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Gastronomen denken um
Mit "Gans to go" durch den Lockdown

Sebastian Weiss (l.) und Markus Boßlet vom Speiselokal „Restaurant Bar“ in Siegen sind gerüstet: Sie bieten ein vakuumiertes Festmenü an, das Hochgenuss verspricht.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

yve Siegen/Attendorn/Betzdorf. Das wiederholte Hoch- und Runterfahren der Gastronomie heißt, Hürden überwinden, durchhalten und nicht zuletzt: improvisieren. Vielerorts in der Region bieten Betriebe während der Corona-bedingten Schließungen einen Abhol- und Lieferservice an. Jetzt steht Weihnachten vor der Tür. Eine Zeit, in der die Kassen der Gastronomen eigentlich laut klingeln. In diesem Jahr bleiben die Garderoben leer. Dennoch, die Lust auf kulinarische Finessen ist nicht jedem vergangen.
Wie den Betreibern des Speiselokals „Restaurant Bar“ in Siegen. Sie setzen über die Weihnachtstage auf Hochgenuss.

yve Siegen/Attendorn/Betzdorf. Das wiederholte Hoch- und Runterfahren der Gastronomie heißt, Hürden überwinden, durchhalten und nicht zuletzt: improvisieren. Vielerorts in der Region bieten Betriebe während der Corona-bedingten Schließungen einen Abhol- und Lieferservice an. Jetzt steht Weihnachten vor der Tür. Eine Zeit, in der die Kassen der Gastronomen eigentlich laut klingeln. In diesem Jahr bleiben die Garderoben leer. Dennoch, die Lust auf kulinarische Finessen ist nicht jedem vergangen.
Wie den Betreibern des Speiselokals „Restaurant Bar“ in Siegen. Sie setzen über die Weihnachtstage auf Hochgenuss. Rotkohlsuppe mit Orangen-Gries-Klößchen, Crème fraîche und karamellisierten Mandelblättchen stimmt auf Rinderbraten „Ras El Hanout“ oder alternativ auf Gulasch vom Reh aus heimischen Wäldern mit Steinpilzravioli, Rahmwirsing und Marsalajus ein. Und zum Abschluss kommt Gold-Mousse-au-Chocolat mit in scharfer Whiskysoße eingelegten Walnüssen und Kapstachelbeeren auf den festlich geschmückten Tisch.

Festmenü per Post

Bei frühzeitiger Vorbestellung war das Versenden der Speisen sogar auf dem Postweg möglich. Das Festmenü per Bote? Das „Restaurant Bar“ macht das möglich. Die Gerichte sind für die Gaumenfreuden zu Hause einvakuumiert. Vor dem Verzehr müssen sie lediglich erwärmt werden. „Wir haben uns überlegt, wie wir unser qualitativ hochwertiges Angebot nach außen bringen können“, so Sebastian Weiss, der den Gastronomiebetrieb an der Löhrstraße gemeinsam mit Markus Boßlet führt. Einen warmen Festtagsschmaus in Aluschalen zu offerieren, sei nicht als der richtige Weg erachtet worden, jetzt müsse das Angebot aber noch mehr in den Fokus gerückt werden.

Klassiker sind gefragt

„Nachgefragt werden aktuell die Klassiker in unserer Lockdown-Karte“, so Weiss. Das seien die Tomatensuppe mit gerösteten Pinienkernen und die Parmesansoße für Trüffeltagliatelle im Glas sowie die hauseigenen Gewürzmischungen oder der „Krönchenzauber“ in Pulverform. „Viele Kunden kaufen das derzeit“, schließlich eigneten sich die Produkte gut für den Gabentisch. Einen Abhol- und Lieferservice bieten Weiss und Boßlet auch an Silvester an. „Und danach machen wir damit weiter“, hält Weiss fest. Denn an einen Normalbetrieb ab dem 10. Januar glauben die Geschäftsführer nicht.

Vorgekochte Lasagne in der Auflaufform

Ein Festtags-Special kommt auch aus dem Hause „Gusto Puro“ in Siegen – Lasagne, Antipasti-Platte mit selbstgebackenem Brot, Tomatensuppe oder Ciabatta. „Ganz einfach, aber sehr, sehr lecker“, verspricht Betreiber Bruno Puddo. „Warum sollte ich Rouladen machen? Ich bin Italiener und biete über Weihnachten und Silvester etwas Klassisches an. Wir machen die Lasagne fertig, zu Hause muss sie nur in den Ofen geschoben werden – ohne viel Chichi.“ In die Aluschale kommen die Speisen von „Gusto Puro“ an der Kölner Straße ebenfalls nicht. „Schon allein wegen der Umwelt“, so Puddo. Gegen eine Pfandgebühr werde die Auflaufform gleich mitgeliefert.

