A45: Großprojekt vorgestellt
Maximale Herausforderung Siegtalbrücke

Obwohl immer noch in gutem Zustand, ist die Siegtalbrücke in die Jahre gekommen. Nach dem Abriss soll sie sechsspurig aufgebaut werden.  Archivfoto: Dirk Manderbach
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  • Obwohl immer noch in gutem Zustand, ist die Siegtalbrücke in die Jahre gekommen. Nach dem Abriss soll sie sechsspurig aufgebaut werden. Archivfoto: Dirk Manderbach
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dima Eiserfeld. Karl Hermann-Metz braucht nicht lange zu fahren, um ins Schwärmen zu geraten. Weder nach Südfrankreich, zur weltberühmten Brücke von Millau, oder gar nach San Francisco, zur Golden Gate Bridge. Beides respektable und weltbekannte Bauwerke, eine legendärer als die andere. Die Lieblingsbrücke des Projektgruppenleiters für die A 45 des Landesbetriebs Straßen NRW spannt sich aber über das Siegtal, schwebt über Eiserfeld, zwei getrennte Spannbetonüberbauten, zwölf Brückenfelder, elf Pfeiler, 1050 Meter lang und über 100 Meter hoch – die Siegtalbrücke. „Es gibt keine schönere Brücke“, schwärmte Metz, als er am Dienstag gemeinsam mit dem Bezirksausschuss Eiserfeld und dem Bauausschuss der Stadt Siegen im Geisweider Rathaus versonnen auf ein Foto des Monumentalwerks blickte. Ebenfalls liebevoll berichtete er von der gesamten Sauerlandlinie als der „Königin der Autobahnen“ – wegen des besonders anspruchsvollen Reliefs.

Sechsspuriger Ausbau

Beinahe hatte man den Eindruck, dass Karl-Hermann Metz die Siegtalbrücke eines nicht mehr ganz so fernen Tages nur sehr schweren Herzens schreddern lassen wird. Dass es dazu kommen wird, daran ließ er allerdings am Dienstag keinen Zweifel. Gemeinsam mit Bauingenieurin Katharina Erbismann und Projektleiter Klaus Frettlöh – beides Kollegen vom Landesbetrieb –, gab er Auskunft über die zukünftige Riesenbaustelle. Die Brücke habe bei der letzten Prüfung immer noch mit einer respektablen Bauzustandsnote von 2,9 abgeschnitten und sei 2018 nochmals verstärkt worden. Doch der modernen Verkehrsbelastung sei sie auf Dauer nicht gewachsen. Und klar: Wenn die gesamte A 45 sechsspurig ausgebaut wird, muss auch die Siegtalbrücke in die Breite wachsen. Genauer gesagt wird sie rund sieben Meter breiter, zurzeit misst das Bauwerk noch „schlanke“ 30 Meter. Seitlich an die alte Brücke etwas anzubauen, sei aber nicht möglich, erklärte Metz. Deshalb gehe an einem Abriss kein Weg vorbei.

"Größte technische Herausforderung an der A 45"

„Das ist zweifelsohne die größte technische Herausforderung, die wir an der A 45 zu bewältigen haben“, sagte Metz und zeigte eine Computeranimation der zukünftigen Siegtalbrücke. So in etwa sehe eine Idealvorstellung des Landesbetriebes aus. Ob es so komme, wisse zurzeit allerdings niemand. Man befinde sich in einem sehr, sehr frühen Planungsstadium. Man wolle aber dennoch schon einmal informieren. Ihn persönlich hätten nämlich bereits jetzt viele Anrufe aus Eiserfeld erreicht, so Metz. Er wisse deshalb auch, dass viele Eiserfelder viele Fragen zu der Baustelle, der Bauweise und der Position der neuen Pfeiler hätten. Aber es sei eben noch zu früh, um Konkretes sagen zu können. Im September soll den Anwohnern dann auf einer Informationsveranstaltung der Stand der Dinge erklärt werden. In einer Infobroschüre werden dann auch zukünftige Ansprechpartner genannt.

Wie hoch die Betroffenheit der Eiserfelder sein wird, hänge von der jeweiligen Variante ab, für die sich der Bund als Straßenbaulastträger schließlich entscheiden werde, denn der müsse es schließlich bezahlen. Entscheidend sei der Standort der neuen Pfeiler, von denen es wahrscheinlich nur noch sieben geben wird. Aktuell stehen die beiden voneinander getrennten Brückenhälften auf elf Pfeilern.

Drei Bauvarianten

Die Experten des Landesbetriebs erklärten dann, dass es im Prinzip drei Bauvarianten gibt:
• Variante 1, Ersatzneubau in bestehender Lage: Die neue Brücke steht exakt an der gleichen Stelle und verläuft in gleicher Achslage. Während der Verkehr über eine Brückenhälfte fließt, wird die andere abgebrochen. An diese Stelle wird eine Hälfte der neuen Brücke gebaut. Während der Verkehr über die neue Hälfte fließt, wird die zweite Hälfte abgebrochen und anschließend wieder aufgebaut. In dieser Weise wird zurzeit die Rälsbach-Brücke bei Rinsdorf gebaut.
• Variante 2, Neubau in Seitenlage mit Querverschub: Vor einem Abriss wird eine neue Brückehälfte neben der alten Brücke gebaut. Dann wird eine alte Brückenhälfte abgerissen und an gleicher Stelle die zweite Brückenhälfte gebaut. Anschließend wird der zweite Teil der alten Brücke, der jetzt in der Mitte liegt, abgerissen. Schließlich wird eine neue Brückenhälfte an die zweite Hälfte verschoben. So entsteht zurzeit die neue Rinsdorfer Talbrücke.
• Variante 3, Neubau in Seitenlage als Endlage: Zuerst wird eine Brückenhälfte abgerissen. An dieser Stelle entsteht die komplette neue Brücke mit zwei Brückenhälften. In diesem Fall verschiebt sich der Standort der gesamten Brücke im Vergleich zur heutigen Lage seitlich um 19 Meter. Entweder Richtung Westen, also Richtung Eiserfeld, wobei die Betroffenheit der Eiserfelder dann laut Landesbetrieb natürlich größer wäre. Hier würde zum Beispiel der Friedhof Gilberg tangiert, weshalb eine Verschiebung in Richtung Siegen, also östlich der bestehenden Brücke, zum jetzigen Zeitpunkt viel wahrscheinlicher sei. Das erklärte Projektleiter Klaus Frettlöh gestern noch einmal im Gespräch mit der SZ. In beiden Fällen würde die gesamte Achse der A 45 zwischen den Anschlussstellen Siegen-West und dem Rastplatz „In der Hubach“ verschwenken.

Obwohl immer noch in gutem Zustand, ist die Siegtalbrücke in die Jahre gekommen. Nach dem Abriss soll sie sechsspurig aufgebaut werden.  Archivfoto: Dirk Manderbach
So in etwa sieht eine Idealvorstellung des Landesbetriebes aus. Auf sieben Pfeilern könnte die neue Siegtalbrücke ab 2033 über Eiserfeld schweben.  Computeranimation: Straßen NRW
Autor:

Dirk Manderbach (Redakteur) aus Siegen

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