Mann bespuckte zwei Frauen

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howe - „Wie ist das mit Anspucken in Ihrem Heimatland? Macht man das?“, wollte Richter Torsten Hoffmann am Dienstag im Bad Berleburger Amtsgerichtssaal von einem 34-jährigen Marokkaner wissen. Der Angeklagte ließ kurz und knapp über seinen Dolmetscher ausrichten: „Nicht gut.“ Darauf Torsten Hoffmann: „In Deutschland auch nicht.“

Was sich der Mann mit dem pechschwarzen, langen Vollbart da Ende August und kurz darauf Anfang September erlaubt hat, ist mehr als verwerflich: In der Flüchtlingsunterkunft am Schlossberg in Bad Laasphe, wo ihm mehrere Sozialarbeiter und freiwillige Helfer zur Seite standen, forderte er eine junge Frau auf, den Fernseher im Speisesaal auszuschalten.

Die lehnte ab und begründete, der Sozialdienst habe diesen wegen der Kinder aufgestellt. Darauf flippte der 34-Jährige aus, rannte hinter der Helferin her und spuckte ihr in den Nacken. „Das war ein ganz ekliges Gefühl“, schilderte die 24-jährige Betroffene gestern im Zeugenstand des Bad Berleburger Amtsgerichtes. „Auch wenn es nur Spucke ist, so ist das ein Angriff auf meinen Körper“, sagte die junge Frau. Eine halbe Stunde habe sie am Desinfektionsspender gestanden, überall habe sie Ekel und Juckreiz verspürt. Entschuldigt habe sich der Angeklagte nicht.

Im Gegenteil: In Gegenwart der Polizei habe er geäußert, er werde das „Camp“ erst verlassen, wenn deutsches Blut fließe. Noch heftiger trat der 34-Jährige übrigens im Büro einer Sozialarbeiterin auf, die dem Marokkaner in Asylfragen behilflich sein und ihn unterstützen wollte. Die 54-jährige Religionspädagogin schilderte, der Angeklagte sei damals ohne Visum und Pass nach Deutschland eingereist und habe wissen wollen, warum er nach Bad Laasphe gekommen sei.

Da habe sie ihm erklärt, er sei potentieller Asylbewerber, wenn er illegal eingereist sei. Sie habe ihm auch dazu geraten, einen Asylantrag zu stellen. Dabei, so die 54-Jährige, wäre sie ihm gerne behilflich gewesen. „Stattdessen ist er von jetzt auf gleich explodiert.“ Er habe erklärt, dass er ohne Asylantrag in Deutschland bleiben wolle. „Mit Fäusten hat er vor mir herumgefuchtelt.“ Und dann habe er die Angestellte mehrfach aus nächster Nähe ins Gesicht gespuckt. „In die Augen ist mir das gelaufen.“ Das sei „scheiße, eklig, beleidigend“ gewesen. Außerdem, so die 54-Jährige, habe sie Angst vor einer Ansteckung mit Hepatitis gehabt. In ihren fast 55 Jahren habe es noch niemand gewagt, ihr ins Gesicht zu spucken. „Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich Angst um meine Sicherheit. Das war wirklich ein Vorfall, der mich aus der Bahn geworfen hat.“

Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel verurteilte das Verhalten des 34-Jährigen als Vertreterin der Staatsanwaltschaft Siegen gestern aufs Schärfste. Es gebe keine größere Missachtung, die man jemandem in seiner Ehre erteilen könne. Genau das habe der Angeklagte aber mit seinem „absolut asozialen Verhalten“ erreichen wollen. Auch gegenüber der 24-Jährigen, die den Fernseher nicht ausgeschaltet habe, habe der Angeklagte genauso seine erhebliche Missachtung der Person zum Ausdruck gebracht. „Er hat sie in der Ehre erheblich verletzt.“

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte für den Marokkaner, der seit Jahren unter mehr als zehn Alias-Namen durch Deutschland zieht und sich mehrfach als Israeli, Iraker oder Syrer ausgegeben hat, eine Freiheitsstrafe von elf Monaten. Richter Torsten Hoffmann verurteilte den Mann zu zehn Monaten Gefängnis. Gestern erst führten die Justizbeamten den Angeklagten aus der Haftanstalt in Köln vor, dahin dürften sie ihn auch wieder zurückgebracht haben.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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