Live-Kochen mit DJ

Innovative Wege beschreitet auch Oliver Rüsche von Rüsche Catering aus Attendorn. „Wir haben uns überlegt, was zu tun ist, damit die Zeit der kurzen Tage, die Weihnachtszeit und der Rutsch in ein hoffentlich unkomplizierteres neues Jahr nicht ohne Freunde und Familie stattfinden muss.“ Die Lösung: die „Box-Dinner-Box“. „Wir ersetzen den Mittelpunkt der Party durch Zoom, das Videokonferenz-Tool, das auf so gut wie jedem Laptop, Pad oder Smartphone läuft. Dazu Musik vom DJ, einer Band oder von der Konserve, zugeschaltete Überraschungsgäste aus aller Welt, vielleicht auch einen prominenten Koch oder Winzer, der mit uns über seine Sachen plaudert.“ Alles gehe, aber nichts müsse. „Die Zutaten bringen wir allen Gästen vorbei.“

Online-Kochen kommt gut an

Die Rückmeldungen seien gigantisch, „online miteinander kochen – das finden die Leute super“, freut sich Rüsche. Allein das Auspacken der Box sei schon wie ein Geschenk zum Start in einen guten Abend. „Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Studioküche, aus der das Rüsche-Küchenteam sendet. Alle kochen gemeinsam dasselbe, gucken sich gegenseitig in die Töpfe, freuen sich über die Resultate. Wer es beschaulicher mag, der erhält in Rüsches „Pop-up-drive-in“ Leckereien, aus denen sich Menüs zum Aufwärmen zusammenstellen lassen.

Vakuumierte Weihnachtsmenüs

„An Weihnachten füllen wir Ihren Topf“ heißt der Leitsatz im Hotel und Restaurant „Weißer Stein“ im Kirchener Ortsteil Katzenbach. Vakuumiert zum Erhitzen gehen Weihnachtsmenüs wie Brust von der Gans an Orangen-Thymian-Soße, Weinapfel, Rotkohl und Klöße oder Sauerbraten vom Hirsch auf Reisen. „Das ist für uns eine völlig neue Situation“, sagt Betreiberin Svenja Stähler. „Wir kalkulieren auch Last-Minute-Bestellungen mit ein.“ Neben den vakuumierten Menüs gebe es auf der Homepage noch eine gesonderte Karte, die speziell auf die Feiertage ausgerichtet sei. In der Anfangszeit des zweiten Lockdowns sei der Abholservice „mal gut, mal weniger gut gelaufen“. Sie sei es aber auch den Stammgästen schuldig, die Küche nicht kalt zu lassen. „Zudem möchten wir im Gespräch bleiben.“
Gerhard Baldus freut sich: „Bei uns wird der Abholservice momentan dankbar angenommen.“ Gemeinsam mit seinem Sohn Jonas leitet er die „Hüttenschenke“ in Wehbach. Neben Pizza, Gyros und Co. seien die Menschen einfach froh, auf den Genuss von Speisen aus dem Restaurant nicht verzichten zu müssen. Das soll auch über die Feiertage der Fall sein – „wir haben eine spezielle Weihnachtskarte konzipiert“.

Gänsemobil unterwegs

„Volles Programm“ ebenso im „Westfälischen Hof“ in Erndtebrück. Diana Hundt und Stefan Frettlöh können sich über die Auftragslage vom 24. bis zum 26. Dezember nicht beschweren. „Die ist gut“, so Diana Hundt und erzählt von dem „Gänsemobil“, das in Kooperation mit dem benachbarten Autohaus bereits seit November durch die Ortschaften fahre, um knuspriges Geflügel samt Beilagen an die Haustüren zu bringen. „Gans to go“ habe es im „Westfälischen Hof“ schon in früheren Jahren gegeben, „jetzt in der Pandemie ist die Bedeutung aber eine ganz andere“.
Denn Diana Hundt und Stefan Frettlöh möchten bald wieder „Herzlich willkommen“ sagen – ebenso ihre Mitstreiter, denen derzeit einiges an Kreativität und Durchhaltevermögen abverlangt wird.

Sebastian Weiss (l.) und Markus Boßlet vom Speiselokal „Restaurant Bar“ in Siegen sind gerüstet: Sie bieten ein vakuumiertes Festmenü an, das Hochgenuss verspricht.
Aus der Studioküche von Rüsche Catering aus Attendorn wird live gesendet. Daheim am Herd kochen die Zoom-Teilnehmer mit.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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