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Neun Zeugen beim Vormwald-Mordprozess
Mit blutender Wunde ins Bankgebäude marschiert

Hier beim Auftaktprozess reicht die Verteidigerin dem Angeklagten Max M. eine Akte. Am Donnerstag ging die Gerichtsverhandlung in die nächste Runde.
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  • Hier beim Auftaktprozess reicht die Verteidigerin dem Angeklagten Max M. eine Akte. Am Donnerstag ging die Gerichtsverhandlung in die nächste Runde.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

js Siegen. Zwei Hilfeschreie ließen die junge Mutter aus Vormwald aufhorchen, als sie hinter ihrem Haus oberhalb des Regionalforstamts in Vormwald werkelte. Von unten, irgendwo von der B 508, seien sie gekommen, erinnert sie sich an den Sonntagnachmittag des 23. August. Sie sei den Rufen nachgegangen, sei aber nicht fündig geworden. Inzwischen weiß sie, was sie wahrscheinlich gehört hat. Es dürfte die Stimme des 74-jährigen Josef S. gewesen sein, der an diesem Tag in seinem Haus getötet wurde. Der Tatzeitraum ist damit eingegrenzt. Ein weiterer Mosaikstein setzt sich zusammen in dem Mordprozess, in dem sich Max M. (20) derzeit vor der 2. großen Strafkammer des Landgerichts Siegen verantworten muss.

js Siegen. Zwei Hilfeschreie ließen die junge Mutter aus Vormwald aufhorchen, als sie hinter ihrem Haus oberhalb des Regionalforstamts in Vormwald werkelte. Von unten, irgendwo von der B 508, seien sie gekommen, erinnert sie sich an den Sonntagnachmittag des 23. August. Sie sei den Rufen nachgegangen, sei aber nicht fündig geworden. Inzwischen weiß sie, was sie wahrscheinlich gehört hat. Es dürfte die Stimme des 74-jährigen Josef S. gewesen sein, der an diesem Tag in seinem Haus getötet wurde. Der Tatzeitraum ist damit eingegrenzt. Ein weiterer Mosaikstein setzt sich zusammen in dem Mordprozess, in dem sich Max M. (20) derzeit vor der 2. großen Strafkammer des Landgerichts Siegen verantworten muss.

Aussagen reihen sich wie Episoden aneinander

Gleich neun Zeugen werden an diesem Donnerstag gehört, wie in einem Film voller Zeit- und Perspektivsprünge reihen sich sich die Aussagen wie einzelne Episoden aneinander. Die 31-jährige Sparkassenangestellte macht den Anfang, berichtet von der von einer Überwachungskamera eingefangenen Szene, in der M. am Montag nach der Tat ihr am Schalter gegenübertrat und einen „siffigen, zerknüddelten, blutverschmierten“ Durchschlag eines Überweisungsträgers vorlegte. Der junge Mann habe sich auffällig verhalten, laute Musik sei aus seinem Handy gekommen, einen Mund-Nasen-Schutz habe er nicht getragen, zudem habe er Wunden gehabt, die teils noch bluteten. Er habe eine neue Überweisung ausgefüllt, diese sei nach Schließung des Schalters am Abend als fehlerhaft und Fälschung aufgefallen. Die Zeugin rief die Polizei, die den Kontoinhaber daraufhin tot in seinem Haus fand.

Was sich vor und nach dem Bankbesuch abgespielt hat, sollen drei Zeugen beleuchten, die an diesem Nachmittag – wie so oft – auf der als Treffpunkt für Jugendliche beliebten Hilchenbacher Gerichtswiese abhingen, auf ein „Feierabendbierchen“, wie sie alle sagen. Der Beschuldigte sei dort vorbeigekommen, mit einer großen Schürfwunde am Schienbein, einer Schnittwunde an geschwollener Hand. Er habe Anspielungen an das harte Wochenende gemacht. „Auf die letzte Nacht bin ich nicht stolz“, soll er zu einem 22-Jährigen gesagt haben, der ihn noch aus Schulzeiten kennt. Mehr habe M. nicht dazu gesagt. „Aufgekratzt und hibbelig“ sei er gewesen, habe sich kurz das E-Bike des Zeugen geliehen, um Kippen zu kaufen. Auf dem Rückweg habe er sich auf der Gerichtswiese auf die Kappe gelegt. „Er wollte mir etwas zeigen.“ Dazu sei es jedoch nicht gekommen, da die Zeit gefehlt habe.

