Menschenwürde hätte zu leiden

Notunterkünfte der Stadt in erbärmlichem Zustand – Verkauf soll Standard verbessern

Siegen. Notunterkünfte sind keine Wohnungen. Sie sind nur für den vorübergehenden Aufenthalt gedacht. Es wird keine Miete erhoben, sondern eine Nutzungsgebühr ist fällig. All das ist eine Umschreibung dafür, dass die Standards in Notunterkünften wesentlich niedriger angesiedelt sind als in Wohnungen. Und genau um diese Standards ging es in der gestrigen Sitzung des Sozialausschusses. Die Notunterkünfte der Stadt Siegen befinden sich nämlich in einem erbärmlichen Zustand. Sie sind meist nicht mehr als menschenwürdige Quartiere zu bezeichnen. Das Problem ist bekannt. Daher war die Verwaltung zu Jahresbeginn beauftragt worden, Standards für die 22 noch vorhandenen Obdachloseneinrichtungen zu erarbeiten und aufzuzeigen, welche Kosten mit deren Umsetzung einhergehen würden.

Gestern nun lagen die Fakten auf dem Tisch. 1992 gab es in Siegen noch 100 Notunterkünfte in insgesamt 19 Gebäuden. Geblieben sind 22 in vier Gebäuden. Drei davon stehen in der Südstadt. Gerade einmal drei Quartiere sind bewohnt. Allerdings werden augenblicklich 23 Wohnungslose in Hotels untergebracht.

Die von der Verwaltung vorgeschlagene notwendige Mindest-Ausstattung der Quartiere war im Gremium unbestritten. Blieb die Frage, woher die prognostizierten 674000 DM für die anfallenden Investitionen kommen sollten. Im Etat ist die Summe bislang weder für 2000 noch für 2001 veranschlagt. Da half ein Beschluss des Bezirksausschusses Eiserfeld aus dem Frühjahr weiter, an den André Schmidt (CDU) erinnerte: Der Verkauf der Einrichtung „Am Schlehdorn” sei bereits beschlossene Sache. Die Christdemokraten gingen noch einen Schritt weiter, wollten zwei der vier Gebäude verkaufen, um die übrigen beiden sanieren zu können. Die SPD regte einen im Ausschuss tragfähigen Kompromiss an: Das Haus „Am Schlehdorn” mit sechs Unterkünften soll verkauft werden, der Erlös in die anderen Gebäude fließen. Auch die Summe, die die Stadt durch den Verkauf des Hauses „In der Furth” erzielt, sollte nach Vorstellung der Sozialpolitiker der Herstellung der beschlossenen Mindest-Standards zukommen.

Anders sah das Grünen-Vertreter Ulrich Krombach. Seiner Meinung nach werden die derzeitigen Kapazitäten gebraucht. Er forderte das Gremium auf, zu beschließen, die nötigen Gelder binnen der nächsten drei Jahre zur Verfügung zu stellen. Mit seinem Ansinnen fand er jedoch nur bei der Verwaltung Rückendeckung. Auch die plädierte dafür, die 22 Einheiten zu behalten und herzurichten. Eben weil 23 Wohnungslose vorrübergehend in Hotels lebten. Abteilungsleiter Gerhard Häuser: „Die würden wir gerne in Notunterkünften unterbringen.” Zudem sei der künftige Bedarf an Notunterkünften nur schwer vorhersehbar. Die Anzahl der Wohnungskündigungen und Räumungsklagen jedenfalls nehme wieder stark zu.

Karl-Heinz Nell (CDU) kam es seltsam vor, dass Notunterkünfte gebraucht würden, wo doch Sozialwohnungen leer stünden. Die Verwaltung erinnerte daran, dass es sich bei den Wohnungslosen oftmals um eine schwierige Klientel handele, die nicht immer wohnungsfähig sei. Zumal in der Regel auch Dritte von einer solchen Unterbringung betroffen seien.

Sollte nun das Gebäude „Am Schlehdorn” nicht an den Mann oder die Frau zu bringen sein, wird sich der Sozialausschuss voraussichtlich nochmals mit der Angelegenheit beschäftigen müssen.

kk

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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