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Kommunalwahl im Kreis Siegen-Wittgenstein
Mehr Senioren als junge Leute kandidieren

Bei der Kreistagswahl strotzt das Kandidatenfeld nicht gerade vor Jugendlichkeit: Insgesamt 349 Männer und Frauen werden vor dem nächsten Wahltermin im Jahr 2025 ihr 67. Lebensjahr vollenden.
  • Bei der Kreistagswahl strotzt das Kandidatenfeld nicht gerade vor Jugendlichkeit: Insgesamt 349 Männer und Frauen werden vor dem nächsten Wahltermin im Jahr 2025 ihr 67. Lebensjahr vollenden.
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ihm Siegen/Bad Berleburg. Ein normaler Donnerstag im Februar. Ausschusssitzung in einer beliebigen Kommune im Kreis Siegen-Wittgenstein. Die Fraktionssprecher reden. Es geht um ein Jugendthema. Aber zu Wort melden sich überwiegend ältere Herrschaften. Sie sind von dem Thema, um das es hier geht, viele Jahre entfernt. Vielleicht haben sie über ihre Enkel schon einmal davon gehört, aber als es um die Entscheidung geht, beschleicht die Beobachter der Eindruck: Hier reden Blinde von der Farbe. Um welche Kommune es hier geht und um welche Personen, tut nichts zur Sache. Denn das Phänomen gibt es in allem Städten und Gemeinden und auch im Kreistag: Die Altersstruktur der politischen Gremien lässt befürchten, dass die Probleme und Wünsche der jungen Generation eher ein Randthema sind.

ihm Siegen/Bad Berleburg. Ein normaler Donnerstag im Februar. Ausschusssitzung in einer beliebigen Kommune im Kreis Siegen-Wittgenstein. Die Fraktionssprecher reden. Es geht um ein Jugendthema. Aber zu Wort melden sich überwiegend ältere Herrschaften. Sie sind von dem Thema, um das es hier geht, viele Jahre entfernt. Vielleicht haben sie über ihre Enkel schon einmal davon gehört, aber als es um die Entscheidung geht, beschleicht die Beobachter der Eindruck: Hier reden Blinde von der Farbe. Um welche Kommune es hier geht und um welche Personen, tut nichts zur Sache. Denn das Phänomen gibt es in allem Städten und Gemeinden und auch im Kreistag: Die Altersstruktur der politischen Gremien lässt befürchten, dass die Probleme und Wünsche der jungen Generation eher ein Randthema sind. Und dass Entscheidungen für die Zukunft von Menschen getroffen werden, die den größten Teil ihres Lebens schon hinter sich haben. Sind solche Gedanken seniorenfeindlich? Ist es Altersdiskriminierung, wenn man über Altersgrenzen für Politiker nachdenkt? Immerhin war Konrad Adenauer 85 Jahre alt, als er zum vierten Mal zum Bundeskanzler gewählt wurde. Zugegeben: Es ist ein radikaler Gedanke, dass Volksvertreter nach Erreichen des Rentenalters (zum Beispiel 67 Jahre als Renteneintrittsgrenze) ihr Mandat nicht mehr ausüben sollten. Was im Beruf gilt, könnte doch im Ehrenamt ebenfalls sinnvoll sein. Die Kandidatenlisten für die bevorstehende Kommunalwahl sprechen eine andere Sprache. Hier sind Menschen jenseits des Ruhestandsalters reichlich vertreten. Wenn der oben genannte Grundsatz beherzigt würde, dürften nur Kandidaten aufgestellt werden, die jetzt 62 Jahre (Jahrgang 1958) oder jünger sind. Sie würden dann am Ende der Wahlperiode das Rentenalter erreichen.

Deutliche Unterschiede in der Altersstruktur

Davon aber sind alle Parteien weit entfernt. Zwar gibt es deutliche Unterschiede in der Altersstruktur. So glänzen die CDU Freudenberg und die FDP Burbach durch den kreisweit niedrigsten Altersschnitt ihrer Direktkandidaten: erstaunliche 44 Jahre! Allerdings haben die Liberalen in Burbach nur in zehn von 16 Wahlbezirken Direktkandidaten aufgestellt. Am anderen Ende der Skala finden sich Parteien und Wählergruppen mit einem durchschnittlichen Bewerber-Alter von 61 Jahren: die SPD Neunkirchen, die UWG Netphen und Grünen Bad Berleburg. Die Grafik zeigt, dass der Verjüngungsprozess in einigen Kommunen und einigen Parteien munter im Gange ist. Woanders tut man sich offensichtlich schwer damit. Die Gründe liegen auf der Hand: Junge Menschen setzen andere Prioritäten: Ausbildung, Familie, Karriere. Da bleibt objektiv für viele wenig Zeit für die aufwändige Arbeit in der Kommunalpolitik – von Lust und Interesse mal ganz abgesehen.

Kandidatenfeld strotzt nicht vor Jugendlichkeit 

Ganz anders bei rüstigen Rentnern: Sie haben Zeit, sie finden die Termine und Kontakte in der Politik belebend, sie sind aufgrund ihrer Lebenserfahrung oft vielseitig interessiert. Da passt ein Sitz im Rat oder in einem Fachausschuss ganz gut in den Alltag.Der Fairness halber muss man zugestehen: Manche älteren und alten Kandidaten drängen sich keineswegs nach vorn, sondern werden nur deshalb aufgestellt, weil man einfach keinen Jüngeren gefunden hat. Motto: „Dann lass ich mich noch mal breitschlagen.“ Aber es gibt auch die Alten, die an ihren Posten kleben. Die nicht loslassen können. Nur so ist zu erklären, dass auch bei der Kreistagswahl das Kandidatenfeld nicht gerade vor Jugendlichkeit strotzt. Hier das Durchschnittsalter: CDU: 56 Jahre; SPD: 53 Jahre; Grüne: 52 Jahre; FDP: 54 Jahre; UWG: 61 Jahre; Linke: 52 Jahre. Lenkt man den Blick auf die Zahl der Kandidaten, die im Jahr 1957 oder noch früher geboren wurden, kommt man auf folgende Daten (jeweils dahinter die Gesamtzahl der Direktkandidaten): Bad Berleburg: 38 (von 124); Bad Laasphe: 16 (von 81); Burbach: 18 (von 74); Erndtebrück: 13 (von 44); Freudenberg: 12 (von 68); Hilchenbach: 15 (von 97); Kreuztal: 31 (von 90); Netphen: 25 (von 80); Neunkirchen: 18 (von 56); Siegen: 69 (von 231); Wilnsdorf: 26 (von 76); Kreistag: 68 (von 189). Insgesamt also 349 Männer und Frauen, die vor dem nächsten Wahltermin im Jahr 2025 ihr 67. Lebensjahr vollenden werden.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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