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Gespräch mit Dr. Michael Blazek
Mit Mammographie den Brustkrebs besiegen

Dr. Michael Blazek zeigt, wie strukturelle Gewebeveränderungen in einer Brust aussehen können.
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  • Dr. Michael Blazek zeigt, wie strukturelle Gewebeveränderungen in einer Brust aussehen können.
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ap Siegen. Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 70.000 Frauen neu an Brustkrebs. Statistisch gesehen ist das jede achte Frau. Im Kampf gegen die Krankheit ist die Früherkennung die mächtigste Waffe. „Wir haben leider nicht die Möglichkeit, eine Erkrankung zu verhindern. Aber je früher wir Veränderungen im Brustgewebe erkennen, desto besser stehen die Prognosen“, sagt Dr. Michael Blazek. Er arbeitet in einer Screening-Einheit, die sich seit 15 Jahren im MVZ Diakonie Klinikum Jung-Stilling befindet. Er ist einer von 95 Standorten des Mammographie-Screening-Programms in NRW.
Außerdem gibt es das „Mammobil“, eine mobile Röntgenanlage auf vier Rädern. „Das kann man sich vorstellen wie einen kleinen Zusatzstandort, mit dem wir versuchen, flächendeckend alle Frauen zu erreichen“, so Dr.

ap Siegen. Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 70.000 Frauen neu an Brustkrebs. Statistisch gesehen ist das jede achte Frau. Im Kampf gegen die Krankheit ist die Früherkennung die mächtigste Waffe. „Wir haben leider nicht die Möglichkeit, eine Erkrankung zu verhindern. Aber je früher wir Veränderungen im Brustgewebe erkennen, desto besser stehen die Prognosen“, sagt Dr. Michael Blazek. Er arbeitet in einer Screening-Einheit, die sich seit 15 Jahren im MVZ Diakonie Klinikum Jung-Stilling befindet. Er ist einer von 95 Standorten des Mammographie-Screening-Programms in NRW.
Außerdem gibt es das „Mammobil“, eine mobile Röntgenanlage auf vier Rädern. „Das kann man sich vorstellen wie einen kleinen Zusatzstandort, mit dem wir versuchen, flächendeckend alle Frauen zu erreichen“, so Dr. Blazek.

Knapp die Hälfte der Frauen folgen der Einladung zur Mammographie

Eine Einladung für die kostenlose Untersuchung – sei es in einer festen oder mobilen Praxis – erhalten alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren automatisch per Post. Beim vorgeschlagenen Termin erscheinen jedoch nur 49 Prozent. „Das liegt vor allem daran, dass viele sich nicht bewusst darüber sind, wie wichtig eine solche Untersuchung ist“, sagt der programmverantwortliche Arzt. Die vielen Ammenmärchen könnten ein weiterer Grund für die niedrige Quote sein, so seine Vermutung.
Der Experte klärt deshalb auf: „Der aufgewendete Druck von 100 Newton ist zwar unangenehm, erzeugt aber keinerlei Folgeschäden.“ Die Kompression der Brust zwischen zwei Platten sorge nicht nur für ein schärferes Bild, sondern auch für eine niedrigere Strahlenbelastung, ergänzt die leitende Screening-Fachkraft Sonja Trubarac. Ihre Arbeit umfasst aber noch viel mehr als nur die Durchführung der Screenings: Ängste nehmen, Aufregung abbauen, die Frauen runterbringen. „Anspannung wirkt sich sehr auf unseren Körper aus. Sind wir verkrampft, spannt sich auch der Brustmuskel an. Dadurch tut die Mammographie dann mehr weh als sie müsste“, erklärt die 29-jährige medizinische Fachangestellte.
Ein weiterer Mythos, mit dem Dr. Blazek aufräumt: „Bei einer Mammografie besteht keine Gefahr durch die Strahlenbelastung.“ Die eingesetzten Geräte würden täglich kontrolliert und müssten hohe Qualitätsstandards erfüllen.
„Schon kleine Pixelfehler können gravierende Folgen haben“, erklärt der Siegener Arzt. Dadurch könnten beispielsweise Kalkablagerungen übersehen werden. „Mikrokalk kann übrigens weder durch einen Ultraschall, noch durch ein MRT erkannt werden“, unterstreicht Dr. Blazek die Wichtigkeit des Mammographie-Screenings im Rahmen der Brustkrebs-Früherkennung. „Ein weiteres Problem des MRT ist, dass oftmals auch strukturelle Veränderungen gesehen werden, die man nicht direkt als gutartig oder bösartig einordnen kann. Dadurch steigt dann die Zahl der Gewebeentnahmen, womit auch immer ein Risiko verbunden ist“, erklärt er.
Für eine gute Diagnostik braucht es vor allem ein gutes Bild. Vier Röntgenaufnahmen macht die Screening-Fachkraft bei durchschnittlich fünf Frauen pro Stunde: von oben nach unten, schräg von der Seite, jeweils einmal links und einmal von der rechten Brust. Möglich sei das nahezu bei jeder Frau, versichert sie. „Von rund 30 000 untersuchten Frauen gab es vielleicht fünf, bei denen kein Screening möglich war“, sagt Dr. Blazek, „das lag dann aber weder an der Brustform, noch an Implantaten oder der Größe der Brüste.“

