Corona-Krise: Deutlicher Rückgang im Gastgewerbe
Mini-Jobber die großen Verlierer

ch/sz Siegen/Olpe. Im Zuge der Corona-Krise ist die Zahl der Minijobs in den beiden Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe gesunken. Besonders deutlich war der Rückgang im Gastgewerbe. In den Olper Betrieben der Branche gingen binnen eines Jahres – von Sommer 2018 bis Sommer 2019, so die jüngsten Daten der Arbeitsagentur – insgesamt 412 Minijobs verloren. Ein Minus von 19 Prozent. Im Kreis Siegen-Wittgenstein waren es 474 Minijobs weniger in Hotels und Restaurants – ein Rückgang um 16 Prozent.

„450-Euro-Kräfte zählen zu den Hauptverlierern der Wirtschaftskrise. Sie haben bislang keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld, werden häufiger gekündigt und sind sozial kaum abgesichert“, kommentiert Lars Wurche von der Gewerkschaft NahrungGenuss-Gaststätten (NGG) die aus seiner Sicht dramatische Entwicklung. Der Gewerkschafter kritisiert die Corona-Entlassungen, hat aber angesichts der „historischen Krise“ Verständnis für die Lage der Branche. „Das Problem ist , dass die Politik durch abgabenfreie Minijobs schon seit Jahren falsche Anreize setzt. Es ist höchste Zeit, diese Stellen sozialversicherungspflichtig zu machen.“ Eine Heraufsetzung der Verdienstgrenze bei den Minijobs auf monatlich 600 Euro, wie sie derzeit in der Politik diskutiert wird, gehe dagegen „in die völlig falsche Richtung“, so Wurche. Eine prekäre Beschäftigungsform werde weiter ausgebaut, statt sie einzudämmen.

Verdienstgrenze heraufsetzen

Da kann Lars Martin vom Dehoga Westfalen nur den Kopf schütteln. Auch der stellv. Verbandsgeschäftsführer beklagt „jeden Einzelnen, den das Gastgewerbe in diesen Zeiten entlassen muss. Das ist für den Betroffenen wie für den Betrieb bitter!“ Doch zum einen sei das Minus bei den Minijobs im Verhältnis geringer als erwartet ausgefallen, und zum anderen seien die Jobs nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung für den Arbeitsmarkt.

Martin: „Wenn unsere Unternehmen Mitarbeiter benötigen, die am Wochenende im Biergarten arbeiten oder freitags- und samstagabends im Club jobben, haben sie nicht die Alternative, dauerhaft eine Vollzeit- oder Halbtagskraft einzustellen.“

Im Gegenteil also: Die Verdienstgrenze müsse zugunsten aller Beteiligten heraufgesetzt werden. „Die Frage ist eher, ob wir nach dem Lockdown all die Entlassenen zurückgewinnen können, die sind womöglich in andere Branchen abgewandert“, befürchtet Martin.

Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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