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Diagnose mit 18 Jahren erhalten
Miriam Krug klettert trotz Multipler Sklerose Wände hoch

Die starke Frau mit der unheilbaren Krankheit hat ihre Sportart gefunden: „Beim Klettern bin ich nicht behindert!“
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ihm Siegen. Zielstrebig rollt die Frau mit den kurzgeschnittenen braunen Haaren auf die hintere Wand der Kletterhalle zu. Die grüne Route, Schwierigkeitsgrad 4, hat sie sich heute vorgenommen. Sicherungspartner Jens Schumacher steht bereit. Miriam Krug, die von allen Mimi genannt wird, steht vorsichtig aus dem Rollstuhl auf, stabilisiert ihren Stand einen Augenblick und greift zum Seil. Sie bindet sich ein, wie die Kletterer sagen. Der Klettergurt ist ihre Lebensversicherung. Beherzt stellt Mimi Krug den Fuß in den engen Kletterschuhen auf den ersten grünen Tritt, der in die Wand geschraubt ist, und greift mit der Hand den ersten Vorsprung über ihrem Kopf.
Wegen Multipler Sklerose im RollstuhlMiriam Krug ist 45 und hat Multiple Sklerose.

ihm Siegen. Zielstrebig rollt die Frau mit den kurzgeschnittenen braunen Haaren auf die hintere Wand der Kletterhalle zu. Die grüne Route, Schwierigkeitsgrad 4, hat sie sich heute vorgenommen. Sicherungspartner Jens Schumacher steht bereit. Miriam Krug, die von allen Mimi genannt wird, steht vorsichtig aus dem Rollstuhl auf, stabilisiert ihren Stand einen Augenblick und greift zum Seil. Sie bindet sich ein, wie die Kletterer sagen. Der Klettergurt ist ihre Lebensversicherung. Beherzt stellt Mimi Krug den Fuß in den engen Kletterschuhen auf den ersten grünen Tritt, der in die Wand geschraubt ist, und greift mit der Hand den ersten Vorsprung über ihrem Kopf.

Wegen Multipler Sklerose im Rollstuhl

Miriam Krug ist 45 und hat Multiple Sklerose. Sie sitzt im Rollstuhl, kann nur mit Mühe kurze Strecken gehen, hat Koordinationsstörungen, sogenannte Ataxien, und mitunter zittern die Gliedmaßen (Tremor). Ihr Hobby ist Klettern. Wer nicht weiß, dass diese Frau gerade eben aus dem Rollstuhl aufgestanden ist, bemerkt nichts von ihrer Behinderung. Drei Minuten braucht sie bis zur Hallendecke in 15 Metern Höhe. Übers ganze Gesicht lachend winkt sie nach unten. Und dann seilt sie sich locker schwingend bis zum Boden ab.

Schnuppertag in der Kletterhalle

„Ich hätte nie gedacht, dass Klettern mal mein Sport wird“, erzählt die Mutter einer 18-jährigen Tochter im Gespräch mit der SZ. Mit 18 Jahren bekam sie die niederschmetternde Diagnose MS. Mit 23 wurde die gelernte Einzelshandelskauffrau in Rente geschickt. Zu einem Schnuppertag für Menschen mit Handicap kam sie vor fünf Jahren in die gerade neu eröffnete Kletterhalle der Alpenvereins-Sektion Siegerland am Effertsufer.

Anfängerroute kein Problem

Nur mal schauen wollte sie. Dass sie selbst die Wand hochklettern könnte, schien unvorstellbar. Und doch versuchte sie es. Zwei erfahrene Kletterer rechts und links neben hier, die ihr auch mal ein Knie als zusätzlichen Tritt oder einen Arm als Griff hinstreckten – Mimi Krug bewältigte die Anfängerroute auf Anhieb. „Da war ich angefixt, das wollte ich noch mal.“

Dank Klettern bessere Koordination

Den Muskelkater vom ersten Klettertag hat die Siegenerin nicht vergessen. „Mir taten Muskeln weh, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie hatte. Finger, Unterarme, Beine – beim Klettern ist der Körper 100-prozentig angespannt. Miriam Krug hat das gut getan: „ Meine MS ist besser geworden, die Koordination und die Ausdauer.“

Mimi Krug lässt sich nicht unterkriegen

Schwindelfreiheit und der Mut, der zum Klettern dazugehört, sind Mimi Krug wohl in die Wiege gelegt worden. Und die Entschlossenheit, sich allen Schwierigkeiten zum Trotz nicht unterkriegen zu lassen. Sie verwirklichte ihre Lebensträume: Fallschirmspringen, ein Kind bekommen, obwohl viele Ärzte abrieten, sich tätowieren lassen und ein Buch schreiben. „Das alles habe ich geschafft!“, und der Stolz blitzt aus ihren Augen.
Aus einem Buch sind inzwischen sogar vier geworden. Mimi Krug erzählt darin von sich, aus ihrem Leben, von Schicksalsschlägen und von lustigen Momenten. Der Klettersport spielt dabei eine Hauptrolle – obwohl er sie 2018 in eine schreckliche Krise gestürzt hat.

Unerklärlicher Kletterunfall

Mimi Krug, inzwischen Leiterin der Gruppe genigini („geht nicht, gibt’s nicht“), der Klettergruppe für Menschen mit Handicap, erlebte einen schlimmen Kletterunfall – sie war die Sichernde, ein Kletterfreund durchstieg eine Route in der Halle. „Beim Sichern sitze ich immer im Rollstuhl, da habe ich den besten Stand.“ Was an diesem Nachmittag genau passierte, warum der Freund aus zwölf Metern auf den Hallenboden stürzte – sie weiß es nicht. Eine Verkettung unglücklicher Umstände, heißt es heute. Für Mimi Krug war es damals der Sturz in ein Gefühlsloch aus Schuld und Scham.

Alpenverein stand zur Seite

Der Kletterpartner überlebte dank des gepolsterten Hallenbodens, erlitt aber einen komplizierten Beckenbruch. Nie mehr würde sie die Halle betreten, nie mehr klettern, nie mehr sichern. Das stand für Miriam Krug fest. Dass sie heute wieder die Wände hinaufsteigt und auch Kletterpartner sichert, wurde möglich durch professionelle Hilfe. Die Freunde aus dem Alpenverein haben ihr zur Seite gestanden, berichtet sie dankbar. Aus Berchtesgaden kamen eigens Bergretter nach Siegen, um sie psychologisch aufzufangen. Niemand gab ihr die Schuld, niemand schob den Unfall auf ihre Behinderung.

Der Traum: Klettern in der Natur

Was hat sie sich als nächstes vorgenommen? „Ich würde zu gerne mal draußen am Fels klettern, das wäre ein Traum.“ Der Einstieg in eine Kletterroute müsste dafür mit dem Rollstuhl erreichbar sein – und Mimi Krug wird eine solche Route ausfindig machen, das steht fest. Diese Frau lässt sich nicht aufhalten.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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