SZ

Der Wald im Wandel (SZ-Serie)
Ministerin Ursula Heinen-Esser im Gespräch

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser hat zum Abschluss der SZ-Serie "Der Wald im Wandel" das Wort – im SZ-Exklusiv-Interview (Archivfoto).
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  • NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser hat zum Abschluss der SZ-Serie "Der Wald im Wandel" das Wort – im SZ-Exklusiv-Interview (Archivfoto).
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  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

vö Siegen/Bad Berleburg. Dieses Thema hat die Menschen bewegt: Die SZ-Serie rund um den Wald fand großen Anklang, so lassen sich die vielen Mails, Anrufe, Leserbriefe, Anregungen, Ideen und kritischen Anmerkungen deuten, die die SZ-Redaktion erreicht haben. Ein Versprechen: Die Berichterstattung reißt mit dem heutigen Finalbeitrag der Serie nicht ab – wir bleiben am Ball. Wie angekündigt hat an dieser Stelle NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser das Wort. Gerne hätten wir die CDU-Politikerin zur Podiumsdiskussion in der Siegerlandhalle begrüßt, doch das ließ die Corona-Pandemie nicht zu. Dafür stellte sich die Ministerin im Exklusiv-Interview:

Frau Heinen-Esser, wir sprechen Sie an einem Tag mit ergiebigen Regenfällen in unserer Region – davon gab es einige in den vergangenen Wochen.

Siegen/Bad Berleburg. Dieses Thema hat die Menschen bewegt: Die SZ-Serie rund um den Wald fand großen Anklang, so lassen sich die vielen Mails, Anrufe, Leserbriefe, Anregungen, Ideen und kritischen Anmerkungen deuten, die die SZ-Redaktion erreicht haben. Ein Versprechen: Die Berichterstattung reißt mit dem heutigen Finalbeitrag der Serie nicht ab – wir bleiben am Ball. Wie angekündigt hat an dieser Stelle NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser das Wort. Gerne hätten wir die CDU-Politikerin zur Podiumsdiskussion in der Siegerlandhalle begrüßt, doch das ließ die Corona-Pandemie nicht zu. Dafür stellte sich die Ministerin im Exklusiv-Interview:

Frau Heinen-Esser, wir sprechen Sie an einem Tag mit ergiebigen Regenfällen in unserer Region – davon gab es einige in den vergangenen Wochen. Wird jetzt alles wieder gut auf der „Baustelle“ Wald?

  • Das wäre schön. Aber so leicht ist es leider nicht. Es hat ja auch in den Trockenphasen immer mal wieder geregnet. Tatsache ist aber, dass die Bodenfeuchte nicht so zugenommen hat, wie es erforderlich wäre, um die Wasserspeicher wieder aufzufüllen. 2020 ist das dritte Trockenjahr in Folge – mit allen negativen Konsequenzen.

Werden Sie täglich mit den Existenzängsten der Waldbauern konfrontiert?

  • In zahlreichen Gesprächen bekommt man einen guten Eindruck davon, wie angespannt die Situation tatsächlich ist. Allein in diesem Jahr stehen in NRW 57 Millionen Euro zur Verfügung, davon 36 Millionen Euro zur Bewältigung der Extremwetter-Schäden. Die Hilfe wird angenommen und kommt an. Aber wir können nicht alle Negativfolgen dieser Extremsituation auffangen.

Zumal ja auch die große Herausforderung darin besteht, den Wald der Zukunft zu gestalten, oder?

  • Wir werden am kommenden Freitag das Wiederbewaldungskonzept NRW vorstellen, das in enger Abstimmung mit den Verbänden erarbeitet wurde. Unsere Zielsetzung sind stabile Mischwälder, deren Aufbau ja längst begonnen hat. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Klimawandel schneller unterwegs ist, als stabile Mischwälder entstehen. Ganz klar: Das Tempo des Klimawandels wurde ein Stück weit unterschätzt. Neue Bäume wachsen nicht mal eben in einem Jahr hoch. Auf der anderen Seite haben mir Waldbesitzer Flächen gezeigt, die von Großvätern und Urgroßvätern bepflanzt wurden und die in den vergangenen zwei oder drei Jahren komplett dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind. Dies ist dramatisch. Waldwirtschaft ist ein Generationenvertrag, und nicht umsonst wurde das Prinzip der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft geprägt.

Ist die Unterstützung des Bundes ausreichend?

  • Der Bund unterstützt die Anstrengungen der Länder ganz aktuell mit einer Flächenprämie. Im Rahmen des 700-Millionen-Euro-Förderprogramms sollen 500 Millionen Euro in eine nachhaltige Waldbewirtschaftung fließen (s. Extra-Meldung, d. Red.). Das ist sehr erfreulich. Nach aktuellen Überlegungen sollen diejenigen gefördert werden, die am schnellsten den Antrag formulieren. Das sollte anders werden. Wir setzen uns dafür ein, dass sich die Prämien an der Höhe der Schäden orientieren. NRW hat mit die höchsten Schäden zu beklagen. Landesweit gibt es bei uns etwa 150 000 private Waldbesitzer.

