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SZ-Serie vor der Wahl: Sicherheit
Mit Schutzweste – aber ohne Schlagstock

Patrouille durch den Oranienpark. Hier ist Drogenkonsum seit Jahren ein Thema. Deswegen zeigen die beiden Polizisten sich dort regelmäßig.
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  • Patrouille durch den Oranienpark. Hier ist Drogenkonsum seit Jahren ein Thema. Deswegen zeigen die beiden Polizisten sich dort regelmäßig.
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tin Siegen. An einem gewöhnlichen Donnerstagmorgen im April ist die Welt in Siegen in Ordnung. Die SZ begleitet die Polizeibeamten Gereon Sötzen und Rebekka Laszlo bei ihrer Patrouille durch die Innenstadt. Die beiden sind nicht im normalen Streifendienst. Sie gehören zum "Treffpunkt Sicherheit" an der Siegener Bahnhofstraße. Einem gemeinsamen Angebot der Polizei-NRW mit dem städtischen Ordnungsamt für die Sicherheit in der Stadt, das es seit 2011 gibt. Und das sich bewährt hat, wie Bezirksdienstleiter Uwe Georg-Burger findet. Auf dem kurzen Dienstweg greife die Arbeit der beiden Behörden besser ineinander.
Bundes- und Landesbeamte helfen sich gegenseitig
Gereon Sötzen und Rebekka Laszlo steuern als erstes den Siegener ZOB an. Die beiden sind schon Routiniers in der Polizeiarbeit.

tin Siegen. An einem gewöhnlichen Donnerstagmorgen im April ist die Welt in Siegen in Ordnung. Die SZ begleitet die Polizeibeamten Gereon Sötzen und Rebekka Laszlo bei ihrer Patrouille durch die Innenstadt. Die beiden sind nicht im normalen Streifendienst. Sie gehören zum "Treffpunkt Sicherheit" an der Siegener Bahnhofstraße. Einem gemeinsamen Angebot der Polizei-NRW mit dem städtischen Ordnungsamt für die Sicherheit in der Stadt, das es seit 2011 gibt. Und das sich bewährt hat, wie Bezirksdienstleiter Uwe Georg-Burger findet. Auf dem kurzen Dienstweg greife die Arbeit der beiden Behörden besser ineinander.

Bundes- und Landesbeamte helfen sich gegenseitig

Gereon Sötzen und Rebekka Laszlo steuern als erstes den Siegener ZOB an. Die beiden sind schon Routiniers in der Polizeiarbeit. Seit 30, respektive 29 Jahren dabei.  Ausgerüstet sind sie mit (fast) voller Montur: Handy, Funkgerät, Taschenlampe und Reizgas sind in Taschen an der schweren Schutzweste verstaut. „Die Weste mit Stichschutz hatten wir zu Beginn noch nicht, aber mittlerweile ist die verpflichtend", erzählt Sötzen. Nicht mit dabei ist indes der „Einsatzmehrzweckstock”, besser bekannt als Schlagstock. „Ich will ja mit den Bürgern sprechen und ihnen keine Angst machen", sagt Laszlo.

Gereon Sötzen und Rebekka Laszlo sprechen sich mit den Kollegen von der Bundespolizei am Siegener Bahnhof ab.
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Der Verkehr rund um den Busbahnhof ist gewohnt chaotisch. Busse, Taxis, PKW: alle fahren durcheinander. Laszlo spricht mit dem Fahrer eines alten Opel. Ukrainisches Kennzeichen. Da seien in der letzten Zeit viele gekommen. „Zum Teil suchen die Anlaufstellen, wo sie sich registrieren können", sagt die 50-Jährige. Weiter geht es zu den Kollegen der Bundespolizei. Die sind eigentlich für alles zuständig, was auf dem Gelände des Bahnhofs und auf einem rund 300 Kilometer langen Schienennetz zwischen Bad Berleburg und Köln passiert. Doch Bundesbeamten und Landesbeamte helfen sich gegenseitig. Wenn in der benachbarten City-Galerie mal etwas passiert, Laszlo und Sötzen aber gerade woanders sind, springen die Kollegen ein. „Es gibt andere Städte, da ist die Zusammenarbeit deutlich schlechter", sagt Sötzen. 