Marihuana und Amphetamine konsumiert

„Drogenabsturz, ganz eindeutig“, lautet das harsche Urteil eines 25-Jährigen, der ebenfalls an diesem Freilufttreffen beteiligt war, wenn er nach M. gefragt wird. „Er hat gekifft und geballert.“ Die Rückfrage der Vorsitzenden Richterin, Sabine Metz-Horst, brachte die Übersetzung: Er habe Marihuana und Amphetamine konsumiert. „Max war ziemlich durch den Wind, ich habe es auf die Drogen geschoben.“

Er habe berichtet, dass sein Schraubenzieher kaputt gegangen sei. Eben dieses Werkzeug soll auch in anderen Aussagen eine Rolle spielen an diesem Verhandlungstag, ebenso wie die Gerüchte, dass M. schon mal in der „Geschlossenen“ gewesen sei. Der 20-Jährige soll es immer bei sich getragen haben. Als der Zeuge am kommenden Tag im Internet von der Tat gelesen habe, habe er sich nicht gewundert. „Ich habe es ihm zugetraut – er hat hier oben einen weg, wegen der Drogen“, sagt er und deutet dabei auf seinen Kopf.

Durch Drogen sehr verändert

Er kenne Max M. „vom Sehen und Saufen“, berichtet ein 30-Jähriger, der dem Beschuldigten beim Verbinden der Wunden geholfen hat. Nicht von diesem Montag, sondern von früheren Begegnungen berichtet die 18-Jährige, die ebenfalls oft auf der Gerichtswiese verkehrt und selbst Drogen nimmt. Max habe einmal gesagt, dass er mit seinem Schraubenzieher mal jemanden umbringen wolle. „Das haben wir als Witz angesehen und darüber gelacht.“ Der ehemals beste Freund (19), erinnerte sich an gute Zeiten, aber auch an Jahre, in denen er gemeinsam mit Max Gras geraucht habe. Er selbst habe inzwischen davon Abstand genommen, sein Kumpel jedoch habe stärkere Drogen genommen, sich dadurch sehr verändert. Er sei aggressiver geworden, habe unter Drogen wirres Zeug geredet - und offenbar geglaubt.

Die eigene Drogenvergangenheit macht einen 44-Jährigen Wittgensteiner zu einer Art „Ratgeber“ für Max. Der habe ein weiches Herz, sei aber in die falschen Kreise geraten. Die Aussage des Zeugen legt nahe, dass M. von dem 37-Jährigen, bei dem er wohnte, manipuliert worden sein könnte. Nach der Tat auf das Opfer angesprochen, habe der 20-Jährige gesagt, dieser sei „nicht ganz astrein“ gewesen.

Noch jemand am Tatort?

War Max am Tattag allein im Haus des Opfers? Ein 65-jähriger Jäger machte eine Beobachtung, die das in Frage stellt. Ihm sei an jenem Sonntagabend ein Radfahrer aus der Einfahrt von Josef S. fast vors Auto geschossen. Der habe habe eine normale Statur gehabt; der adipöse Max könne es jedenfalls nicht gewesen sein.

Hier beim Auftaktprozess reicht die Verteidigerin dem Angeklagten Max M. eine Akte. Am Donnerstag ging die Gerichtsverhandlung in die nächste Runde.
Hier in Vormwald spielte sich die grausame Tat im August 2020 ab.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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