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Großbrand Auf der Schemscheid
Mieter klagt auf 180 000 Euro Schadensersatz

Der Großbrand auf der Schemscheid legte sogar die HTS lahm. Die Innenstadt-Autobhan war für mehrere Tage gesperrt.
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  • Der Großbrand auf der Schemscheid legte sogar die HTS lahm. Die Innenstadt-Autobhan war für mehrere Tage gesperrt.
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gro Siegen. „Pauls Berge- und Abschleppdienst“ im Gewerbegebiet „Auf der Schemscheid“ ist vielen ein Begriff, im Oktober 2017 kam es zu einem Großbrand, rasant breiteten sich die Flammen auf umliegende Hallen aus. Sechs Mitarbeiter und Feuerwehrleute wurden verletzt, es entstand hoher Sachschaden.

Aktuell klagt

gro Siegen. „Pauls Berge- und Abschleppdienst“ im Gewerbegebiet „Auf der Schemscheid“ ist vielen ein Begriff, im Oktober 2017 kam es zu einem Großbrand, rasant breiteten sich die Flammen auf umliegende Hallen aus. Sechs Mitarbeiter und Feuerwehrleute wurden verletzt, es entstand hoher Sachschaden.

Aktuell klagt einer der Hallenmieter, er macht Schadensersatz in Höhe von 180 000 Euro aus Amtshaftung geltend. Die Bauaufsicht der Stadt Siegen habe versäumt, den Brandschutz in den Hallen zu prüfen und entsprechende Auflagen zu machen.

Großbrand nahe der Innenstadt

Das Feuer zerstörte nicht nur das Inventar der Halle, sondern auch etliche dort gelagerte Fahrzeuge. Neben einem Youngtimer, wurden ein Wohnmobil, ein Motorboot, ein Motorrad, ein Schlauchboot und ein Gabelstapler, vollständig verbrannt. Die Stadt weist alle Vorwürfe von sich.

"Mit einer entsprechenden Feuerschutzwand
hätten sich die Flammen nicht so rasant
bis zur Halle meines Mandanten ausgebreitet."

Elke Wiese-Morgenstern
Rechtsanwältin des Klägers

Das Gebäude aus neun Hallen wurde von der früheren belgischen Garnison in Siegen als Garagenkomplex errichtet. Kläger Thomas Weniger und dessen Rechtsanwältin Elke Wiese-Morgenstern werfen der Stadt vor, nicht genügend auf den Brandschutz geachtet zu haben. Das Abschleppunternehmen hätte in dem nicht brandgeschützten Gebäude keine Fahrzeuge demontieren dürfen. Laut Plan habe es gemauerte Brandschutzwände nur an den Außenwänden gegeben.

Ausschlachten von Bauaufsicht genehmigt

Das Ausschlachten sei von der verantwortlichen Bauaufsicht einfach genehmigt worden, ohne bestimmte Brandschutz-Auflagen zu machen. Wiese-Morgenstern ist sich sicher: „Mit einer Feuerschutzwand hätten sich die Flammen nicht so rasant bis zur Halle meines Mandanten ausgebreitet“. Zudem habe es 1996 bereits einen Antrag auf Nutzungsänderung des Gebäudes gegeben. Auch die Baugenehmigung sei damals mit der Auflage für Brandschutzwände erteilt worden.

HTS-Teilstück bleibt gesperrt

Der Antragsteller ließ die Genehmigung allerdings verfallen. „Die Umbauarbeiten wurden damals jedoch nicht in Angriff genommen, sodass auch keine Brandschutzwände vonnöten waren“, erklärt Dr. Imke Schneider-Reimann für die Stadt Siegen. 2014 sei erneut eine Nutzungsänderung beantragt worden. Auch diese sei genehmigt worden. Auch hier seien jedoch keine Brandschutzwände eingezogen worden.

Vertreter der Stadtverwaltung weisen Vorwürfe zurück

Die Vertreter der Stadtverwaltung wiesen alle Vorwürfe zurück. Sie könnten sich nicht vorstellen, dass die Summe des Schadens wirklich 180 000 Euro betrage. Zudem liege keine Amtspflichtverletzung vor, da bei den Tätigkeiten eines Abschleppunternehmens keine außergewöhnliche Brandgefahr bestehe. „Ein solches Unternehmen ist mit einer Kfz-Werkstatt zu vergleichen, im Normalfall besteht keine erhöhte Brandgefahr“, betont der Rechtsbeistand der Stadt Siegen. Zudem sei nicht bewiesen, ob Brandschutzwände den Ausbruch des Feuers verhindert hätten. Für das Fehlverhalten des Verursachers könne die Stadt nicht haftbar gemacht werden. Fatal in der Gemengelage: Der Geschäftsführer des Abschleppunternehmens ist nirgendwo mehr gemeldet, er kann aktuell nicht ausfindig gemacht werden.

Dicke Rauchschwaden zogen im Oktober 2017 über Siegen.
  • Dicke Rauchschwaden zogen im Oktober 2017 über Siegen.
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Hintergrund: Der Brand entstand, weil ein Mitarbeiter von „Pauls Berge- und Abschleppdienst“ beim Zerlegen eines Autos mit einem Akkuschrauber ein Loch in einen vollen Benzintank bohrte. Sofort bildeten sich Funken. Kurze Zeit später stand die Halle und letztendlich das komplette Gebäude in Flammen. Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig, da immer wieder Gasflaschen explodierten.

Teile der HTS stundenlang gesperrt

Durch den Brand kam es zu einer starken Rauchentwicklung im Bereich der Siegener Innenstadt und der HTS. Die Kreisleitstelle hatte stundenlang geraten, Fenster und Türen in der Innenstadt geschlossen zu halten und den Aufenthalt im Freien zu vermeiden. Auch Teile der HTS blieben damals stundenlang gesperrt. Der Landesbetrieb Straße NRW musste überprüfen, ob die Hochstraße aus Beton von dem Brand beschädigt worden war. Auch der Bahnverkehr zwischen Siegen und Niederschelden war eingestellt.

Der Großbrand auf der Schemscheid legte sogar die HTS lahm. Die Innenstadt-Autobhan war für mehrere Tage gesperrt.
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Richter Dr. Mark Seibel konnte nicht nachvollziehen, warum sowohl 1997 als auch 2014 eine Brandschutzwand gefordert wurde, aber keine vorhanden war. „Brandschutz gehört zu den Kernaufgaben einer Bauaufsichtsbehörde.“

Gutachter wird hinzugezogen

Das Zivilverfahren vor dem Siegener Landgericht dürfte sich bis ins kommende Jahr ziehen. Beide Seiten wurden aufgefordert, ihre Argumente zu bekräftigen. Zudem muss ein Gutachter hinzugezogen werden. Dieser soll untersuchen, ob eine Brandschutzmauer die schnelle Ausbreitung des Brandes verhindert hätte. Auch andere Mieter der betroffenen Hallen haben Ansprüche auf Schadensersatz bei der Stadt gestellt. Insgesamt in Höhe von rund 250 000 Euro.

Autor:

Sarah Groos

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