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VWS und Schulen sehen keine Nutzung vor
Mit Luftentkeimern gegen das Virus

Praxismanager Nils Münter setzt auf den UV-C-Luftentkeimer.
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juka Siegen. Die Luft in hoch frequentierten Räumen wie Schulklassen, Konferenzsälen oder Wartezimmern entkeimen, vom Coronavirus befreien und noch sicherer machen? Klingt nach einer sehr guten Idee. Das findet auch Nils Münter. Bereits seit dem Sommer setzt der Praxismanager der Zahnarztpraxis Dr. Frank Münter auf UV-C-Luftentkeimer. Die Geräte saugen Luft an, reinigen und entkeimen sie im Inneren mit Ultraviolettstrahlung und geben sie ohne Belastung wieder aus. Alle Behandlungsräume und das Wartezimmer sind mit der Technologie ausgestattet, eine große Röhre für den Empfangsbereich ist im November hinzugekommen. „Wir haben ja immer mit Viren zu tun. Aerosole sind ständig ein Thema bei Zahnärzten. Auch unabhängig von Corona“, begründet Münter.

juka Siegen. Die Luft in hoch frequentierten Räumen wie Schulklassen, Konferenzsälen oder Wartezimmern entkeimen, vom Coronavirus befreien und noch sicherer machen? Klingt nach einer sehr guten Idee. Das findet auch Nils Münter. Bereits seit dem Sommer setzt der Praxismanager der Zahnarztpraxis Dr. Frank Münter auf UV-C-Luftentkeimer. Die Geräte saugen Luft an, reinigen und entkeimen sie im Inneren mit Ultraviolettstrahlung und geben sie ohne Belastung wieder aus. Alle Behandlungsräume und das Wartezimmer sind mit der Technologie ausgestattet, eine große Röhre für den Empfangsbereich ist im November hinzugekommen. „Wir haben ja immer mit Viren zu tun. Aerosole sind ständig ein Thema bei Zahnärzten. Auch unabhängig von Corona“, begründet Münter. Deshalb sei man mit der Beschaffung den nächsten Schritt zu einer höheren Sicherheit gegangen. Im Wartezimmer klärt ein Zettel die Patienten über den Einsatz der Geräte auf. „Wenn es Rückmeldungen gab, dann positive. Es gibt den Leuten ein gewisses zusätzliches Sicherheitsgefühl“, weiß Münter.

Desinfektion nur in leeren Räumen

Denn Gefahren gehen von dieser Art Geräten, bei denen die UV-C-Strahlung nur im Inneren arbeitet und nicht nach außen dringt, nicht aus. „Wichtig ist, dass die Desinfektion dann zum Einsatz kommt, wenn sich keine Personen im Raum aufhalten oder die Quelle so verbaut ist, dass die anwesenden Personen keiner Strahlung ausgesetzt sind“, erklärte eine Sprecherin des Bundesamtes für Strahlenschutz gegenüber der SZ. Wenn einer der beiden Punkte erfüllt sei, sehe das Amt den Einsatz als unproblematisch an.

Luftentkeimer selten im Einsatz

Dass die Geräte aber die AHAL-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske, Lüften) nicht ersetzen können, dessen ist sich Nils Münter bewusst. Besonders auf kurze Distanz, beispielsweise im privaten Raum, können die Anlagen eine Übertragung des Virus eben nicht verhindern. Als ergänzende Maßnahme hält auch das Umweltbundesamt solche Luftentkeimer allerdings für sinnvoll. „Auch wenn es das Lüften nicht ersetzt, ist es hilfreich“, stellt Münter klar. Und obwohl die Technologie keineswegs neu ist, schon lange für die Luftentkeimung, die Desinfektion von Oberflächen sowie zur Behandlung von Lebensmitteln und insbesondere Trinkwasser genutzt wird, ist sie noch lange nicht in aller Munde und wird nur spärlich eingesetzt. Trotz der in Bezug auf das Coronavirus guten Studienergebnisse. Das stößt vielerorts auf Unverständnis. „Ich kann mir das nicht erklären“, kritisiert der Wilnsdorfer Volker Bell, der UV-C-Geräte über seine Firma vertreibt. „Die Politik setzt aber lieber auf Schließungen, anstatt über Alternativen nachzudenken, wie man die Situation vor Ort verbessern kann“, moniert Bell.

