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Gereizte Patienten
Medizinische Fachangestellte stoßen an ihre Grenzen

Die Pandemie hat auch den Alltag der medizinischen Fachangestellten auf den Kopf gestellt. Bianca Senner, Praxis Buschhaus + Galinski, arbeitet seit 16 Jahren in diesem Beruf und kann ihm viele positive Seiten abgewinnen.
  • Die Pandemie hat auch den Alltag der medizinischen Fachangestellten auf den Kopf gestellt. Bianca Senner, Praxis Buschhaus + Galinski, arbeitet seit 16 Jahren in diesem Beruf und kann ihm viele positive Seiten abgewinnen.
  • Foto: Timo Kalbitzer
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

tik Siegen. Mit den sommerlichen Temperaturen hat sich auch die Normalität langsam wieder ihren Weg zurück in die Innenstädte gebahnt. Mehr Tempo beim Impfen machts möglich. Ein Fortschritt, der ohne medizinische Fachangestellte wie Bianca Senner nicht möglich gewesen wäre. Deren Belastung wird oft übersehen.
Es ist halb eins in der Gemeinschaftspraxis Buschhaus + Galinski in Siegen. Eigentlich ist die Sprechstunde bereits seit einer halben Stunde vorbei, aber Bianca Senner sitzt immer noch vor dem Computer der Anmeldung hinter der Plexiglasscheibe. Eine Pause hatte sie bis hierhin noch nicht. Geregelte Arbeitszeiten, so Senner, habe sie während der Pandemie kaum noch.
Viele Überstunden als medizinische Fachangestellte
Seit 16 Jahren übt sie den Beruf schon aus.

tik Siegen. Mit den sommerlichen Temperaturen hat sich auch die Normalität langsam wieder ihren Weg zurück in die Innenstädte gebahnt. Mehr Tempo beim Impfen machts möglich. Ein Fortschritt, der ohne medizinische Fachangestellte wie Bianca Senner nicht möglich gewesen wäre. Deren Belastung wird oft übersehen.
Es ist halb eins in der Gemeinschaftspraxis Buschhaus + Galinski in Siegen. Eigentlich ist die Sprechstunde bereits seit einer halben Stunde vorbei, aber Bianca Senner sitzt immer noch vor dem Computer der Anmeldung hinter der Plexiglasscheibe. Eine Pause hatte sie bis hierhin noch nicht. Geregelte Arbeitszeiten, so Senner, habe sie während der Pandemie kaum noch.

Viele Überstunden als medizinische Fachangestellte

Seit 16 Jahren übt sie den Beruf schon aus. Einen Alltag wie diesen habe sie noch nicht erlebt. Es sei auch schon vorgekommen, dass Kolleginnen zwölf Stunden durchgearbeitet hätten. Dazu kommen die vielen Überstunden.

„Wir sind am Limit, erzählt sie. Entlasten soll eine elektronische Ansage in der Warteschleife bei Anrufen. „Bitte rufen Sie nicht wegen der Impfung in der Praxis an“, heißt es da mit Verweis auf die Website, auf der man alle Informationen findet. Viele riefen trotzdem an, so Senner. Meistens sei es „nur kurz eine Frage zur Impfung“. Eine Mitarbeiterin müsse daher ständig für den Telefondienst abgestellt werden. An diesem Tag sei jedoch eine Kollegin ausgefallen, erzählt Senner. Der Telefondienst bleibt somit an den übrigen medizinischen Fachangestellten hängen.

In der Praxis sind sie an diesem Tag zu dritt. Zusätzlich zu den Telefonaten müssen auch noch die elektronischen Anfragen beantwortet werden. 20 bis 40 pro Tag, schätzt Senner. Und die Aufgabe der medizinischen Fachangestellten erschöpft sich nicht allein im Beantworten von Impfanfragen.
Wie anspruchsvoll der Beruf gerade im medizinischen Bereich ist, weiß Maria von Helden. Sie ist zuständig für die Ausbildung junger medizinischer Fachangestellte am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung des Kreises Siegen-Wittgenstein. Das Assistieren bei Behandlung und Diagnostik wird während der dualen Ausbildung ebenso vermittelt wie das Durchführen von Laborarbeiten, Blutabnehmen und die Bedienung medizinischer Geräte und Instrumente.

Patienten oft ohne Respekt vor medizinischen Fachangestellten

„Der Stoff, vor allem im medizinischen Bereich, ist extrem umfangreich“, sagt die approbierte Ärztin. Selbst ohne Pandemie ein fordernder Arbeitsalltag für medizinische Fachangestellte wie Bianca Senner. Dazu kommt jetzt noch das Impfen. Etwa eineinhalb bis zwei Stunden Vorbereitungszeit sei hierfür notwendig, berichtet sie. Daneben fällt noch eine Menge organisatorische Arbeit an. Die Patienten bekommen den logistischen Aufwand fast nie zu sehen. Von diesen wünscht sich Bianca Senner vor allem eins: mehr Verständnis. Teilweise fühle man sich behandelt wie ein „Fußabtreter“. Auch persönliche Beleidigungen seien schon vorgekommen. Mit diesen Gefühlen steht Senner nicht allein da. Am Berufskolleg hat die Lehrerin von Helden ihre Schüler gebeten aufzuschreiben, wie die Auszubildenden die Pandemie in ihren Betrieben erleben. Viele klagen über unfreundliche und ungeduldige Patienten.

„Man beginnt, Menschen zu hassen“, heißt es sogar in einem Kommentar. Eine Schülerin hat einen langen Brief verfasst, in dem sie ihre Lage schildert. Das Thema beschäftigt die angehenden medizinischen Fachangestellten. Einig sind sie sich auch bei der Forderung nach einer gerechteren Bezahlung.

Doch die Auszubildenden haben auch viel Positives über ihren Beruf zu berichten, wie etwa der gute Zusammenhalt im Praxisteam oder die vielfältigen Möglichkeiten, die die Beschäftigung einem biete. Auch Bianca Senner betont, dass sie natürlich nicht nur mit unfreundlichen oder gar ausfallenden Patienten zu tun hat. Genauso habe sie viel Dankbarkeit von Patienten erfahren.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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