Kommen wir noch mal zu den von Ihnen angesprochenen stabilen Mischwäldern. Spielt die Fichte, der Brotbaum unserer Region, dabei noch eine Rolle?

  • Die Fichte wird auch weiterhin vorkommen. Sie wird allerdings eine andere Rolle erhalten.

Waldbauern fordern 5 Prozent aus der Kohlendioxid-Abgabe als Anerkennung für die Klimaschutzleistung ihrer Wälder. Eine berechtigte Forderung?

  • Ich bin eine große Anhängerin davon, die Leistung des Waldes als Klimaschützer und CO2-Speicher stärker als bisher anzuerkennen. Aber die Wälder sind ja noch mehr als Klimaschutz, sie sind zentral auch für den Schutz der Biodiversität und Hort für Tiere und Pflanzen. Wir machen uns im Bund für eine Baumprämie stark. Sie wäre ein nachhaltiges und wirksames Instrument, um die Zukunft des Waldes und die Waldbäuerinnen und Waldbauern dauerhaft stützen zu können. Auch wenn meine Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Bundesländern es teils anders nennen, bin ich zuversichtlich, dass wir das hinbekommen. Glücklicherweise haben wir in NRW mit dem Ministerpräsidenten und auch dem Finanzminister Fürsprecher mit einem guten Gespür dafür, wie wertvoll der Wald ist. Was Wald leistet, wird oft unterschätzt. Gerade in der Corona-Zeit war und ist der Wald ein Zufluchtsort, an dem die Menschen regelrecht aufatmen können.

Stichwort Corona: Haben Sie den Eindruck gewonnen, dass die Pandemie die Themen Klimawandel und Waldsterben in den Hintergrund gedrängt hat?

  • Das möchte ich differenzieren. Beim Klimawandel sehe ich es so, dass das Thema und Bewegungen wie etwa „Fridays for future“ mit aller Macht zurückkommen werden. Das ist momentan in Zeiten natürlich schwierig, in denen keine Veranstaltungen stattfinden dürfen. Das Thema Wald war aber im gesamten Corona-Jahr kontinuierlich präsent. Die Menschen erleben, was es bedeutet, im Klimawandel zu stecken – regional und überregional. Die Sensibilität ist mittlerweile wieder eine andere. Nehmen Sie das Beispiel des großen Waldbrandes vor Monaten in der Nähe von Gummersbach. Dort wurde eine frisch aufgeforstete Fläche vernichtet. Das ist den Menschen nahegegangen.

Sind Sie optimistisch, dass wir den Umbau Wald zusammen hinbekommen?

  • Wir sprechen über das vielleicht wichtigste und größte Thema, das mein Ministerium aktuell zu meistern hat. Es geht um die Bewältigung tiefgreifender Waldschäden, und zwar in der Fläche. Ich bin optimistisch, dass es uns gelingt, wieder stabile Wälder aufzubauen. Womit ich Stabilität nicht nur ökologisch sehe. Denn wir müssen auch die ökonomische Funktion des Waldes wieder sicherstellen.

Konkret nachgefragt: Bleibt der Wald weiter ein wichtiger Wirtschaftsfaktor?

  • Ich sehe uns auf einem guten Weg. NRW verfügt über eine exzellente Landesforstverwaltung. Zusammen mit engagierten Waldbäuerinnen und Waldbauern und zahlreichen Partnern sehe ich uns hervorragend aufgestellt. Ein Vorteil liegt auch darin, dass alle Beteiligten die Situation im Wald gleich dramatisch empfinden. Alle sind tief betroffen und möchten gemeinsam daran arbeiten, den Wald fit für die Zukunft zu machen.

Hand aufs Herz: Wann waren Sie zuletzt im Wald unterwegs?

  • Auch hier muss ich differenzieren. Beruflich stand in der Vorwoche ein Waldspaziergang auf dem Programm, um die Lage zu analysieren. Der musste aufgrund der aktuellen Situation virtuell stattfinden. Privat lebe ich nur 300 Meter vom nächsten Wald entfernt. Das weiß ich sehr zu schätzen und zu nutzen.

Ursula Heinen-Esser:
Ministerin mit Erfahrung im Bundestag

Ursula Heinen-Esser wurde am 29. Mai 2018 zur Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen ernannt. Dafür legte sie ihr Amt in der Bundesgesellschaft für Endlagerung nieder. Die stellv. Vorsitzende des CDU-Landesverbandes brachte 15 Jahre Erfahrung im Deutschen Bundestag in das Kabinett von Ministerpräsident Armin Laschet nach Düsseldorf mit. Die gebürtige Kölnerin gilt als Frau der klaren Worte und ist sich nicht zu schade, an der Basis zu arbeiten und mit Kritik konfrontiert zu werden. In der Diskussion um die Herstellung von Lebensmitteln forderte Ursula Heinen-Esser einen Systemwechsel in der Schlachtbranche. Zum vorerst letzten Mal in der hiesigen Region war die CDU-Politikerin Ende Februar in der Schmallenberger Stadthalle. In der Diskussion um das Wisent-Projekt in der Region erteilte sie der Schmallenberger Forderung nach einem sofortigen Abbruch des Projektes eine klare Absage und verwies auf das noch ausstehende Gutachten.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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