SZ

Beschuldigter im Vormwald-Mordprozess vereint mehrere Persönlichkeiten
Max, Mäxchen und die anderen

Die unfachmännische Tätowierung auf den Fingern der rechten Hand soll für eine seiner unterschiedlichen Persönlichkeiten stehen, behauptet Max M.
3Bilder
  • Die unfachmännische Tätowierung auf den Fingern der rechten Hand soll für eine seiner unterschiedlichen Persönlichkeiten stehen, behauptet Max M.
  • Foto: js
  • hochgeladen von Marc Thomas

js Siegen/Vormwald. Max M. war kein unbeschriebenes Blatt, als er nach dem Mord an einem 74-Jährigen im August vergangenen Jahres auf der Flucht von einem Polizeiwagen gestoppt wurde. Schon vor der Tat, um die sich seit Februar die Hauptverhandlung vor der 2. großen Strafkammer des Siegener Landgerichts dreht, war der 20-Jährige mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Gewaltdarstellung, Fahren ohne Führerschein, Sachbeschädigung, Diebstahl, Einbrüche in Geschäfte, Autoaufbrüche – der Auszug aus dem Bundeszentralregister, den Vorsitzende Richterin Sabine Metz-Horst am siebten Verhandlungstag verliest, hat es in sich. Zweimal wurde er zu Jugendstrafen auf Bewährung verurteilt, die Sozialprognose erschien den Richtern noch günstig.

js Siegen/Vormwald. Max M. war kein unbeschriebenes Blatt, als er nach dem Mord an einem 74-Jährigen im August vergangenen Jahres auf der Flucht von einem Polizeiwagen gestoppt wurde. Schon vor der Tat, um die sich seit Februar die Hauptverhandlung vor der 2. großen Strafkammer des Siegener Landgerichts dreht, war der 20-Jährige mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Gewaltdarstellung, Fahren ohne Führerschein, Sachbeschädigung, Diebstahl, Einbrüche in Geschäfte, Autoaufbrüche – der Auszug aus dem Bundeszentralregister, den Vorsitzende Richterin Sabine Metz-Horst am siebten Verhandlungstag verliest, hat es in sich. Zweimal wurde er zu Jugendstrafen auf Bewährung verurteilt, die Sozialprognose erschien den Richtern noch günstig.

Aus zwei unterschiedlichen Perspektiven wird das Gesamtbild des jungen Beschuldigten an diesem Freitag beleuchtet, aus einem privaten Blickwinkel und dreimal durch eine offizielle Brille. Ganz nah dran an M. war eine vierfache Mutter aus Erndtebrück, in deren Wohnung er vor drei Jahren für einige Wochen untergekommen war. Aus dem Dorf habe man sich gekannt, erklärt die Frau, die wie Max ein Drogenproblem hat. „Richtig gern“ habe sie ihn gehabt, er sei fast wie sein fünftes Kind für sie gewesen.

Anfang 2018 eine Psychose entwickelt

Anfang 2018 aber habe M. eine Psychose entwickelt, berichtet die 36-Jährige. Er habe vom Zweiten Weltkrieg halluziniert, wirres Zeug von sich gegeben. „Pervitin und Panzerschokolade“, habe er immer wieder gesagt – zwei Begriffe für eine und dieselbe Wehrmachtsdroge. „Er befand sich quasi im Krieg.“ Die Schuld für dieses Verhalten gibt die Zeugin Max’ Hilchenbacher Freundeskreis, der ihn manipuliert habe.

Am Siegener Landgericht wurde am Freitag im  Vormwald-Mord-Prozess weiter verhandelt.
  • Am Siegener Landgericht wurde am Freitag im Vormwald-Mord-Prozess weiter verhandelt.
  • Foto: juka
  • hochgeladen von Marc Thomas

Tiefpunkt des zeitweiligen Zusammenlebens sei der Ostersamstag 2018 gewesen. Alle hätten zusammen auf dem Sofa gelegen und geschlafen – samt Lebensgefährte, Hund und Kindern. Max habe nachts den Fernseher angemacht, in dem eine Weltkriegs-Doku lief. „Da war er plötzlich außer Rand und Band, hatte Schaum vor dem Mund.“ Sie habe ihn auf dem Boden fixieren müssen und einen Krankenwagen gerufen. „Das war für die Kinder nicht besonders schön.“

Mehrere Persönlichkeiten

Sie habe vergeblich versucht, Max wieder auf den richtigen Weg zu bringen, erzählt die 36-Jährige. Auch von seinen mehreren Persönlichkeiten weiß sie zu berichten – fünf sollen es sein. Den ruhigen Max und das kindliche Mäxchen habe sie selbst kennengelernt, alles Böse habe er auf eine innere Stimme namens Razza geschoben. Unverständliche Selbstgespräche habe er geführt mit seinen Persönlichkeiten. „Aus Hilchenbach ferngesteuert“ sei er, von einer Gruppe, die ihn Tage lang in einem leeren Haus eingesperrt und gequält haben soll. „Den Jungs war er bis zum Schluss hörig.“

In diesem Haus in Vorwald spielte sich die schreckliche Tat ab.
  • In diesem Haus in Vorwald spielte sich die schreckliche Tat ab.
  • Foto: ihm
  • hochgeladen von Marc Thomas

Wie Max vom rechten Weg abgekommen ist und durch seine Drogenabhängigkeit immer mehr Probleme mit der Familie bekam, davon berichteten sowohl die Vertreterin der Jugendhilfe als auch sein Bewährungshelfer und die Berufsbetreuerin, die für ihn bestellt wurde.

Familiäre Machtlosigkeit

Die drei Zeugen zeichnen ein ernüchterndes Bild von familiärer Machtlosigkeit, Ängsten, aggressiven Ausbrüchen, Selbstverletzungen, erfolglosen Therapieversuchen, abgebrochenen Unterbringungen und wiederkehrenden Problemen, wenn Max zwischenzeitig noch einmal zu Hause eingezogen war.

Beschuldigter prahlt mit Messerstichen in den Kopf

Im vergangenen Sommer stellte die Betreuerin einen Antrag auf geschlossene Unterbringung. Ein Gutachter winkte ab, es sei keine Eigengefährdung zu befürchten. Die Betreuerin zog den Antrag nicht zurück, pochte auf eine richterliche Entscheidung. Eine Anhörung beim Amtsgericht wurde anberaumt. Zu der aber kam es nicht mehr; die Bluttat kam dazwischen.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen