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Tobias Klauke wirkte ein Jahr als Lehrer auf der Africa Mercy
Mit dem "Chef" auf hoher See

Der Siegener Tobias Klauke verbrachte viele Monate auf der Africa Mercy, einem Schiff der internationalen und christlich motivierten Hilfsorganisation Mercy Ships. Dabei sammelte der Siegerlände viele bleibende Eindrücke.
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  • Der Siegener Tobias Klauke verbrachte viele Monate auf der Africa Mercy, einem Schiff der internationalen und christlich motivierten Hilfsorganisation Mercy Ships. Dabei sammelte der Siegerlände viele bleibende Eindrücke.
  • Foto: privat / Mercy Ships
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

cs Siegen. Als Aushilfslehrer arbeiten? Einfach mal auf der faulen Haut sitzen und nichts tun? Ein soziales Jahr in Deutschland einlegen? Für Tobias Klauke kam nichts davon so recht infrage. „Ich wollte ins Ausland und Jugendlichen dienen“, meint der Siegener und blickt auf das Frühjahr 2018 zurück. Da stellte sich heraus, dass der heute 25-jährige Mathematiklehrer zwischen Studium und Referendariat ein Jahr zu überbrücken hatte. Also bewarb sich der Siegerländer bei verschiedenen Organisationen, wandte sich auch an Mercy Ships, einer internationalen, christlich motivierten Hilfsorganisation, die Hospitalschiffe in Entwicklungsländern betreibt.

cs Siegen. Als Aushilfslehrer arbeiten? Einfach mal auf der faulen Haut sitzen und nichts tun? Ein soziales Jahr in Deutschland einlegen? Für Tobias Klauke kam nichts davon so recht infrage. „Ich wollte ins Ausland und Jugendlichen dienen“, meint der Siegener und blickt auf das Frühjahr 2018 zurück. Da stellte sich heraus, dass der heute 25-jährige Mathematiklehrer zwischen Studium und Referendariat ein Jahr zu überbrücken hatte. Also bewarb sich der Siegerländer bei verschiedenen Organisationen, wandte sich auch an Mercy Ships, einer internationalen, christlich motivierten Hilfsorganisation, die Hospitalschiffe in Entwicklungsländern betreibt.

"Der Chef hat es möglich gemacht"

Die Chancen standen jedoch denkbar schlecht, schließlich verlangt Mercy Ships mindestens zwei Jahre Berufserfahrung. „Der Chef hat es dann aber doch möglich gemacht“, lächelt Tobias Klauke – und startete im Juni 2018 sein einjähriges Abenteuer fernab der Heimat.
„Chef“ – so nennt Tobias Klauke seinen Gott. Tief verwurzelt im christlichen Glauben, vertraute der 26-Jährige auf Hilfe „von oben“. Und tatsächlich: Im Februar 2018 trudelte die heiß ersehnte E-Mail in Tobias’ Postfach ein. Sodann begannen die intensiven Vorbereitungen, im Juni ging es zunächst nach Dallas, in den USA stand für die künftigen Mercy-Ships-Mitarbeiter ein Seminar auf dem Programm. Um die Finanzen habe er sich keine großen Sorgen machen müssen, blickt Tobias Klauke dankbar zurück, denn die heimische Gemeinde ist einem Missionsverband angeschlossen, der zumindest den größten Teil der Kosten übernahm.

Sicherheitstraining in den USA

Bereits der Aufenthalt in den Vereinigten Staaten hatte es in sich: Es galt etwa, ein „vielschichtiges Sicherheitstraining mit Feuerbekämpfung und Lebensrettung“ zu absolvieren, wie Tobias Klauke damals auf seinem Blog schrieb. Im Juli führte die Reise den Siegerländer schließlich nach Conakry, der Hauptstadt von Guinea, um die Menschen in dem westafrikanischen Staat wenigstens ein bisschen besser kennenzulernen. Mit dem Aufenthalt dort war das Vorbereitungsprogramm abgeschlossen – im August 2018 legte die Africa Mercy in Gran Canaria ab.

