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SZ-Interview-Serie zum Jahreswechsel
Metall- und Elektroindustrie bleibt im Krisenmodus

Bei aller Klage: Die letzten Wochen und Monate der Pandemie hätten gezeigt, dass gerade die mittelständischen Unternehmen in der Region trotz aller Einschränkungen schnell und effektiv auf die Folgen der Pandemie reagiert haben, so der M+E-Verband.
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ch Siegen/Bad Berleburg. Die Arbeitgeber der Metall- und Elektrobranchen blicken wegen der hohen Infektionszahlen, der Anti-Corona-Maßnahmen und der anhaltenden Lieferprobleme eher pessimistisch in die nahe Zukunft. „Wir werden auch 2022 noch nicht wieder das wirtschaftliche Niveau erreichen, das wir vor der Pandemie hatten“, sagt Dr. Thorsten Doublet, Geschäftsführer vom Verband der Siegerländer Metallindustriellen, im Gespräch mit der SZ. Hier das Interview mit ihm zum Einstieg in das dritte Corona-Jahr:

Lockdowns, Homeoffice, 3 G am Arbeitsplatz, jetzt die vierte Welle, bald die fünfte: Herr Doublet, wie fassen Sie die vergangenen Monate der Pandemie aus Sicht Ihrer Mitgliedsunternehmen zusammen?

ch Siegen/Bad Berleburg. Die Arbeitgeber der Metall- und Elektrobranchen blicken wegen der hohen Infektionszahlen, der Anti-Corona-Maßnahmen und der anhaltenden Lieferprobleme eher pessimistisch in die nahe Zukunft. „Wir werden auch 2022 noch nicht wieder das wirtschaftliche Niveau erreichen, das wir vor der Pandemie hatten“, sagt Dr. Thorsten Doublet, Geschäftsführer vom Verband der Siegerländer Metallindustriellen, im Gespräch mit der SZ. Hier das Interview mit ihm zum Einstieg in das dritte Corona-Jahr:

Lockdowns, Homeoffice, 3 G am Arbeitsplatz, jetzt die vierte Welle, bald die fünfte: Herr Doublet, wie fassen Sie die vergangenen Monate der Pandemie aus Sicht Ihrer Mitgliedsunternehmen zusammen?
►Die letzten Wochen und Monate der Pandemie haben gezeigt, dass gerade die mittelständischen Unternehmen in unserer Region trotz aller Einschränkungen schnell und effektiv auf die Folgen der Pandemie reagiert haben. Trotz der mehrfachen Lockdowns konnten so Arbeitsplätze und Aufträge weitgehend gesichert werden. In vielen Fällen, in denen es möglich war, wurde Homeoffice eingeführt. Inbetriebnahmen wurden digital durchgeführt. Die große Mehrheit der Unternehmen hat sich auch in einer Umfrage, die wir im November durchgeführt haben, für die Einführung von 3 G am Arbeitsplatz ausgesprochen. Die Umsetzung ist dann relativ problemlos erfolgt, auch wenn der Aufwand und die damit verbundenen Kosten die Unternehmen zusätzlich belasten.

Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang das Instrument der Kurzarbeit aus Arbeitgebersicht?
►Dieses Instrument wurde von einer ganzen Reihe von Unternehmen in unserer Region genutzt. Es hat wesentlich dazu beigetragen, dass es zu keinem größeren Arbeitsplatzabbau gekommen ist. Inzwischen hat sich der Arbeitsmarkt in Siegen-Wittgenstein wieder erholt. Fachkräfte sind nach wie vor gefragt.

Ein Jahreswechsel bietet sich immer an für eine kleine Bilanz: Wie groß ist der Corona-Schaden insgesamt für die M+E-Unternehmen aus regionaler Sicht?
►Wie führen zurzeit unsere jährliche Konjunkturumfrage durch. Ergebnisse erwarten wir erst Mitte Januar. Deshalb haben wir noch keine aktuelle Lageeinschätzung unserer Mitgliedsunternehmen vorliegen. Generell lässt sich aber feststellen, dass die Folgen der Pandemie, beispielsweise durch die Einbrüche in den Lieferketten, zu einem deutlichen Rückgang der konjunkturellen Entwicklung geführt hat.

