Abriss und Neubau der Siegtalbrücke
„Mit großem Abstand die größte Betroffenheit“

Eine von vier Varianten einer neuen Siegtalbrücke, die vom Landesbetrieb im Rahmen der Informationsveranstaltung vorgestellt wurden. Bei dieser „Schrägseilbrücke“, die in Details an die berühmte „Golden Gate Bridge“ erinnert, würde das gesamte Bauwerk um 18 Meter in Richtung Siegen rücken. Computersimulation: Dissing+Weitling architecture / IG Siegtalbrücke
  • Eine von vier Varianten einer neuen Siegtalbrücke, die vom Landesbetrieb im Rahmen der Informationsveranstaltung vorgestellt wurden. Bei dieser „Schrägseilbrücke“, die in Details an die berühmte „Golden Gate Bridge“ erinnert, würde das gesamte Bauwerk um 18 Meter in Richtung Siegen rücken. Computersimulation: Dissing+Weitling architecture / IG Siegtalbrücke
  • hochgeladen von Dirk Manderbach (Redakteur)

dima Siegen. Abriss und Neubau der Siegtalbrücke werfen bereits heute große Schatten voraus. Mindestens ebenso große, wie das im Jahr 1970 fertiggestellte, 1050 Meter lange und rund 100 Meter hohe Bauwerk selbst. Die Brücke sei das Bauwerk an der A 45, das mit „großem Abstand die größte Betroffenheit“ auslöse, sagte der Projektleiter des Landesbetriebs Straßenbau NRW, Karl-Hermann Metz, gleich zu Beginn der Informationsveranstaltung, zu der seine Behörde am Dienstag in die Aula des Gymnasiums „Auf der Morgenröthe“ in Niederschelden eingeladen hatte. Neben Infos zum sechsstreifigen Ausbau der Sauerlandlinie zwischen den Anschlussstellen Siegen-Süd und Siegen stand vor allem der Ersatzneubau, also der Abriss der alten und der Bau einer neuen Variante der Siegtalbrücke, im Fokus der Teilnehmer.

Wie die SZ bereits gestern berichtete, waren rund 300 Anwohner erschienen. Tatsächlich spiegelte sich die Betroffenheit der Menschen schon gleich am Anfang der Veranstaltung in ihren Gesichtern wider. Zum Ende der Veranstaltung artikulierten die Anwohner ihre entsprechenden Sorgen und Ängste mit deutlichen Worten.

Details zum Mammutprojekt

Zuvor präsentierte der Landesbetrieb Details zum Mammutprojekt Siegtalbrücke, das für die Behörde selbst „die größte technische Herausforderung“ darstelle, wie Metz es formulierte. Geht alles nach dem Zeitplan von Straßen NRW, dann beginnen die Baugrunderkundungen noch in diesem Herbst. Nach Vorentwurf (2022), Planfeststellungsverfahren (2024 bis 2026) und Ausführungsplanung / Ausschreibung (2025 bis 2026) soll der Baubeginn 2027 folgen. Die Bauzeit soll dann rund sieben Jahre betragen, natürlich abhängig von der Variante.

Kurz nachdem der Landesbetrieb den Zeitplan vorgestellt hatte, meldete sich ein Zuhörer, der an der Einhaltung der Zeiten zweifelte und an die Verschiebungen im Zeitplan des HTS-Baus erinnerte. Dort habe sich schließlich mitten im Projekt jahrzehntelang nichts getan. Auch da sei ja der Landesbetrieb beteiligt gewesen. Ähnliches befürchtete der Redner beim Bau der Talbrücke. Metz versuchte den Kritiker zu beruhigen. „Wir durften nicht mehr bauen.“ Es habe ein Abwägungsdefizit gegeben. Das könne auch diesmal passieren. Im Rahmen eines Planfeststellungsverfahren habe schließlich jeder Bürger die Möglichkeit zu klagen.

Anwohner stellten Fragen

Weitere Fragen stellten Anwohner zu:

• Nachtarbeiten an den Baustellen: „Es besteht kein Bedarf für Nachtarbeit.“ (Karl-Hermann Metz)

• Lärmemissionen durch Übergänge von Brücke zu Straße: „Es gibt neue lärmgeminderte Fahrbahnübergänge. Ich sage nicht, dass man die überhaupt nicht mehr hört.“ (Metz)

• Eisplatten, Dreck und Salz, die immer wieder von der Brücke auf die Häuser fallen. Die konkrete Forderung dazu: eine höhere Absperrung: „Gut, dass wir das heute von Ihnen erfahren.“(Metz)

• Wanderfalken, die jedes Jahr an der Brücke brüten: „Ich hoffe, dass die auch an der neuen Brücke brüten.“(David Lemberg vom Landesbetrieb)

• logistischer Versorgung der Baustellen unter der Brücke: „Wir haben noch nicht im Ansatz darüber nachgedacht.“ (Metz)