Was auch immer wieder zu Problemen führe, seien aluminiumhaltige Deos oder Cremes. „Wir freuen uns zwar immer über gepflegte Frauen, aber darauf sollte man wirklich vor einem Screening verzichten“, warnt er eindringlich. Dafür gebe es auch eine einfache Erklärung: „Die Aluminiumpartikel sehen aus wie Mikrokalk. Dadurch wird die Bildaufnahme gerstört und es kann zu Fehldiagnosen kommen.“
Nach wenigen Sekunden, die die tatsächliche Aufnahme eines Röntgenbildes dauert, schauen sich zwei Fachärzte unabhängig voneinander die Bilder an (Doppelblindverfahren). Die Befundung erfolgt im direkten Rechts-Links-Vergleich beider Brüste. Bei Uneinigkeit wird ein weiterer Arzt hinzugezogen. Das Ergebnis kommt dann innerhalb von fünf Werktagen schriftlich, wenn der Befund unauffällig war.

Mammographie: Erkrankte und gesunde Frauen treffen sich möglichst nicht

Sollten die Röntgenaufnahmen eine strukturelle Veränderung zeigen, die abgeklärt werden sollte, wird ein weiterer Termin vereinbart. Ein Arzt klärt dann die Auffälligkeit mit mammographischen Zusatzaufnahmen und/oder Ultraschall und/oder MRT ab. Direkten Kontakt zu den Frauen hat Dr. Blazek deshalb nur in einem solchen Fall oder bei einem Aufklärungsgespräch. Dafür gebe es aber gesonderte Sprechstunden, erzählt er. „Das Screening ist für gesunde Frauen gedacht. Deshalb nenne ich sie auch Klientinnen und versuche, sie in unseren Sprechzimmern nicht mit erkrankten Patientinnen zu vermischen.“ Oberste Priorität habe für ihn nämlich immer, dass Frauen sich wohl fühlen, keine Angst haben und gerne wiederkommen.
„Regelmäßige Screenings sind einfach extrem wichtig“, betont Dr. Blazek immer wieder. „Nur durch eine frühe Erkennung einer Brustkrebserkrankung können wir den Frauen eine gute Therapie ermöglichen.“ Gänzlich verhindern lasse sich eine Erkrankung durch die Untersuchung im Zweijahres-Rhytmus jedoch nicht. „Es können sich immer mal sogenannte Inzidenzkarzinome zwischen den beiden Screenings bilden“ – das passiere aber lediglich zwei von 1000 Frauen.
Dennoch sei es wichtig, den Termin für die Früherkennung nicht aufzuschieben. Auch Corona sei dafür kein Grund. „Wir bemerken eine maximale Verunsicherung bei den Frauen, das ist aber nicht nötig. Wir halten uns strengstens an das Hygiene- und Lüftungskonzept“, informiert der Fachmann.
Daher appelliert er eindringlich: „Frauen sollten die Chance der Früherkennung auch während der Pandemiezeit nutzen. Denn der Krebs ist da, auch mit Corona. Und umso früher wir ihn erkennen, desto besser.“

Dr. Michael Blazek zeigt, wie strukturelle Gewebeveränderungen in einer Brust aussehen können.
Screening-Fachkraft Sonja Trubarac kümmert sich um die Aufnahme und nimmt den Frauen vorhandene Ängste.
Autor:

Alexandra Pfeifer

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