Dieser Einbruch kann sicherlich nicht innerhalb weniger Monate kompensiert werden. Wir werden also auch 2022 noch nicht wieder das wirtschaftliche Niveau erreichen, das wir vor der Pandemie hatten.

Welche Herausforderungen wird das dritte Corona-Jahr für die M+E-Branchen bringen?
►Was die Herausforderungen in 2022 angeht, sehen wir natürlich an erster Stelle eine möglichst umfassende Impfung in unserer Region. Nur so können wir das Wirtschaftsleben weiter aufrecht erhalten und den Menschen eine positive Perspektive geben. Deshalb beteiligen sich auch immer mehr Unternehmen an internen oder öffentlichen Impfkampagnen. Das Virus wird von alleine nicht einfach wieder verschwinden. Deshalb ist es so wichtig, das möglichst viele Menschen sich dagegen schützen. Erst dadurch können sich die gewohnten wirtschaftlichen Abläufe wieder normalisieren.
Das ist wichtig für unseren Standort und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, übrigens ebenso wie eine schnelle Wiederherstellung der Autobahn A 45.

Wie wird sich mittelfristig die Arbeit für die Beschäftigten, weiterhin angetrieben durch den Druck aus den Bereichen Corona und Digitalisierung, verändern?
►Durch die Auswirkungen der Pandemie hat sich der Druck in den Unternehmen in Bezug auf die Digitalisierung noch einmal erhöht. Es hat sich aber auch gezeigt, dass viele Unternehmen diesbezüglich bereits gut aufgestellt sind, ganz im Gegensatz zu den öffentlichen Verwaltungen oder unserem Bildungssystem. Hier sehen wir eigentlich den größten Handlungsbedarf! In den Unternehmen hat die Umstellung auf das Arbeiten von zu Hause relativ schnell und problemlos funktioniert.
Das gilt natürlich nur für die Bereiche, in denen Homeoffice überhaupt möglich war. In der Fertigung geht das natürlich nicht. Aber auch hier haben die Unternehmen reagiert. Beispielsweise wurden Endabnahmen per Videokonferenz durchgeführt und Inbetriebnahmen beim Kunden virtuell.

An erster Stelle steht die möglichst umfassende Impfung in unserer Region.
Dr. Thorsten Doublet
Siegerländer Metallindustrie

Wie schwer werden die nächsten Monate für junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen?
►Eigentlich haben die Jugendlichen derzeit hervorragende Möglichkeiten, einen Ausbildungsplatz in der heimischen Industrie zu bekommen. Das Angebot an Ausbildungsplätzen übersteigt die Nachfrage deutlich. Und trotzdem konnten einige Unternehmen ihre Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzen. Das lag auch daran, dass die Berufswahlvorbereitung der Schulen durch Corona fast zwei Schuljahre lang nicht stattfinden konnte.

Wir haben versucht, dieses Manko auszugleichen, beispielsweise durch die digitale Ausbildungsmesse im Mai vergangenen Jahres. 120 Unternehmen haben dabei rund 7300 Gesprächsangebote gemacht. Leider wurden nur 164 dieser Gesprächsangebote genutzt. Hier müssen wir sehr schnell wieder den Austausch zwischen den Schulen und den Unternehmen intensivieren. Sonst verlieren wir eine ganze Generation an Fachkräften, die wir dringend benötigen.

Bei aller Klage: Die letzten Wochen und Monate der Pandemie hätten gezeigt, dass gerade die mittelständischen Unternehmen in der Region trotz aller Einschränkungen schnell und effektiv auf die Folgen der Pandemie reagiert haben, so der M+E-Verband.
Dr. Thorsten Doublet.
Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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