligt, macht Recherchen für Ausstellungen, sitzt als Aushilfe an der Kasse, verteilt Plakate und Flyer (»seitdem kenne ich alle Geschäfte in der Oberstadt«) und er bestellt im Internet die Rechte für Kunst-Videos (etwa für die neue Ausstellung zum Thema »Tanzen«). In der Ausstellung von Stephen Willats hat er die Medien betreut, DVDs umkopiert und dafür gesorgt, dass alles funktioniert. Einige dieser Tätigkeiten mussten in der Vor-FSJ-Zeit an Externe gegeben werden, »jetzt haben wir jemanden im Haus«, sagt Stefanie Scheit. Zum FSJ Kultur gehören Fortbildungsveranstaltungen wie zuletzt eine in der Ev. Bildungsstätte in Wilgersdorf, bei denen sich die jungen Leute sich z.B. mit Projektmanagement, Organisationsmodellen, Finanzierungsplänen, Planspielen und Kommunikation beschäftigen. »Was bringt Kultur?« und »Warum machen wir das eigentlich?«: Über solche Fragen nachzudenken, ist erwünscht. Die meisten, die ein FSJ Kultur absolvieren, wollen auch in diesem Bereich Fuß fassen. Nicht so Carsten Schmid. Er möchte Physik studieren – wo, das will er noch rausfinden während seines Freiwilligen-Jahres. In Siegen vielleicht? Nicht ganz ausgeschlossen. Immerhin spielt er bereits Trompete in der Bigband der Fritz-Busch-Musikschule und ist Bogenschütze im Bogensportverein Siegen. Die Möglichkeit, an zwei Tagen an anderen kulturellen »Einsatzstellen« zu hospitieren, möchte Carsten Schmid auf jeden Fall wahrnehmen. Dann soll es doch noch, wenn auch nur für einen Tag, ans Theater gehen...

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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