Mehr Stickstoffdioxid in der Luft

 Fällt kaum auf: der Becher mit dem Messröhrchen an der Sandstraße. Einmal im Monat wird das Röhrchen geleert und sein Inhalt analysiert. Die Experten des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz ermitteln daraus den Gehalt an Stickstoffdioxid in der Siegener City-Luft. Maßgeblich ist der Jahres-Mittelwert.  Foto: ihm
  • Fällt kaum auf: der Becher mit dem Messröhrchen an der Sandstraße. Einmal im Monat wird das Röhrchen geleert und sein Inhalt analysiert. Die Experten des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz ermitteln daraus den Gehalt an Stickstoffdioxid in der Siegener City-Luft. Maßgeblich ist der Jahres-Mittelwert. Foto: ihm
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ihm - Die Schuldigen hat Landesumweltminister Johannes Remmel schon im Visier: Die Dieselautos sind es vor allem, die dafür sorgen, dass die Luft in Siegen und etlichen anderen NRW-Städten schmutzig ist. Und das ist nach Ansicht des Grünen-Ministers wiederum Schuld der Automobilhersteller und der Bundesregierung.

Am Dienstag legte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) den Bericht über die Luftqualität in NRW 2016 vor. Quintessenz: An über der Hälfte der Messstellen gibt es Überschreitungen der zulässigen Stickstoffdioxid-Konzentration im Jahresmittel, alle anderen Messwerte einschließlich Feinstaub liegen im zulässigen Toleranzbereich. Hohe NO2-Konzentrationen wurden ausschließlich in stark verkehrsbelasteten Stadtbereichen gefunden.

In Siegen hat das Lanuv zwei Messstellen für NO2 installiert. Die anderen Luftwerte einschließlich Feinstaub werden in der Stadt nicht mehr ermittelt, hier waren die Werte in der Vergangenheit unkritisch. Die beiden Messstellen (unscheinbare kleine Becher, die an einem Baum bzw. Laternenpfahl befestigt sind) befinden sich an der Sandstraße 15 und an der Frankfurter Straße 36. Der Grenzwert für den NO2-Jahresmittelwert liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Die Messergebnisse der beiden Siegener Stationen:

Sandstraße:

2016: 48 µg/m3

2015: 45 µg/m3

2014: 38 µg/m3

Frankfurter Straße:

2016: 38 µg/m3

2015: 38 µg/m3

2014: 40 µg/m3

An der Sandstraße wird die Grenze von 40 µg/m3 also deutlich überschritten – und zwar Jahr für Jahr massiver. Landesweit hat Köln am Clevischen Ring den Spitzenwert mit 63 µg/m3, Düren ist an der Euskirchener Straße hoch belastet (61 µg/m3) und in Düsseldorf gibt es sogar zwei besonders kritische Messstationen: Corneliusstraße (58 µg/m3) und Merowingerstraße (56 µg/m3). Insgesamt lag der Jahresmittelwert an 60 von 128 Messstellen im Land über dem Grenzwert.

Die Umweltzone, die in Siegen 2015 eingerichtet wurde, um die Luftqualität zu verbessern, bringt für die NO2-Werte keinerlei Verbesserung. Das bestätigte Birgit Kaiser de Garcia, Pressesprecherin des Lanuv, auf Anfrage der SZ. Bei der Umweltzone gehe es vornehmlich um Feinstaub, sagte sie. Hier gibt es NRW-weit kaum Probleme, die EU-Grenzwerte werden eingehalten. Das gilt auch für die gesundheitlich relevanten Staubinhaltsstoffe Blei, Arsen, Kadmium und Nickel sowie für Benzol. Die Umweltzone in der Siegener Innenstadt durfte übrigens zu Beginn auch noch von Bussen befahren werden, die nicht die grüne Plakette trugen. Im Jahr 2015 hatte die Stadt Siegen 33 Ausnahmegenehmigungen für solche Fahrzeuge bis zum 31. Dezember 2015 erteilt, um die ÖPNV-Betreiber nicht zu stark zu belasten. Wie die städtische Pressestelle gestern auf Anfrage der SZ mitteilte, gab es aber in den Folgejahren keinerlei Anträge auf Ausnahmegenehmigungen mehr.

Die hohen Stickstoffdioxid-Werte könnten schon in Kürze nicht nur gesundheitliche, sondern auch juristische Folgen haben. Minister Remmel erinnert daran, dass die Europäische Kommission im Februar ein zweites und letztes Mahnschreiben nach Deutschland geschickt habe. Inhalt: Die Bundesrepublik soll Maßnahmen ergreifen, um den NO2-Grenzwert einzuhalten. Deutschland habe noch bis Mitte April Zeit für eine Stellungnahme, dann entscheide die Kommission, ob Klage vor dem Europäischen Gerichtshof erhoben werde. Remmel: „Dieses zweite Mahnschreiben der EU-Kommission zur Einhaltung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte ist eine Klatsche für die Bundesregierung. Dass wir weiterhin eine Überschreitung der zulässigen Grenzwerte bei Stickoxid haben, ist aber vor allem ein Versäumnis der Automobilindustrie, die seit Jahren die Entwicklung sauberer Antriebstechnologien verschläft.“

Der Minister schließt nicht aus, dass es in NRW zu Fahrverboten für Diesel-Autos kommen werde. Er selbst, so der Grüne, wolle solche Verbote zwar vermeiden, aber er halte es für möglich, dass Gerichte das Land dazu zwingen würden. Zu verantworten hätten das dann die Automobilhersteller und die Bundesregierung.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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