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Geschichtswerkstatt legt Sonderband zur Sprachenschule Siegerland vor
Mehr als eine Schulgeschichte

 Dr. Adolf Bode haben die Sprachenschule Siegerland in fast 40 Jahren zu einem wichtigen Faktor in der hiesigen Schul- und Wirtschaftswelt gemacht.
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gmz/sz - Die Schule Dr. Adolf Bodes orientierte sich für ihr Angebot an den Bedürfnissen der heimischen Wirtschaft.
gmz/sz Siegen. Sein Name stand für Qualität, für ein Konzept, das, lange bevor man von „Kundenorientierung“ als Grundlage einer strategischen Wirtschafts- und Produktplanung sprach, praktiziert wurde: die Sprachenschule Siegerland von Dr. Adolf Bode. Die Geschichtswerkstatt Siegen erinnert in dem Sonderband ihrer Schriftenreihe, „Eine weltweite Familie: Die Sprachenschule Siegerland des Dr. Adolf Bode“, an diese Sprachenschule, die, so Prof. Dr. Christoph Bode, Sohn des Sprachenschul-Gründers- und -Leiters, im SZ-Gespräch, tatsächlich „seine“ Schule war. Dr.

gmz/sz - Die Schule Dr. Adolf Bodes orientierte sich für ihr Angebot an den Bedürfnissen der heimischen Wirtschaft.
gmz/sz Siegen. Sein Name stand für Qualität, für ein Konzept, das, lange bevor man von „Kundenorientierung“ als Grundlage einer strategischen Wirtschafts- und Produktplanung sprach, praktiziert wurde: die Sprachenschule Siegerland von Dr. Adolf Bode. Die Geschichtswerkstatt Siegen erinnert in dem Sonderband ihrer Schriftenreihe, „Eine weltweite Familie: Die Sprachenschule Siegerland des Dr. Adolf Bode“, an diese Sprachenschule, die, so Prof. Dr. Christoph Bode, Sohn des Sprachenschul-Gründers- und -Leiters, im SZ-Gespräch, tatsächlich „seine“ Schule war. Dr. Adolf Bode hat sie vor 75 Jahren gegründet, als er gerade aus Krieg und US-amerikanischer Gefangenschaft nach Siegen zurückkam. Ihm war klar, dass Handel, Verwaltung und später auch die heimische Industrie dringend auf Menschen mit guten Englischkenntnissen angewiesen waren.

Erste Kurse ab September 1945

Für diese Bedürfnisse bildete er auch aus. Zunächst, ab September 1945, in einer Abendschule, um Englischkenntnisse für den Umgang mit den britischen bzw. US-amerikanischen Besatzungsmächten zu vermitteln, aber auch, um den Bildungshunger der Nachkriegszeit zu stillen. Ab 1946 kamen Kurse in Wirtschaftsenglisch hinzu, die meist von Menschen belegt wurden, erläutert Christoph Bode, die im Beruf standen und merkten, dass ihre Schul-Englischkenntnisse nicht ausreichten. Sie erwarben berufsbegleitend ihr Diplom, das von der IHK anerkannt war. Später, 1957/58, kam eine Tagesschule dazu, in der junge Menschen
(in den allermeisten Fällen Frauen) ihr Sprachendiplom für Übersetzung und Dolmetschen erwarben und oft in Abendkursen eine zweite Sprache erlernten. Denn die Siegerländer (Metall-)Industrie war damals schon sehr international aufgestellt. Und dazu kam, dass kaum eine Firma es sich leisten konnte, für jede der benötigten Sprachen eine eigene Fremdsprachenkorrespondentin einzustellen.
Und die Firmen wussten, dass die Absolventinnen der Sprachenschule Bode, wie sie im Volksmund genannt wurde, gut ausgebildet waren. Denn neben der sprachlichen Sicherheit der Handelskorresponendentinnen, erinnert sich Christoph Bode, bestand sein Vater darauf, dass die Schülerinnen auch inhaltlich ausgebildet wurden: Prüfungen bestanden dann darin, zum Beispiel den Aufbau eines Hochofens auf Englisch zu erläutern oder die Funktionsweise einer Bessemer-Birne auf Französisch. Nur was man kennt, kann man korrekt übersetzen, lautete Dr. Adolf Bodes Credo: Sprachkenntnis plus Sachkenntnis wurden vermittelt.

Landeskunde war Bestandteil des Unterrichts

So nimmt es auch nicht wunder, dass Dr. Bode größten Wert legte auf Landeskunde. Verhandlungen, habe er immer gesagt, erinnert sich sein Sohn, bestünden nicht nur aus Fachverhandlungen, sondern auch aus Smalltalk, Gesprächen in den Verhandlungspausen oder am Abend. Und dafür müsse man wissen, wie das Land der Verhandlungspartner organisiert sei, was die Menschen beschäftige, welche Vorstellungen sie hätten. Exkursionen, gelegentlich „gesponsert“ von der heimischen Industrie, seien fester Bestandteil der Ausbildung gewesen. Auch habe Dr. Bode oft ehemalige Schüler zu Vorträgen in die Schule eingeladen, von ihren Erfahrungen im Beruf zu berichten. So sei den Schülern in Ausbildung klar geworden, worauf es in der Praxis ankomme.
Die Ausbildung in der Sprachenschule Siegerland ging also weit über die reine Sprachvermittlung hinaus. Sein Vater, sagt Christoph Bode, habe von seinen eigenen Auslandserfahrungen (er studierte ab 1938 in Stanford, dann in Berkeley) profitiert, das habe seinen Horizont sehr erweitert. Zudem sei er ein offener, interessierter Mensch gewesen, der gut auf Menschen habe zugehen können. Diese Offenheit und Aufgeschlossenheit habe er zu vermitteln versucht. Das „Netzwerken“ praktizierte er nicht nur in beruflicher Hinsicht, stellte Kontakte zu Firmen im In- und Ausland her, sondern er hielt auch Kontakt zu seinen Schülern.

Schüler hielten jahrzehntelang Kontakt

Viele Ordner mit Schüler-Korrespondenz habe sein Vater aufbewahrt, Hunderte Aktenordner auch mit „Schulgeschichte“, die seine Mutter Ute Bode für diese Geschichte der Sprachenschule durchgesehen, geordnet und zum Kernstück dieser Publikation gemacht habe, erläutert Bode. Die Schule, resümiert er, sei tatsächlich die Sprachenschule des Dr. Adolf Bode gewesen: Sie war sein Lebenswerk. „Mein Vater“, sagt Christoph Bode, „war die Seele der Schule.“ Ohne die fachliche, organisatorische und menschliche Unterstützung seiner Mutter aber hätte die für die Region und darüber hinaus einzigartige Schule, so Christoph Bode, auch so nicht betrieben werden können.
Dr. Adolf Bode wurde 1984 für seine Lebensleistung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Der Sonderband, der auf einem zu Lebzeiten unveröffentlichten Text der 2012 verstorbenen Ute Bode beruht, wurde von ihrem Sohn mit Vor- und Nachwort und Annotationen versehen. Er zeichnet ein spannendes Bild Bodes und seiner Zeit: Schul-, Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte in einem. Der Geist der Schulgemeinschaft existiert immer noch, auch nach dem gesundheitsbedingten Verkauf der Schule 1982 durch Adolf Bode: Das hätten die Reaktionen ehemaliger Schüler auf die Publikation gezeigt …

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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