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NRW-Hilfe kommt bei Kitas nicht gut an
Masken-Ärger im Bausatz

6000 der 10.000 für EKiKS bestimmten Masken erreichten als Bausatz den ev. Kirchenkreis. Nina Stahl weiß nicht, ob sie darüber lachen oder weinen soll.
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  • 6000 der 10.000 für EKiKS bestimmten Masken erreichten als Bausatz den ev. Kirchenkreis. Nina Stahl weiß nicht, ob sie darüber lachen oder weinen soll.
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tile Siegen/Bad Berleburg. Die Ankündigung der NRW-Regierung, die Kitas im Land flächendeckend mit einer großzügigen Lieferung von Mund-Nasen-Schutzmasken zu unterstützen, kam bei den Trägern gut an. Umso größer war zunächst die Verwunderung, dann die Enttäuschung und der Ärger, als die umfangreichen Lieferungen eingingen. Nina Stahl etwa wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Als die EKiKS-Geschäftsleiterin im ev. Kirchenkreis Siegen die Kartons öffnete, konnte sie erst nicht so recht glauben, was sie sah.

Do it yourself statt fix und fertigNeben rund 4000 hochwertigen FFP2-Masken, die auch jene, die sie tragen, vor dem Coronavirus schützen, bestand die Hilfe vom Land aus 6000 „Bausätzen“ der Firma DFA Bielefeld.

tile Siegen/Bad Berleburg. Die Ankündigung der NRW-Regierung, die Kitas im Land flächendeckend mit einer großzügigen Lieferung von Mund-Nasen-Schutzmasken zu unterstützen, kam bei den Trägern gut an. Umso größer war zunächst die Verwunderung, dann die Enttäuschung und der Ärger, als die umfangreichen Lieferungen eingingen. Nina Stahl etwa wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Als die EKiKS-Geschäftsleiterin im ev. Kirchenkreis Siegen die Kartons öffnete, konnte sie erst nicht so recht glauben, was sie sah.

Do it yourself statt fix und fertig

Neben rund 4000 hochwertigen FFP2-Masken, die auch jene, die sie tragen, vor dem Coronavirus schützen, bestand die Hilfe vom Land aus 6000 „Bausätzen“ der Firma DFA Bielefeld. Diese bestehen aus drei Komponenten: einer Art vorgestanztem Mundschutz, einem Gummiband (noch nicht in passender Länge) und ein selbstklebender Metallstreifen als Nasen-Bügel. Alles lose und nicht steril verpackt. Anbei liegt eine „Bauanleitung“ in neun Schritten, „von der Punkt sieben fehlt“, schüttelt Stahl den Kopf. Die zwei Büroklammern, die es offensichtlich zusätzlich braucht, damit die Seiten überhaupt zusammengehalten werden, sind in der Lieferung übrigens nicht enthalten.

300 Personalstunden

Gut gemeint, schlecht gemacht – so fasst Nina Stahl das kuriose Hilfspaket zusammen. Sie hat es ausgerechnet: Bei angenommenen drei Minuten, die zum Basteln einer Maske aufgewendet werden müssen, ergeben sich 300 Personalstunden, um alle 6000 herzustellen. Das sind Personalkosten in Höhe von 8000 Euro – von der Zeit, die für die Betreuung der Kinder verloren geht, einmal ganz abgesehen.

AWo verweigert Annahme

Damit komme man bei Weitem nicht aus, geht Jens Hunecke von einem deutlich höheren Aufwand aus. Man habe bereits Erfahrungen mit dieser Art Masken gemacht, da habe man 20 Minuten benötigt, sagt der stellv. Geschäftsführer des AWo-Kreisverbands Siegen-Wittgenstein/Olpe. Die Arbeiterwohlfahrt hatte für ihre 45 Einrichtungen 5140 FFP2-Masken und eben auch 7230 DIY-Masken („Do it yourself“) erhalten – letztere habe man gar nicht erst angenommen. Die Lieferung sei „an Unverschämtheit nicht zu toppen“, wettert Hunecke. Das habe mit Wertschätzung für die Erzieherinnen und Erzieher nichts zu tun. Er spricht der Landesregierung hier auch den guten Willen ab.

SPD: Kita-Mitarbeiter "verschaukelt"

Nicht nur hierzulande, NRW-weit ist der Unmut in den Kindergärten und Kindertagesstätten groß. Die Masken waren nicht nur im Jugendhilfeausschuss des Kreises Siegen-Wittgenstein am Dienstag ein Aufreger. Die SPD-Landesfraktion habe bereits eine entsprechende Anfrage im Landtag auf den Weg gebracht, bestätigt Samir Schneider im SZ-Gespräch. Der Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes Bad Laasphe meint, die Kita-Mitarbeiter fühlten sich „verschaukelt“: „Die Erzieherinnen machen einen fabelhaften Job und werden dann so in den Hintern getreten!“ Auch er sieht in dieser „skurrilen Aktion“ mangelnde Wertschätzung.

DRK bleibt gelassen: FFP2 sofort tragbar

Beim DRK-Kreisverband Siegen-Wittgenstein sieht man das Ganze etwas gelassener. Zwar habe man ebenfalls OP-Mundschutze zum Selberbauen erhalten, daneben aber eben auch sofort tragbare FFP2-Masken. „Wir wissen aus dem Bereich Rettungsdienst, wie schwer es ist, adäquate Mundschutze in so einer riesigen Stückzahl zu bekommen“, erklärt DRK-Sprecher Marcus Sting. Die Kita-Mitarbeiter würden aber zunächst mit vorhandenen eigenen Schutzmasken ausstatten und die „Bausatz-Masken“ vorerst nicht verwenden.

81.000 Masken für Kitas in Siegen-Wittgenstein

Insgesamt hat das Jugendamt des Kreises Siegen-Wittgenstein 53.000 Masken vom Land für die Kitas erhalten, davon 21.000 der hochwertigen FFP2-Masken. Dazu kämen über das Jugendamt der Stadt Siegen weitere 28.000 Mund-Nasen-Schutze (davon 11.000 FFP2), heißt es aus dem Kreishaus. Nach Kenntnis der Behörde seien von den „normalen“ OP-Masken auch nur ein Teil im Bausatz geliefert worden, ohne diesen beziffern zu können. Im Übrigen habe es sich bei der Masken-Lieferung aus Düsseldorf an die Krankenhäuser in Siegerland und Wittgenstein ebenfalls um Bausätze gehandelt – die tatsächlich vor Ort zusammengesetzt worden seien, sagt Kreissprecher Torsten Manges. Damals war der Engpass an Masken noch ungleich höher, entsprechend dankbar waren die Kliniken darüber, dass es überhaupt Nachschub gab.

Return to sender!

Nina Stahl, weiß noch nicht, was sie jetzt mit den Kisten voller Rohmaterial machen wird. Vielleicht hält der ev. Kirchenkreis es in Rücksprache mit dem Kreishaus am Ende mit Elvis Presley: „Return to sender!“ Den täglichen Betrieb in den Kitas der Region würde die umfangreiche Retour-Sendung im Übrigen nicht gefährden. Zum Teil schon während der Notbetreuung haben die Träger selbst für Schutzmasken gesorgt, denn die Landeshilfe kommt zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin reichlich spät. Der Nachschub aus Düsseldorf wäre eine Reserve gewesen oder die Masken wären in den Kitas für Besucher (Eltern) ausgelegt worden. Die Mitarbeiter seien eigeninitiativ schon längst versorgt worden, versichern Nina Stahl und Jens Hunecke unisono. Do it yourself eben – selbst sind die Kitas!

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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