SZ

Zahlen der Polizei
Mehr Wildunfälle in der Region

Wenn ein Reh mit einem Auto kollidiert, endet das für das Tier zumeist tödlich – so wie hier Mitte Januar auf der B55 bei Olpe. Das Reh bezahlte den Zusammenprall mit seinem Leben, die Versicherung später einen fünfstelligen Betrag.
  • Wenn ein Reh mit einem Auto kollidiert, endet das für das Tier zumeist tödlich – so wie hier Mitte Januar auf der B55 bei Olpe. Das Reh bezahlte den Zusammenprall mit seinem Leben, die Versicherung später einen fünfstelligen Betrag.
  • Foto: hobö (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

rege Siegen/Olpe. Wenn rasende Tiere und schnelle Autofahrer zur gleichen Zeit am gleichen Ort unterwegs sind, nimmt das meist kein gutes Ende – weder für den Vierbeiner noch für den Viertürer. Wildunfall nennt sich das Ganze. Und, wo viel Wald, da auch viel Wild – entsprechend oft kommt es auch in der heimischen Region zu tierischen Zusammenstößen. Tendenz steigend. Das geht aus den Zahlen hervor, die die Polizeibehörden der SZ übermittelt haben.

3,3 Wildunfälle

rege Siegen/Olpe. Wenn rasende Tiere und schnelle Autofahrer zur gleichen Zeit am gleichen Ort unterwegs sind, nimmt das meist kein gutes Ende – weder für den Vierbeiner noch für den Viertürer. Wildunfall nennt sich das Ganze. Und, wo viel Wald, da auch viel Wild – entsprechend oft kommt es auch in der heimischen Region zu tierischen Zusammenstößen. Tendenz steigend. Das geht aus den Zahlen hervor, die die Polizeibehörden der SZ übermittelt haben.

3,3 Wildunfälle pro Tag in Siegen-Wittgenstein

Nachdem die Kreispolizeibehörde des Kreises Olpe über vermehrte Wildunfälle in den vergangenen Wochen und mehr als 700 unliebsamen Begegnungen pro Jahr berichtet hatte, vermeldet auch die Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein einen leichten Anstieg. Vom 1. Januar 2021 bis zum 25. Februar hatten sich zwischen Oberdresselndorf und Girkhausen 213 Kollisionen ereignet. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum 199, im gesamten Jahr 2020 gab es auf den heimischen Straßen 1214 Vorkommnisse dieser Art, macht im Schnitt etwas mehr als 3,3 Wildunfälle pro Tag. Die Polizeidirektion Neuwied berichtet von 585 Wildunfällen, die von den Polizeibeamten zwischen dem 1. Januar und 31. Dezember 2020 im Kreis Altenkirchen aufgenommen wurden. Für den Jahresbeginn 2021 liegen noch keine aktuellen Werte vor.

Für Autofahrer verlaufen Zusammenstöße mit Wild meist glimpflich

Nicht immer, aber in den meisten Fällen, verlaufen die Unfälle für die Autofahrer – abgesehen vom Schaden am Pkw – glimpflich. „Wenn ein kapitaler Hirsch auf der Motorhaube landet, muss man sich nicht wundern, wenn auch der Fahrer verletzt ist. Aber Personenschäden sind die Ausnahme. Meist nehmen wir Sachschäden auf, zumal die Tiere oft zu klein sind, um überhaupt auf die Motorhaube zu kommen. Und dass ein Wisent angefahren wird wie 2019 im Hochsauerlandkreis kommt auch eher selten vor“, sieht Stefan Pusch, der Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein, die Karambolagen eher als Gefahr für das Tier als für den Mensch.

Bei Wildunfällen auf jeden Fall die Polizei informieren

Auch Henning Setzer, dem für das Jagdwesen zuständige Dezernenten des Kreises Siegen-Wittgenstein, bereitet eher der Zustand der Waldbewohner Sorgen. „Ich richte den dringenden Appell an die Autofahrer, die Polizei zu benachrichtigen. Die angefahrenen Tiere sind nicht immer tot und müssen von einem Jäger untersucht werden. Das geht natürlich nur, wenn die Unfälle gemeldet werden. Ein Tier, das den Unfall überlebt, aber starke innere Verletzungen hat, leidet über Stunden und Tage, wenn man sich nicht drum kümmert“, hat Setzer auch den Tierschutz im Blick. Während der bereits erwähnte Crash mit einem Wisent die Ausnahme ist, trifft es auf den heimischen Bundes-, Land- und Kreisstraßen vor allem zu Zeiten der Dämmerung meistens Rehe, Schwarzwild, in einigen Bereichen Rotwild, Marder, Waschbären sowie hin und wieder mal Füchse.

Tempolimits könnten die Gefahr für Wildunfälle mindern

Um diese Kollisionen abzumildern, gibt es an Hotspots die Möglichkeit der Geschwindigkeitsbegrenzung. So geschehen im Kreis Olpe, wo sich auf der Kreisstraße 1 zwischen Wenden und Ottfingen die Wildunfälle häufen und momentan nicht mehr mit 100 km/h gerast werden darf, sondern nur noch mit 70 Stundenkilometern. Im „SI“-Kreis gibt es derzeit kein Wildwechsel-bedingtes Tempolimit. Den Tieren (und Autos) zuliebe hat es das in den vergangenen Jahren aber auch immer wieder mal gegeben, u. a. auf der B 54 zwischen Wilnsdorf und der Kalteiche. Bei Treibjagden ist eine Tempodrosselung sogar vorgeschrieben. Der beim Kreis dafür zuständige Amtsleiter Thomas Schneider plädiert in allen Fällen für einen Geschwindigkeitskorridor. „Ich sehe nicht viel Unterschied für das Wild, ob es mit 100 oder mit 70 km/h angefahren wird. Und bei 70 km/h kann auch kein Autofahrer reagieren. Wenn es eine permanente Gefahrenstelle gibt, müsste man von 100 km/h über 70 km/h auf 50 oder 30 km/h runter gehen“, bevorzugt Schneider das sanfte Abbremsen statt einer Vollbremsung.

Wege im Wald sollten eingehalten werden

Henning Setzer bittet zum Schutz und Wohl der Tiere aber nicht nur die Autofahrer um Rücksicht. „Fußgänger und Radfahrer sollten die Wege im Wald einhalten. Jede Störung ist negativ für das Wild. Wenn Menschen querfeldein laufen oder fahren, führt das zu Unruhe, und die Tiere werden gezwungen, sich weg zu bewegen.“ Anders ausgedrückt: Die zwischen Fichte und Buche beheimateten Lebewesen werden wild(er), was wiederum zu vermehrten Ausflügen auf die nahe gelegenen Straßen führen kann. Und dort droht nicht nur das Aufeinandertreffen mit Spaziergängern und Bikern …

Autor:

René Gerhardus (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r
Themenwelten
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen