Misshandlungen weiten sich aus

Auch in der Flüchtlingsunterkunft in Bad Berleburg soll es zu Gewalt gegen einen Marokkaner gekommen sein. Archivbild: vö
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kalle/sz - Der Skandal um Übergriffe privater Sicherheitskräfte auf Flüchtlinge weitet sich aus. In mindestens drei Unterkünften nun soll es zu Misshandlungen gekommen sein. In Burbach stieg die Zahl der beschuldigten Wachmänner auf sechs, hinzu kamen gestern Verdachtsfälle in Essen und Bad Berleburg

Neben der unglaublichen Entgleisung zweier Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes in der Flüchtlingsunterkunft in Burbach, die zwei Asylbewerber in menschenverachtender Weise misshandelt haben, soll sich auch in der Bad Berleburger Unterbringungseinrichtung in der ehemaligen Rothaarklinik eine weitere Untat ereignet haben. Zwei Mitarbeiter des dortigen Sicherheitsunternehmens sollen gegenüber einem Afrikaner gewalttätig geworden sein. Der Sprecher der Siegener Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Johannes Daheim, teilte auf Anfrage der Siegener Zeitung mit, dass gegen die beiden 30 und 37 Jahre alten Beschäftigten wegen des Verdachtes der schweren Körperverletzung an einem Marokkaner ermittelt werde.

Nach Informationen der Siegener Zeitung soll sich der Vorfall wie folgt abgespielt haben: Der Marokkaner habe in der Unterkunft in Bad Berleburg am 12. September mit einem abgebrochenen Flaschenhals drei Mitbewohner bedroht. Die drei hätten sich darauf hin hilfesuchend an den Sicherheitsdienst der Flüchtlingseinrichtung gewandt. Bei dem Versuch, den Asylbewerber zu fixieren, sei es zu der Verletzung gekommen. Der Marokkaner sei dann in ein Krankenhaus gebracht worden. Um die Stimmung nicht weiter anzuheizen, hatte das Sicherheitsunternehmen aus dem Siegerland die beiden Mitarbeiter bereits frühzeitig aus der Schusslinie genommen. Die polizeilichen Recherchen zu dem Fall in Wittgenstein laufen noch.

Derweil gehen die Ermittlungen zu den erschreckenden Vorgängen in Burbach weiter. Wie Oberstaatsanwalt Daheim mitteilte, habe man neben den beiden Hauptbeschuldigten, die auf einem Foto abgelichtet sind, wie sie einen auf dem Boden liegenden Flüchtling malträtieren, auch noch zwei weitere Wachmänner ausfindig gemacht, die einen Asylbewerber gezwungen haben sollen, sich auf eine mit Erbrochenem verschmutzte Matratze zu legen. Ein Handy-Video von diesem Vorfall hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Zwei andere Personen waren durch die Funde von verbotenen Schlagwerkzeugen auffällig geworden. Insgesamt, so Daheim weiter, habe man es jetzt mit sechs Mitarbeitern des rheinland-pfälzischen Wachdienstes zu tun.

Montagnachmittag stattete der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger gemeinsam mit Regierungspräsident Gerd Bollermann sowie Landrat Andreas Müller und Burbachs Bürgermeister, Christoph Ewers, den Asylbewerbern in der ehemaligen Siegerlandkaserne einen Kurzbesuch ab. Danach sagte er mehr Personal zur Kontrolle von Flüchtlingsheimen in ganz NRW zu. Der Minister erklärte, die Vertragspartner hätten in den vergangenen Jahren überwiegend seriöse Arbeit abgeliefert.. „Aber was nicht geht, ist, dass diese Unternehmen sich Subunternehmen bedienen, deren Tätigkeit sie nicht kontrollieren, und wir anschließend feststellen müssen, dass sich unter dieses Personal auch Kriminelle gemischt haben“.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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