• Lärm beim Rückbau der Pfeiler: „Der Rückbau der Pfeiler wird unangenehmer.“ Nicht überall bestehe die Möglichkeit zu sprengen. In der Talmitte müssten die Pfeiler von „oben abgeknabbert werden“. (Katharina Erbismann, Landesbetrieb)

Insgesamt sechs Experten des Landesbetriebes präsentierten Details zum Abriss und Neubau der Siegtalbrücke, wobei Metz mehrfach deutlich machte, dass man sich in einem sehr frühen Planungsstadium befinde. Über viele Details habe man sich noch nicht einmal Gedanken gemacht. Verheimlichen werde man aber nichts. Grundsätzlich werde man einige Defizite, die die A 45 heute noch habe, weitestgehend „heilen“.

Verbesserung der Verkehrssicherheit

„Wir werden die A 45 verbreitern“, sagte Jochen Nockemann vom Landesbetrieb. Außerdem werde es sowohl eine Anpassung der Quer- als auch der Längsneigung, neue, um 15 Zentimeter höhere Schutzplanken sowie eine Überprüfung der Linienführung und der Kurvenradien geben. Das alles diene der Verbesserung der Verkehrssicherheit. Lkw zum Beispiel würden immer schwerer, was höhere und stabilere Schutzplanken erfordere. Auch eine Erhöhung der Durchschnittsgeschwindigkeit könne so ermöglicht werden.

„Wir haben hier unheimlich vielfältige Betroffenheiten“, betonte anschließend Katharina Erbismann. Unter der Brücke finde man alles, was man nicht brauche, aber was eben da sei. Womit die Expertin sicher das meinte, was Brückenbauer vor zusätzliche Probleme stellt. Bei den Anwohnern, deren Häuser neben Straßen, Eisenbahn und HTS ebenfalls unter der Brücke stehen, erntete Erbismann dafür natürlich Gelächter.

Die Expertin präsentierte vier Varianten, die sich in den Punkten Stützenstellung, Stützweiten, Pfeilerzahl, Konstruktion und Höhen der Hohlkästen unter der Fahrbahn, Baubarkeit und Wirtschaftlichkeit unterschieden. Darunter Varianten, bei denen alles unter der Brücke dort bleiben könne, wo es zurzeit sei. Nur bei einer Variante sei nicht auszuschließen, dass es zu Eingriffen in die vorhandene Bausubstanz der Gebäude kommen könne. Alle Varianten hätten aber eines gemeinsam, so Erbismann. „Zu jeder Zeit kann der Verkehr auf der Brücke bleiben und muss nicht über Straßen durch das Tal geführt werden.“ Details gab es auch zur Baugrunderkundung. „Wir werden vorab auf jeden Betroffenen zugehen“, sagte Erbismann.

Bernd Danzenbächer, ebenfalls Straßen NRW, erläuterte das Entwässerungskonzept. Derzeit sei die Entwässerung entlang der Autobahn defizitär. Es gebe überwiegend keine Behandlung des Straßenniederschlagswassers und ebenfalls überwiegend keine oder nur eine geringe Rückhaltung.

Deshalb sei das Wasser entlang der Autobahn nicht glasklar. „Das wollen wir unbedingt ändern“, so Danzenbächer. Der Landesbetrieb habe den Anspruch, den Fließgewässern entlang der Autobahn nur sauberes Wasser zuzuführen.

Maßnahmen für Fledermäuse, Haselmaus und Brutvögel

David Lemberg, Landespfleger beim Landesbetrieb, erläuterte Details zur Umweltverträglichkeitsuntersuchung. Hier seien keine unüberwindbaren Konflikte zu erwarten. Aufgrund artenschutzrechtlicher Betroffenheiten würden trotzdem Maßnahmen für Fledermäuse, Haselmäuse und Brutvögel erforderlich.

Exemplarisch lenkte Lemberg den Blick auf das Große Mausohr, Haselmaus, Wanderfalke, Waldkauz und Eisvogel. Insgesamt leben 66 Vogelarten und mehr als 20 Feldermausarten entlang des betroffenen Autobahnabschnittes. Da Schutzmaßnahmen vor dem Abriss der alten Brücke greifen müssten, werde das Zeitfenster für die Maßnahmen immer kleiner.

Rechtlicher Anspruch auf Lärmschutz

Klaus Frettlöh vom Landesbetrieb erläuterte den Lärmschutz. Auf die hätten die Anwohner beim sechsspurigen Ausbau einen rechtlichen Anspruch. Als ob die Autobahn neu gebaut werde. Denkbar seien bis zu sechs Meter hohe Lärmschutzwände. Die Maßnahmen würden sich für Wohngebiete an 59 dB(A) am Tag und 49 dB(A) in der Nacht und für Mischgebiete an 64 dB(A) am Tag und 54 dB(A) in der Nacht orientieren.

Autor:

Dirk Manderbach (Redakteur) aus Siegen

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