Mehr Dialog statt Konfrontation gefordert
Maria 2.0 in der Region wenig vernetzt

Wie in Freiburg haben Aktivistinnen der kath. Reforminitiative Maria 2.0 auch in Olpe Plakate mit ihren Thesen an die Kirchentüren „geschlagen“. An der Siegerländer Gruppe ist die Aktion vorbeigegangen.
  • Wie in Freiburg haben Aktivistinnen der kath. Reforminitiative Maria 2.0 auch in Olpe Plakate mit ihren Thesen an die Kirchentüren „geschlagen“. An der Siegerländer Gruppe ist die Aktion vorbeigegangen.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sp Siegen/Hilchenbach. Bundesweit haben die Aktivistinnen der Bewegung „Maria 2.0“ sieben Thesen an die Dom- und Kirchtüren geschlagen. Mit dem Papier fordern die Frauen Reformen für die katholische Kirche. Dringend. In Olpe hat sich eine Gruppe an der Aktion beteiligt und die Forderungen an mehreren Gotteshäusern angebracht.
Christina Schreiber ist Gemeindereferentin im Pastoralverbund Nördliches Siegerland und hat sich als eine von wenigen Frauen im Siegerland „Maria 2.0“ angeschlossen. „Hier ist nicht viel los“, sagt die 34-Jährige: „Das Problem ist, dass die Frauen relativ schlecht vernetzt sind.“ Sie habe Kontakt zu etwa einem Dutzend weiterer Frauen. Die Gruppe sei die einzige im Dekanat Siegen. Einige Veranstaltungen seien bereits durchgeführt worden oder geplant gewesen. Aber: „Corona hat uns voll reingegrätscht.“
Die Aktion mit den Thesen sei an ihnen vorbeigegangen. Die Forderungen unterstütze sie aber, sagt die Mutter eines kleinen Sohnes. „Es ist lächerlich, dass es keine Geschlechtergerechtigkeit gibt.“ Junge Frauen hätten deshalb kein Interesse mehr an der kath. Kirche.

Thesen als Whatsapp-Status

Irmtrud von Plettenberg ist als Hauptamtliche im Dekanat Siegen gut vernetzt in der Region. Auch sie habe nicht mitbekommen, dass im Siegerland Thesen an den Kirchen angebracht worden seien, aber „ich habe sie zahlreich als Status bei Whatsapp gesehen“. Die Bewegung sei im Siegerland wahrscheinlich noch nicht so aktiv, weil es zu wenige gebe, die die Initiative ergriffen hätten. „Ich glaube, wenn eine sagt, ich würde mich an den Kopf setzen, wäre das ein großer Schwung“, so die Leiterin des geistlichen Zentrums der Eremitage Franziskus. Denn: „Ich erlebe sehr viele Frauen, die wirklich unzufrieden sind mit dem Status quo.“ Sie wollten sich mehr einbringen, aber fänden ihren Platz nicht. Die Folge: „Ich kenne viele Frauen, die sich enttäuscht zurückgezogen haben.“

Irmtrud von Plettenberg fordert mehr Respekt

Irmtrud von Plettenberg geht es um mehr Respekt. Nicht jedem gefalle „Maria 2.0“. „Das ist eine Anmaßung, die Mutter Gottes wird verhöhnt“, bekomme sie kritische Stimmen zu hören, sagt sie. Andere sagten, Maria sei eine mutige Frau gewesen, und es sei gut, dass viele Frauen jetzt den Mund aufmachten. „Wir sind vor Gott alle gleich“, betont sie. Wichtig ist ihr aber, dass die Bewegung „Maria 2.0“ von Ehrenamtlichen ausgehe, nicht nur von Hauptamtlichen. Sie selbst stehe hinter den Thesen.
Skeptisch steht Constanze Dette-Habscheid dem „Thesen-Anschlag“ gegenüber. Es sei nicht ihre Art des Protests. Die Gemeindereferentin des Pastoralverbunds Hüttental-Freudenberg und Klinikseelsorgerin sagt aber deutlich: „Es muss dringend etwas passieren, sonst gibt es bald keine Kirche mehr.“ Außerdem müssten die Ehrenamtlichen ernster genommen werden, und „ohne Frauen würde vieles nicht stattfinden“.
In einem Land, in dem Frauen weitestgehend gleichberechtigt seien, könne es nicht sein, dass es in der Kirche anders gehandhabt werde. Als Klinikseelsorgerin habe sie viel Kontakt zu Patienten und bedauere, dass sie für die Krankensalbung, einem der Sakramente, einen Priester rufen müsse. Oder: Kinder dürfe sie auf die Kommunion vorbereiten, ihnen aber nicht die Erstbeichte abnehmen. Dette-Habscheid ist sich sicher: „Von allein gibt es keine Veränderungen.“

"Wir setzen mehr auf Dialog"

Als Messdienerin hat Gabriela Wiechert sich bereits früh in der kath. Kirche eingebracht. Das ist bis heute so geblieben. Ehrenamtlich übernimmt sie zahlreiche Aufgaben in der St. Johannes-Baptist-Gemeinde in Kreuztal. Die alten Strukturen „sind einfach nicht mehr zeitgemäß“, sagt sie. Während ihres Theologie-Studiums habe sie einige Frauen getroffen, die sich gerne als Priesterinnen hätten weihen lassen. Auch das war ein Anstoß, sich der Bewegung „Maria 2.0“ anzuschließen.
Wiechert lehnt aber wie ihre Mitstreiterinnen im Siegerland eine harte Konfrontation und einen Protest während der Messe ab. „Wir wollen das mit den Männern zusammen machen, von innen heraus.“ Sie und die anderen Frauen hätten den Rückhalt des Pfarrers, das sei nicht überall so. Die sieben Thesen vertrete sie auf jeden Fall mit, sagt Wiechert. Aber sie anzuschlagen? „Ich weiß nicht, ob das unser Stil gewesen wäre, wir setzen mehr auf Dialog.“

Die sieben Thesen von Maria 2.0 1. In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern. 2. In unserer Kirche haben alle teil am Sendungsauftrag; Macht wird geteilt. 3. In unserer Kirche werden Taten sexualisierter Gewalt umfassend aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen. Ursachen werden konsequent bekämpft. 4. Unsere Kirche zeigt eine wertschätzende Haltung und Anerkennung gegenüber selbstbestimmter achtsamer Sexualität und Partnerschaft. 5. In unserer Kirche ist die zölibatäre Lebensform keine Voraussetzung für die Ausübung eines Weiheamtes. 6. Unsere Kirche wirtschaftet nach christlichen Prinzipien. Sie ist Verwalterin des ihr anvertrauten Vermögens; es gehört ihr nicht. 7. Unser Auftrag ist die Botschaft Jesu Christi. Wir handeln danach und stellen uns dem gesellschaftlichen Diskurs.
Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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