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Umfangreiches Geständnis
Milde Strafe für Drogendealer

Der 45-jährige Siegerländer gibt zu, über gut zwei Jahre regelmäßig Amphetamin bei seinen beiden Mitangeklagten gekauft und davon gut 80 Prozent weiterveräußert zu haben, um die Bestellung im jeweils nächsten Monat zu finanzieren.
  • Der 45-jährige Siegerländer gibt zu, über gut zwei Jahre regelmäßig Amphetamin bei seinen beiden Mitangeklagten gekauft und davon gut 80 Prozent weiterveräußert zu haben, um die Bestellung im jeweils nächsten Monat zu finanzieren.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

mick Siegen. Ein Jahr und elf Monate mit Bewährung, das ist das Urteil gegen einen 45-jährigen Siegerländer, der zugegeben hat, über gut zwei Jahre regelmäßig Amphetamin bei seinen beiden Mitangeklagten gekauft und davon gut 80 Prozent weiterveräußert zu haben, um die Bestellung im jeweils nächsten Monat zu finanzieren. 24 Fälle des Handeltreibens in nicht geringer Menge werden bestraft sowie der Besitz weiterer Drogen, die bei seiner Festnahme im Juni 2020 sichergestellt werden konnten.
Umfangreiches GeständnisDie eher geringe Strafe hat mit dem umfangreichen Geständnis zu tun, das die beiden anderen mitbelastet, vor allem die eigenen Handlungen deutlich umfangreicher offenlegte, als es aus den Ermittlungen zu beweisen gewesen wäre.

mick Siegen. Ein Jahr und elf Monate mit Bewährung, das ist das Urteil gegen einen 45-jährigen Siegerländer, der zugegeben hat, über gut zwei Jahre regelmäßig Amphetamin bei seinen beiden Mitangeklagten gekauft und davon gut 80 Prozent weiterveräußert zu haben, um die Bestellung im jeweils nächsten Monat zu finanzieren. 24 Fälle des Handeltreibens in nicht geringer Menge werden bestraft sowie der Besitz weiterer Drogen, die bei seiner Festnahme im Juni 2020 sichergestellt werden konnten.

Umfangreiches Geständnis

Die eher geringe Strafe hat mit dem umfangreichen Geständnis zu tun, das die beiden anderen mitbelastet, vor allem die eigenen Handlungen deutlich umfangreicher offenlegte, als es aus den Ermittlungen zu beweisen gewesen wäre. Der 45-Jährige hatte im Mai/Juni 2018 nach längerer Pause wieder Drogen genommen, weil er nach einem schweren Autounfall unter Schmerzen litt und zudem mit der seelischen Belastung leben musste, dass seine kleine Tochter nach einer Frühgeburt lange um ihr Leben kämpfte. Inzwischen lebt der Angeklagte drogenfrei und hat eine geregelte Arbeit, zudem kümmert er sich um das kleine Mädchen.

Über 10.000 Euro an Staatskasse

Das alles macht einen guten Eindruck auf Staatsanwältin Tabea Schneider und auch das Gericht. „Er will seine dreijährige Tochter großziehen. Und das kann er nicht, wenn er im Gefängnis sitzt“, betont die Vorsitzende Elfriede Dreisbach bei der Urteilsverkündung. Allerdings hat das „Weihnachtsgeschenk“ auch seine dunklen Aspekte. Aus dem Gesetz folgt dringend die Einziehung von Wertersatz für erlangtes Verbrechensgut. In diesem Fall hat E. durch den Weiterverkauf des Amphetamins genau 10.600 Euro eingenommen. Die muss er nun an die Staatskasse abführen. Das Urteil wird umgehend rechtskräftig. Dafür ist das restliche Verfahren deutlich problematischer geworden.
Nach Plan soll es gegen die anderen beiden Männer, bei denen es neben den Drogen noch um eine illegale Spielhalle geht, am 7. Januar weitergehen. Für diesen Tag hat die Kammer die von der Verteidigung geforderten Zeugen geladen, bei denen es um das Thema Vertrauensperson geht. Allerdings sorgt die Einlassung des einen Angeklagten, in deren Verlauf das Wort „Spielsucht“ fällt, für Unsicherheit.

Geld für Familie gewinnen

Der an diesem Donnerstag erstmals auftretende Anwalt Franz aus Köln gibt für den Mandanten eine mehr oder weniger geständige Einlassung ab. Danach beruft sich der Kosovare darauf, über seine Leidenschaft für Glücksspiel und vor allem Poker an seinen Kompagnon S. geraten zu sein. T. habe Probleme mit dem Ausländeramt gehabt, nicht arbeiten dürfen und daher gehofft, durch das Spielen Geld zu gewinnen, um damit seiner Familie helfen zu können.
Dass er an Spielsucht leide, sei ihm erst im Laufe der Zeit durch die Familie – und das Verfahren – deutlich gemacht worden. Er habe viel verloren, in einem Falle aber groß gewonnen. Der Verlierer, der wohl inzwischen anderweitig im Gefängnis sitze, habe seine Schulden mit drei Kilo Amphetamin in einem Eimer bezahlt.

300 Gramm Amphetamin aus dem Eimer

Dieses Angebot sei vom ansonsten mit Drogen nur zögerlich umgehenden Angeklagten aber schließlich aus einer verzweifelten Lage heraus doch angenommen worden. 300 Gramm ausschließlich aus diesem Eimer habe er nach Anleitung des anderen Mannes dann auch verkauft, weitere 100 bei seiner Verhaftung in der Tasche gehabt. Der Rest sei bekanntlich sichergestellt worden. Angaben zum Mitangeklagten macht der Mann nicht.

Eingeschränkte Schuldfähigkeit wegen Spielsucht?

Der Anwalt verlangt die Aufhebung des Haftbefehls und meint, eigentlich sei dieses Verfahren nun ebenfalls reif für ein schnelles Urteil. Die Familie werde auch gern eine Kaution stellen. Staatsanwältin und Gericht lehnen dies ab. Durch das Stichwort „Spielsucht“ sieht die Kammer eine Begutachtung jedoch dringend geboten. Franz stimmt im Namen des Mandanten zu. Eigentlich könne die Kammer aber gleich davon ausgehen, dass eine eingeschränkte Schuldfähigkeit vorliege.
„So arbeiten wir hier nicht“, bekommt der Anwalt von der Vorsitzenden tadelnd zu hören. Auch davor hat er schon nicht den souveränsten Eindruck hinterlassen. Das Gericht hofft nun, bis zum 7. Januar einen Gutachter zu finden, „ansonsten müssten wir gegen ihren Mandanten neu starten“. Anwalt Marc Wandt regt für den Mitangeklagten gleich ebenfalls die Begutachtung an.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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