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Raser kam mit milder Strafe davon
Mit über 100 durch Weidenau "gebrettert"

Ein 55-jähriger Siegener wurde vor dem Amtsgericht Siegen zu einer Geldstrafe verurteilt, nachdem er mit deutlich über 100 "Sachen" durch Weidenau gerast ist.
  • Ein 55-jähriger Siegener wurde vor dem Amtsgericht Siegen zu einer Geldstrafe verurteilt, nachdem er mit deutlich über 100 "Sachen" durch Weidenau gerast ist.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

cs Siegen. Glimpfliche Strafe für einen Raser, der mit deutlich über 100 km/h durch Weidenau „gebrettert“ ist: Vor dem Amtsgericht Siegen wurde am Dienstag ein 55-Jähriger zur Zahlung von 2500 Euro an den Weißen Ring, einen Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern, verurteilt. Das Verfahren wegen Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen wurde indes eingestellt. „So ein Verhalten geht nicht und landet vor dem Richter“, wandte sich Richterin Antonia Kuhli direkt an den in der Türkei geborenen Angeklagten. „Ich erwarte künftig ein verkehrsgerechtes Verhalten von Ihnen!“
Am 8. September vergangenen Jahres war der Mann mit seinem 258 PS starken Mercedes (Typ E 350) am frühen Morgen gegen 6.50 Uhr auf der Weidenauer Straße in Richtung Geisweid unterwegs.

cs Siegen. Glimpfliche Strafe für einen Raser, der mit deutlich über 100 km/h durch Weidenau „gebrettert“ ist: Vor dem Amtsgericht Siegen wurde am Dienstag ein 55-Jähriger zur Zahlung von 2500 Euro an den Weißen Ring, einen Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern, verurteilt. Das Verfahren wegen Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen wurde indes eingestellt. „So ein Verhalten geht nicht und landet vor dem Richter“, wandte sich Richterin Antonia Kuhli direkt an den in der Türkei geborenen Angeklagten. „Ich erwarte künftig ein verkehrsgerechtes Verhalten von Ihnen!“
Am 8. September vergangenen Jahres war der Mann mit seinem 258 PS starken Mercedes (Typ E 350) am frühen Morgen gegen 6.50 Uhr auf der Weidenauer Straße in Richtung Geisweid unterwegs. Auf Höhe der Glück-Auf-Straße hielt er vor der roten Ampel an und fühlte sich von einem auf der Nebenspur stehenden Audi-Fahrer, der mehrmals mit dem Gas spielte, provoziert. Als die Anlage auf Grünlicht umsprang, gaben die beiden Fahrer Gas und beschleunigten ihre Autos rapide – dumm nur, dass sich kurz hinter dem Duo ein Streifenwagen befand, der sogleich die Verfolgung aufnahm. Als der Audi-Fahrer plötzlich stark abbremste und unerkannt bleibend die Flucht ergriff, entschieden sich die Beamten dazu, den Mercedes-Fahrer zu stellen.

"Auch bei Tempo 140 vergrößerte sich der Abstand"

„Auch bei Tempo 140 vergrößerte sich der Abstand“, gab die 29-jährige Polizistin am Dienstag im Zeugenstand zu Protokoll. Zuvor hatte sie auf Höhe des Kreisklinikums eine Geschwindigkeit von 100 km/h auf dem Tacho abgelesen. Schließlich stoppte der Lagerist seinen Pkw auf dem Parkplatz eines China-Restaurants an der Weidenauer Straße – freiwillig, als er das Blaulicht des Polizeiwagens bemerkt hatte. Der 55-Jährige gab sich am Dienstag vor Gericht zunächst ebenso wenig reumütig wie damals im Gespräch mit den Ordnungshütern, die junge Polizistin erinnerte sich an einen „super-uneinsichtigen“ Beschuldigten, dessen Verhalten ihr „total merkwürdig“ vorgekommen sei. „Vielleicht 70 oder 80“ sei er gefahren, nachdem er „normal beschleunigt“ habe, die Beamten hätten ihn weder belehrt noch mit dem konkreten Vorwurf konfrontiert, gab der Angeklagte mit großen Augen und Unschuldsmiene an.

"Total gefährlich und eigensüchtig"

„Haben sich die Polizisten das alles ausgedacht?“, zog Antonia Kuhli die Augenbrauen hoch und verwies auf die entsprechenden schriftlichen Angaben der Beamten. „Überlegen Sie mal, ob es vielleicht doch so gewesen sein könnte …“ Und siehe da: Nach kurzer Beratung mit seinem Rechtsanwalt räumte der deutsche Staatsbürger die von Staatsanwalt Waldemar Gomer vorgetragenen Vorwürfe schließlich ein. „Auch morgens um 6.50 Uhr sind Kinder unterwegs“, meinte Antonia Kuhli in Richtung des Angeklagten, der selbst fünffacher Familienvater ist. Die Richterin bezeichnete das Verhalten des Mannes als „total gefährlich und eigensüchtig. Sie werden Ihres Lebens nicht mehr froh, wenn Sie jemanden totfahren.“ Da nickte der Mann auf der Anklagebank eifrig: „Ja, ja, ja, das stimmt.“

Juristische Bewertung fiel schwer

Mit der juristischen Bewertung tat sich die Richterin durchaus schwer, verwies auf die kurze Strecke von einigen Hundert Metern und die Tatsache, dass keine anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet worden seien. Der nicht geeichte Tacho des Streifenwagens erfordere zudem einen Toleranzabzug. Der 55-Jährige sei darüber hinaus nicht vorbestraft, lediglich einmal durch eine Geschwindigkeitsübertretung aufgefallen, und die Zeit von fünf Monaten ohne Führerschein – die Fahrerlaubnis wurde nach dem Geschehen eingezogen – habe hoffentlich etwas bewirkt.
Insgesamt könne der Angeklagte nicht wegen Teilnahme an einem Kraftfahrzeugrennen verurteilt werden – seinen „Lappen“ erhielt der 55-Jährige noch im Gerichtssaal wieder zurück und darf sich ab sofort wieder ans Steuer seines Mercedes setzen.

Verbotene Kfz-Rennen eine Straftat

Seit 2017 gelten illegale Autorennen als Straftat und nicht mehr als Ordnungswidrigkeit. Solche Autorennen können verschiedene Formen haben: etwa das unerlaubte gegeneinander Fahren auf einer längeren Strecke, Beschleunigungsrennen von Ampel zu Ampel oder das Rennen alleine gegen die Uhr.
Grundsätzlich gilt: Wer aufgrund eines illegalen Autorennens verurteilt wird, dem wird in der Regel die Fahrerlaubnis entzogen. Zudem kann auch das Tatfahrzeug eingezogen werden. Eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe drohen, wenn jemand ein „verbotenes Kraftfahrzeugrennen“ im Sinne des Paragrafen 315 d des Strafgesetzbuchs ausrichtet oder durchführt, daran teilnimmt oder „mit nicht angepasster Geschwindigkeit grob verkehrswidrig und rücksichtslos“ fährt, um eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen.
Wer dabei Menschen oder „Gegenstände von bedeutendem Wert“ fahrlässig gefährdet, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Handelt man vorsätzlich, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Wird jemand getötet oder schwer verletzt, beträgt die Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahre.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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