Bezirksdienstleiter Uwe Georg-Burger.
  • Bezirksdienstleiter Uwe Georg-Burger.
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,,Messer können lebensgefährlich sein''

Mit den Bundespolizei-Kollegen sprechen die beiden auch über Waffenverbotszonen, wie sie in vielen Kommunen neuerdings – auch abseits von festen Veranstaltungen – eingeführt werden. Auch der Siegener Bahnhof wird an diesem Wochenende eine Waffenverbotszone sein. Das bedeutet, dass Polizisten Waffen oder Dinge, die als Waffe benutzt werden könnten, einfacher beschlagnahmen dürfen. Den Polizisten erleichtere das die Arbeit. Die Beamten können aber auch Bürger verstehen, die nicht kontrolliert werden wollen. „Messer können aber einfach lebensgefährlich sein. Da kann man sich nicht wehren", sagt Gereon Sötzen. Die einzigen beiden Male, in denen der 52-Jährige in seiner Karriere die Waffe zücken – „zum Glück" aber nicht benutzen – musste, hatte jemand die Situation mit einem Messer eskalieren lassen. 

Das denken die Parteien zum Thema Sicherheit

Häufig hilft ein aufklärendes Gespräch

Ihre Runde zu Fuß führt die beiden Polizisten weiter in den heute sehr ruhigen Oranienpark, wo sich sonst gerne ein dem Alkohol und härteren Drogen zugeneigtes Klientel rumtreibt. Für Gereon Sötzen ist es wichtig, dort Präsenz zu zeigen. „Auge des Gesetzes“ zu sein. Das stärke das Sicherheitsempfinden und beuge Straftaten vor. Vor der Martinikirche treffen Laszlo und Sötzen einen polizeibekannten Alkoholiker. „Den würde ich hier gerne wegschicken, weil hier nachmittags auch häufig Kinder und Jugendliche hinkommen. Da habe ich aber keine rechtliche Handhabe", sagt der Polizist. Ein kurzes aufklärendes Gespräch helfe aber häufig auch. So konnten die Treffpunkt-Sicherheit-Leute in der Vergangenheit etwa auch Schüler der Realschule am Oberen Schloss dazu bringen, Vandalismus im Innenstadtbereich zu unterlassen. 

Die beiden Polizisten fragen sich, ob es auf dem Bahnhofsvorplatz noch genügend Haltemöglichkeiten für Autos gibt. Der Verkehr laufe dort in letzter Zeit chaotisch.
  • Die beiden Polizisten fragen sich, ob es auf dem Bahnhofsvorplatz noch genügend Haltemöglichkeiten für Autos gibt. Der Verkehr laufe dort in letzter Zeit chaotisch.
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Die Haltung zur Polizei habe sich verändert

In der Corona-Zeit hatte sich der Kornmarkt zum beliebten Treffpunkt der Jugend entwickelt, an dem Polizei und Ordnungsamt häufiger eingreifen mussten. Auch aktuell sei dort in den Abendstunden noch viel Betrieb mit lauter Musik, berichtet Sötzen. Seinem Eindruck nach, habe das Ordnungsamt, das ja zum Beispiel bei Verstößen gegen die Corona-Ordnung zuständig ist, bei den Leuten nicht so die Akzeptanz, wie die Polizei. Dementsprechend sei es wichtig gewesen, dass man ein gemeinsames Einsatzkonzept hatte. Doch auch die Haltung zur Polizei habe sich verändert. „Die Bürger stehen nicht mehr stramm, wenn wir kommen. Sie sind kritischer uns gegenüber", sagt Sötzen. Das sei aber auch gut so – solange der Respekt gewahrt bleibe. 

Auf dem Rückweg in den belebteren Teil der Innenstadt – damit meinen die beiden Bahnhof- und Hindenburgstraße – berichten die beiden noch von sonst üblichen Einsätzen an Vormittagen. Nicht selten müssen sie Angeklagte oder Zeugen ins Gericht bringen. Oder Haftbefehle vollziehen, wenn jemand beispielsweise eine Geldstrafe nicht gezahlt hat. Am Donnerstag ist das einzig vermeintlich zu ahnende eine fliegende Drohne über der Stadtmauer. Es stellt sich jedoch schnell heraus, dass diese der Stadt gehört. Es hatte bloß jemand versäumt Bescheid zu sagen.

Autor:

Nico Tielke

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