Maschinen und Bärenklau

P. J. M. Schneider, Mika Misaki, Martin Radvak, Benjamin Sprengart und Prof. Michael Rodemer (v. l.) zeigen vier künstlerische Ansätze zwischen Natur und Technik im 2. Obergeschoss des Krönchen-Centers in der Siegener Oberstadt. Im Bild: Michael Rodemers „maschinelle Metaphern“. Foto: zel
  • P. J. M. Schneider, Mika Misaki, Martin Radvak, Benjamin Sprengart und Prof. Michael Rodemer (v. l.) zeigen vier künstlerische Ansätze zwischen Natur und Technik im 2. Obergeschoss des Krönchen-Centers in der Siegener Oberstadt. Im Bild: Michael Rodemers „maschinelle Metaphern“. Foto: zel
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zel Siegen. „Ansatz x 4“ heißt die Ausstellung im Krönchen-Center am Kornmarkt, die die stellv. Bürgermeisterin Angelika Flohren am Dienstagabend eröffnete. Im 2. Obergeschoss findet sich eine wilde Mischung aus Natur und Technik, die von einer künstlichen Blume zusammengehalten werden soll. Präsentiert wird die Schau von Kultur Siegen.

„Symbiose“ heißt die Pflanze, und sie ist äußerst empfindlich. Wer sich ihr nähert, dem öffnet sie sich, wer um sie herumgeht, dem zeigt sie sich in den schönsten Farben. Kehrt man ihr den Rücken, macht sie zu. Ihre Erfinder sind Martin Radvak und Benjamin Sprangert. Die beiden studieren an der Universität Siegen den neuen Master-Studiengang Human Computer Interaction (von der Wechselbeziehung zwischen Rechenmaschine und Mensch).

Bei Prof. Michael Rodemer von der Universität von Michigan in den USA, der ein Jahr als Gastprofessor an der Uni Siegen verbrachte, belegten die beiden Medieninformatiker „Mediale Künste“. Im Seminar entwickelten die Studenten verschiedene Projektideen, Rodemer kümmerte sich um die technischen Gegebenheiten wie Sensoren, die die Interaktion möglich machen.

Rodemer ist selbst (Medien-)Künstler (wir berichteten). In seiner Zeit in Deutschland sind in seinem Bonner Atelier Prototypen für neue Arbeiten entstanden, die er im Krönchen-Center zeigt. „Es sind maschinelle Metaphern, Überlegungen zu meinem mittleren Alter“, sagt er. Die Maschinchen und Maschinen reagieren – wie die Blume – auf sich annähernde Menschen, die auch schon mal erschrecken, wenn die Kunstwerke plötzlich rattern, hin- und herfahren, mit einem Fähnchen winken (wie die Sisyphos-Maschine auf dem Boden) oder fast (aber wirklich nur fast!) vom Tisch fallen. Gut gefällt ein winziges Kunstwerk, das die Antwort auf die Frage weiß, was wir eigentlich wirklich haben (können): „N–O–W“ sagen die computergesteuerten Leuchtdioden, nur das Jetzt.

Den technischen Ansatz Rodemers und seiner Studenten ergänzen zwei Freunde des Professors: P. J. M. Schneider, ein deutscher Künstler, der in den Niederlanden lebt, arbeitet mit getrocknetem Bärenklau, den er mit Nylonfäden an zwei Wände der VHS-Etage appliziert. Die Japanerin Mika Misaki, die in Bonn lebt, stellt in ihren Gipsarbeiten organische Formen geometrischen Elementen gegenüber und hat einen Kimono mitgebracht, der einfach still an der Wand hängt. Keine Gefahr, dass er plötzlich einen Ärmel hebt. Auch ein Ansatz.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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