Mangel an Patienten und Ärzten

 Das ist die Zukunft des Jung-Stilling-Krankenhauses. Zu dem vorhandenen, grau dargestellten Baukörpern kommen drei Anbauten: der Hybrid-Operationssaal (rot), die Aufstockung auf dem Hubschrauber-Landedeck (blau) und der Anbau auf der Talseite (gelb). Zusätzlich sind innerhalb der vorhandenen Bausubstanz umfangreiche Modernisierungen geplant. 49 Mill. Euro wird sich die Diakonie diese Baumaßnahmen in den kommenden vier Jahren kosten lassen. Grafik: Diakonie
  • Das ist die Zukunft des Jung-Stilling-Krankenhauses. Zu dem vorhandenen, grau dargestellten Baukörpern kommen drei Anbauten: der Hybrid-Operationssaal (rot), die Aufstockung auf dem Hubschrauber-Landedeck (blau) und der Anbau auf der Talseite (gelb). Zusätzlich sind innerhalb der vorhandenen Bausubstanz umfangreiche Modernisierungen geplant. 49 Mill. Euro wird sich die Diakonie diese Baumaßnahmen in den kommenden vier Jahren kosten lassen. Grafik: Diakonie
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ihm - Mit weiteren Details zur Zukunft des Diakonieklinikums wartete am Mittwochmorgen im Rahmen einer Pressekonferenz die Unternehmensspitze auf. Neben den beiden Geschäftsführern Dr. Josef Rosenbauer und Hubert Becher standen der Medizinische Direktor Prof. Dr. Joachim Labenz, Karl Fleschenberg als Verwaltungsratsvorsitzender der Diakonie in Südwestfalen (DiS) sowie Hans-Joachim Schäfer vom Vorstand des Diakonischen Werks im Ev. Kirchenkreis Siegen Rede und Antwort.

Josef Rosenbauer hob hervor, dass nicht etwa die Schließung der Chirurgie in Kredenbach vor fünf Jahren zu der angespannten Lage der Klinik geführt habe. Hätte man diesen Schritt damals nicht getan, läge das Defizit nach Angaben Rosenbauers heute nicht bei 1 Mill. Euro jährlich, sondern bei 2 Mill. Euro. Dabei werde in Kredenbach hervorragende Arbeit geleistet. Aber das Vergütungssystem für Krankenhäuser mache es unmöglich, solch kleine Einheiten am Leben zu erhalten. Die „Vorhaltekosten“ seien schlicht zu hoch.

„Mit allen Mitteln“ habe man versucht, Ärzte nach Kredenbach zu holen. Junge Mediziner, die in Großstädten studiert hätten, seien aber selbst mit besonderen Angeboten nicht ins nördliche Siegerland zu locken, berichtete Joachim Labenz. Siegen ja – Kredenbach nein, hört man offenbar in den Vorstellungsgesprächen. Der Chefarzt verhehlte auch nicht, dass selbst am Jung-Stilling-Krankenhaus der Anteil der Ärzte mit Migrationshintergrund bei über 50 Prozent liege. Damit verbunden ist oft ein Sprachproblem. Medizin generell und die Geriatrie ganz besonders kommen aber nun einmal ohne das persönliche, vertrauensvolle Gespräch nicht aus. Die Auslastung der Betten in Kredenbach ist nicht befriedigend. Hubert Becher sagte, dass man als Geschäftsführer bei einer Auslastungsquote von 85 Prozent einigermaßen entspannt sein könne – wobei die Erlöslage keineswegs immer mit der Bettenauslastung bzw. den Fallzahlen korrespondiert –, aber die geriatrische Station in Kredenbach ist im Schnitt nur zu 80 Prozent belegt, bei der internistischen Abteilung liegt die Quote unter 60 Prozent.

Nach wie vor stehen im Krankenhausplan derzeit 50 geriatrische Betten. Dieser derzeitige Bestand wird, wie die SZ berichtete, ans Jung-Stilling-Krankenhaus nach Siegen umziehen. Die Aufstockung um weitere 30 Einheiten ist beantragt, aber noch nicht genehmigt. Die Diakonie-Spitze ist aber zuversichtlich, dass die Genehmigung zügig kommen wird. Ein Bedarf von 80 Betten für Siegen, Wittgenstein und Olpe sei festgestellt. Der Eindruck, dass die meisten Patienten der Kredenbacher Geriatrie aus dem nördlichen Siegerland kommen, sei falsch, sagten Labenz und Rosenbauer. Vielmehr umfasse der Einzugsbereich dieser einzigen geriatrischen Station das gesamte Kreisgebiet.

Die Entscheidung der Diakonie, sich von Kredenbacher Krankenhaus und dem Klinikum Elsey in Hohenlimburg zu trennen, ist nicht aus wirtschaftlicher Not heraus getroffen worden, das wurde gestern bei der Pressekonferenz sehr deutlich. Unter dem Strich verzeichnete die Diakonie in Südwestfalen mit allen ihren Diensten 2015 einen Gewinn von 4 Mill. Euro. Allein die Krankenhäuser erwirtschafteten (nach Verlustabdeckung) ein Plus von mehr als 1 Mill. Euro. Hätte man also Kredenbach nicht noch weiter erhalten können? Alle Verantwortlichen schüttelten den Kopf. Karl Fleschenberg fragte lapidar: „Wie lange denn noch?“ Und Josef Rosenbauer hob hervor, dass man das Geld dringend brauche, um am Jung-Stilling-Krankenhaus in die Zukunft zu investieren.

„Positiv aufgenommen“ hätten am Dienstagabend die Presbyteriumsvorsitzenden die „schweren Herzens“ getroffene Entscheidung der Diakonie-Spitze, berichtete Hans-Joachim Schäfer. Zwar seien der Einladung von Superintendent Stuberg nur Vertreter von vier Kirchengemeinden aus dem nördlichen Siegerland gefolgt, aber sie hätten übereinstimmend ihre Bereitschaft erklärt, den Kurs der Unternehmensführung mitzutragen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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