Auf dem Schiff kleine Klassen unterrichtet

An Bord unterrichtete Tobias Klauke ein Jahr den Nachwuchs der Crew – durchaus unter besonderen Bedingungen, wie der Siegerländer erklärt. „Maximal 100 Meter Schulweg ist man ja nicht gewohnt“, schmunzelt er und gibt Einblicke in seinen Tagesablauf auf hoher See: Nach dem Frühstück in der Mensa stand ein normaler Acht-Stunden-Tag an, „da sind aber nicht nur die Unterrichtsstunden selbst, sondern auch sämtliche Vorbereitungszeit sowie Meetings eingerechnet“, meint Tobias Klauke. Ungefähr habe er an Bord 24 Schulstunden à 45 Minuten pro Woche zu absolvieren gehabt, das entspreche in etwa dem Pensum eines Lehrers in Deutschland. Deutlicher Unterschied: Auf dem Schiff unterrichtete der Siegener kleine Klassen von einem bis vier Schülern, denen er natürlich auch außerhalb der Unterrichtszeiten immer wieder einmal über den Weg lief. Aktivitäten an den Abenden oder Sitzungen des biblischen Hauskreises rundeten das Leben auf dem Schiff ab.

Dem 2000 Jahre alten Modell von Jesus Christus folgen

Allen Menschen können die Mitarbeiter von Mercy Ships nicht helfen, die Freude der behandelten Patienten ist natürlich riesig, wenn ihr Leid ein Stück weit gelindert wird.
  • Allen Menschen können die Mitarbeiter von Mercy Ships nicht helfen, die Freude der behandelten Patienten ist natürlich riesig, wenn ihr Leid ein Stück weit gelindert wird.
  • Foto: privat / Mercy Ships
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Lagerkoller? Für Tobias Klauke ein Fremdwort, wobei er unumwunden zugibt: „Es ist schon schwierig, dort einen Rückzugsort zu finden.“ Die Ausflüge ans Festland und in die beeindruckende Natur kamen als willkommene Abwechslung daher, um Gottes Schöpfung einmal ganz neu erleben zu können.
Hautnah erlebte Tobias Klauke mit, wie das gesamte Team des Schiffes das Motto von Mercy Ships mit Leben füllte. „Bringing Hope and Healing. Für die Menschen in Afrika ist es tatsächlich wichtig, dass wir nicht nur Hoffnung, sondern ganz konkret Heilung bringen“, berichtet der 25-Jährige begeistert. „Das ist genau das, was Jesus Christus gemacht hat. Wir folgen diesem 2000 Jahre alten Modell.“
Was ihm sein einjähriges Intermezzo auf hoher See ganz persönlich gebracht hat? „Man wird selbstständiger, fragt und hinterfragt die Dinge vielmehr – die Rückkehr nach Deutschland hat mich echt aus den Latschen geworfen und lange beschäftigt“, sagt der Siegener und meint, er sehe nun einiges deutlich gelassener als zuvor. „Der deutsche Sturkopf hat sich geändert“, lacht Tobias Klauke.

Tobias Klauke fand sein ganz persönliches Glück

Mehr als nur eine Randnotiz: Der Siegerländer fand auf dem Schiff auch sein ganz persönliches Glück. Tobias Klauke lernte eine Französin kennen, die beiden verliebten sich ineinander, im Oktober dieses Jahres läuten bereits die Hochzeitsglocken. Gefeiert wird in Frankreich, danach möchte sich das junge Paar ein Leben in Deutschland aufbauen.
Dass Tobias Klauke seine Verlobte überhaupt kennenlernte, ist einer ganzen Reihe von Zufällen zu verdanken – noch so eine Sache, die der „Chef“ gerichtet hat. „Gott hat mich sehr beschenkt“ schrieb Tobias Klauke auf seinem Blog – besser kann man seine Erlebnisse an Bord der Africa Mercy kaum zusammenfassen.

Mercy Ships Seit 1978 bringt Mercy Ships nach eigenen Angaben dringend benötigte medizinische Hilfe und langfristige Entwicklungszusammenarbeit in Entwicklungsländer. Die Staaten, in denen Mercy Ships tätig ist, zählen laut dem Human Development Index der Vereinten Nationen zu den ärmsten der Welt. Es werden verschiedene Hospitalschiffe eingesetzt, um bei der medizinischen Versorgung der Menschen durchweg gute hygienische Bedingungen gewährleisten zu können. „Zu Anfang unseres Einsatzes wurde ein Screening in der Hauptstadt Conakry durchgeführt, bei welchem ein Großteil der Patienten ausgewählt wurde. Leider können wir nicht allen helfen“, berichtet der Siegener Tobias Klauke die Vorgehensweise in Guinea. Nachdem ein Patient zugelassen wurde, ging es schließlich auf das Schiff, auf dem die Operationen stattfinden und die medizinische Überwachung durchgeführt wird.
Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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