Nutzung bei den VWS nicht vorgesehen

In manchen Städten in Deutschland wird diese Technologie jedoch mittlerweile in Schulen und öffentlichen Verkehrsmitteln getestet. Hanau beispielsweise hat seine Busflotte so mit Luftentkeimern ausgestattet. Bei den VWS sind solche Maßnahmen hingegen derzeit nicht vorgesehen, zumal die Wirksamkeit und der Nutzen solcher Einbauten nicht nachgewiesen sei, wie Gerhard Bettermann, Leiter Betrieb und Technik, erklärt. „Auch vor diesem Hintergrund erachten wir die in den Bussen umgesetzten Maßnahmen als ausreichend“, so Bettermann, der unter anderem die Maskenpflicht, das Lüften an Haltestellen sowie die regelmäßige Reinigung und den Spuckschutz anführt.

Stoßlüften in Schulen statt Luftfilter

Auch in den Schulen ist ein flächendeckender Einsatz nicht in Sicht. „Die Förderung zum Erwerb mobiler Luftfiltergeräte für Schulen und Sporthallen des Landes NRW greift nur, wenn die Räume nicht ausreichend durch gezieltes Fensteröffnen oder durch eine Raumlufttechnische Anlage gelüftet werden können“, erklärt Siegens Schuldezernent André Schmidt. In Siegen sei das aber überwiegend der Fall, die restlichen Einzelfälle zudem leicht zu beheben gewesen. Die Stadt habe daher als Schulträger solche Geräte nicht beschafft und einer Beschaffung durch Schulen oder Spendern nicht zugestimmt. „Das geschieht vor dem Hintergrund, dass wir grundsätzlich die Empfehlungen zum regelmäßigen Stoßlüften geben sowie aufgrund der nicht abschätzbaren Folgekosten“, so Schmidt. Zudem gebe es derzeit keine grundsätzliche Vorgabe oder Empfehlung zum Einsatz von Luftreinigungsgeräten.

Im Krankenwagen nicht sinnvoll

Der Kreis Siegen-Wittgenstein verfügt hingegen im Lÿz und im Impfstoff-Rekonstitutionsraum des Impfzentrums in Eiserfeld über Luftreiniger-Modelle, die über „High Efficiency Particulate Air“(HEPA)-Filter verfügen, die feinste, mit Viren beladene Tröpfchen filtern. Solche sollen auch für das Berufskolleg AHS angeschafft werden. Beispielsweise für Krankenwagen hält der Kreis den Einsatz von UV-C-Luftentkeimern hingegen aus mehreren Gründen für nicht sinnvoll. „Das Platzangebot in den Fahrzeugen ist bereits deutlich begrenzt. Derartige Luftreiniger benötigen recht viel Fläche und Volumen“, heißt es aus dem Kreishaus. Zudem würden die Stromversorgung und die entsprechende Verlastung der Fahrzeuge Probleme bereiten. Da die Heizung und Belüftung von außen betrieben würde, die Patienten, wenn nötig, einen medizinischen MNS bekommen und das Personal mit entsprechenden Masken ausgestattet sei, seien derartige Geräte auch nicht notwendig.

Großer Unterschied zwischen Luftreinigern und Entkeimern Luftreinigungsgeräte und UV-C-Entkeimungsgeräte mögen auf den ersten Blick ähnlich wirken, unterscheiden sich in ihrer Funktionsweise allerdings deutlich. Während UV-C-Entkeimer Viren und Krankheitserreger zerstören und deren Reproduktion blockieren, filtern Luftreinigungsgeräte Schwebstoffe und Aerosole aus der Luft und verbleiben in dem Filter. Dieser kann sich dann relativ schnell zu setzen und muss gereinigt oder ausgetauscht werden. „UV-C-Entkeimungsgeräte sind zudem preiswerter, haben keine unkalkulierbaren Folgekosten und müssen auch nicht gereinigt werden“, zählt Volker Bell auf. „Aber diese beiden Techniken werden noch oft durcheinander gemengt“, so Bell.
Praxismanager Nils Münter setzt auf den UV-C-Luftentkeimer.
Für einen Einsatz in Krankenwagen ist dieses Gerät allerdings zu groß.
Autor:

Julian Kaiser (Volontär) aus Siegen

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