Mit Konzert gefeiert

ars Siegen. 1980 gründete Siegfried Fiedler ein Kammerorchester an der Musikschule Siegen. Unter Fiedlers umsichtiger und engagierter Leitung entwickelte es sich innerhalb von fünf Jahren zum bestplatzierten Jugendsinfonieorchester bei der Landesausscheidung NRW. Später kamen weitere nationale und internationale Erfolge sowie Rundfunk- und CD-Aufnahmen hinzu. Immer wieder gelang es dem rührigen Leiter, die ständige Fluktuation – die wirklich Guten gehen ihren Weg außerhalb Siegens weiter, junge Talente rücken nach – durch intensive und inspirierende Arbeit aufzufangen, den erreichten Leistungsstand des Orchesters zu bewahren und auszubauen. Mit zum System Jugendsinfonieorchester gehören auch all die engagierten Lehrerinnen und Lehrer der Fritz-Busch-Musikschule, ohne deren Basisarbeit es dieses Orchester und seine Leistungen nicht geben würde.

Zum weiteren Umfeld dieses kulturellen Leuchtturms des Siegerlandes gehören auch Politiker, die die Rahmenbedingungen dauerhaft bereitstellen, weil ihnen diese Kaderschmiede junger Talente eine Herzensangelegenheit ist. Für sie und im Namen der Stadt Siegen sprach Bürgermeister Steffen Mues ein Grußwort, das die Verdienste der Vergangenheit berücksichtigte und auch das Engagement der vielen Beteiligten würdigte. Zu diesen Beteiligten gehört der Lions-Club Siegen-Rubens, dessen Präsident Hans-Gerhard Weller auf die jahrelange Förderung des Jugend-Sinfonieorchesters hinwies. Der Erlös aus dem Jubiläumskonzert solle neben dem Jugend-Sinfonieorchester der besonders begabten spanischen Geigerin Carla Marrero (14 Jahre) zugute kommen.

Carla Marrero und ihre Geige standen dann auch im Mittelpunkt des ersten Programmpunktes, der Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester KV 364 von Wolfgang Amadeus Mozart. Neben der berühmten Bratschistin Dietmut Poppen an der Bühnenkante stehend, hielt sie eine technisch wie expressiv starke Zwiesprache mit dem zweiten Soloinstrument und mit dem Orchester. Besonders der zweite Satz, gespickt mit Trauer, Sehnsucht, Melancholie, entspann sich zu einem intensiven Seelengespräch, dem die klangschönen Kantilenen von Geige und Bratsche zu einem ebenso authentischen wie berückenden Ausdruck verhalfen. Das Orchester unter Fiedlers souveräner Leitung lieferte gewissermaßen den humosen Untergrund, dem die schöne Pein entquoll.

Der abschließende Satz ließ temporeich und rhythmisch akzentuierter hoffnungsvollere Verlautbarungen von Geige und Bratsche hören, neben hoher Ausdruckskunst stand nun die virtuose Technik mit im Vordergrund, die dann die Wiedergabe von Maurice Ravels „Tzigane“ für Violine und Orchester zu einem vitalen Parforceritt durch fast alle instrumentellen Schwierigkeiten werden ließ. Diese freie „fantaisie à la tzigane“ lässt erst einmal für viele wundervolle Takte nur die Geige hören: aber wie! Irgendwann setzt das um eine Harfe verstärkte Orchester zu einem klangfarbenreichen und rhythmisch vertrackten Stück ein, wundervoll interpretiert vom Jugend-Sinfonieorchester. Der wirklich tosende Beifall galt der jungen Solistin, die sich mit einer Zugabe bedankte.

Nach einer kraftvollen und aufrüttelnden Interpretation von Beethovens „Egmont-Ouvertüre“ op. 84 schloss das allseits gelungene Jubiläumskonzert mit drei in die Beine gehenden „Slawischen Tänzen“ von Antonin Dvoák. Diese teils festliche, teils von überbordender Vitalität ausgezeichnete Musik mit Ohrwurm-Charakter ließ sehr schön abgestufte Kombinationen der Streicher und der Bläser hören, die nicht zuletzt auf die unermüdliche, langjährige hervorragende Arbeit mit diesem Klangkörper verwiesen.

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