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Vorschlag des Europaabgeordneten Dr. Peter Liese
Mit Uniform und Impfpass zum Schützenfest

Schützenfeste sind Massenveranstaltungen, die in Corona-Zeiten nicht möglich sind. Vielleicht bietet der bald zur Verfügung stehende Impfstoff allerdings eine Perspektive für das kommende Jahr.
  • Schützenfeste sind Massenveranstaltungen, die in Corona-Zeiten nicht möglich sind. Vielleicht bietet der bald zur Verfügung stehende Impfstoff allerdings eine Perspektive für das kommende Jahr.
  • Foto: Björn Weyand (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

bw Siegen/Bad Berleburg/Olpe.  Dr. Peter Liese ist der Europaabgeordnete für Südwestfalen, politisch interessierten Bürgern als solcher ein Begriff. Freilich dürfte der CDU-Politiker aus dem Sauerland am Wochenende seinen Bekanntheitsgrad national gesteigert haben. Mit seiner Forderung, dass Schützenfeste für Geimpfte im kommenden Jahr erlaubt werden sollen, erhielt der Mediziner aus Meschede bundesweit Aufmerksamkeit. Der 55-Jährige ließ sich so zitieren: „Der Veranstalter muss das Recht haben, zu sagen: Anstatt Maske und Abstand mache ich als Hygienekonzept: Nur Menschen, die geimpft sind.“
Auf dieses Zitat von der Siegener Zeitung angesprochen, stellte Peter Liese das Thema deutlich differenzierter dar.

bw Siegen/Bad Berleburg/Olpe.  Dr. Peter Liese ist der Europaabgeordnete für Südwestfalen, politisch interessierten Bürgern als solcher ein Begriff. Freilich dürfte der CDU-Politiker aus dem Sauerland am Wochenende seinen Bekanntheitsgrad national gesteigert haben. Mit seiner Forderung, dass Schützenfeste für Geimpfte im kommenden Jahr erlaubt werden sollen, erhielt der Mediziner aus Meschede bundesweit Aufmerksamkeit. Der 55-Jährige ließ sich so zitieren: „Der Veranstalter muss das Recht haben, zu sagen: Anstatt Maske und Abstand mache ich als Hygienekonzept: Nur Menschen, die geimpft sind.“
Auf dieses Zitat von der Siegener Zeitung angesprochen, stellte Peter Liese das Thema deutlich differenzierter dar. Es handele sich ja um ein sensibles Thema, für Veranstalter allgemein – nicht nur für Schützenvereine – sei es eine wichtige Frage. Er habe lange gesagt, er könne sich nicht vorstellen, dass im kommenden Jahr große Schützenfeste oder andere Veranstaltungen mit viel Publikum stattfinden könnten.

Veranstalter: Eine „lebensfremde“ Idee

Pandemie wird Schrecken im Frühjahr verlieren

Die positiven Nachrichten, dass vielleicht noch im alten Jahr mit den Impfungen bei Risikogruppen und medizinischem Personal begonnen werden kann, hat ihn umdenken lassen: „Wer weiß, vielleicht geht es ja doch.“ Mit entsprechenden Konzepten, in denen auch der Passus des Zugangs für Geimpfte möglich wäre. Kein Gesetz spräche derzeit gegen eine solche Vorgehensweise, sodass es Veranstaltern – wie eben Schützenvereinen – freigestellt sein könnte, ihr Fest auf der Basis auszurichten. Dass es bis dahin ein weiter Weg ist, weiß Dr. Peter Liese aber auch.
Zunächst werde es ja nicht genug Impfstoff für alle geben, wenn allerdings Risikopatienten und medizinische Fachkräfte geimpft seien, werde diese Pandemie im Frühjahr ihren Schrecken nach und nach verlieren. Der Gesundheitspolitiker hofft darauf, dass bis in den Frühsommer etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft werden können. Damit werde die Gemeinschaftsimmunität erreicht, erläutert Liese. Er betonte, dass er auch keine indirekte Impfpflicht wolle, jedoch solle eine Möglichkeit geschaffen werden, eine Veranstaltung durchzuführen, die ansonsten nicht durchgeführt werden könne.
Noch nicht ausreichend untersucht sei allerdings, wie viele Menschen die Krankheit übertragen könnten, obwohl sie schon dagegen geimpft sind. Dies ist einer der Punkte, die erst geklärt sein müssten. Und noch etwas stellt Peter Liese klar: Natürlich könnten Veranstaltungen für geimpfte Menschen nur dann zugelassen werden, wenn auch alle Menschen die Möglichkeit hatten, sich impfen zu lassen, „sonst wäre es diskriminierend“.

Hoffnung auf Schützenfeste im Jahr 2021?

Ist das ein Fünkchen Hoffnung für die Schützenfestsaison 2021? Thorsten Bätzel, 1. Vorsitzender des Schützenkreises Wittgenstein, hält es für schwierig durchführbar. „Ich rechne nicht damit, dass sich 80 oder 90 Prozent der Menschen impfen lassen“, sagt der Elsoffer, der auch zu bedenken gibt, dass Wittgenstein mit seinen eher geringen Corona-Fallzahlen nicht zu den ersten Regionen gehören werde, in der die Menschen dann vielleicht flächendeckend geimpft werden.
Thorsten Bätzel hat jedoch noch eine ganz andere Befürchtung; „Wenn man so etwas auf einem Schützenfest einführen würde, dann geht es eigentlich gegen die Schützensache – dann machen wir eine Zwei-Klassen-Gesellschaft auf.“ Sein Fazit lautet: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man ein Schützenfest für Geimpfte freigeben kann. Das gibt nur Ärger und Streit und für den Verein ist es ja auch nicht zu kontrollieren.“ Andere Vorsitzende heimischer Schützenvereine betonen, dass in Wittgenstein kein Verein einen Alleingang unternehmen werde.

"Gesundheit geht immer vor"

„Die Gesundheit geht grundsätzlich immer vor“, sagt Wolfgang Dickel vom Schieß- und Schützenverein Feudingen. „Im Zuge der Solidarität halte ich eine Altkreis-Lösung als die sinnvollste. Letztendlich zählt, was die anderen Schützenvereine in Wittgenstein machen würden.“ Sicherlich dürfe man die finanzielle Situation der Schützenvereine nicht außer Acht lassen: „Alle Vereine besitzen meist Eigentum, das unterhalten, gepflegt und aufrecht erhalten werden muss oder soll – dazu sind finanzielle Mittel unabdingbar.“ Einnahmen generieren die Vereine eben durch ihre Veranstaltungen. Für Jörg Weber, Vorsitzender des Schieß- und Schützenvereins Bermershausen, ist eines aber klar: „Jemanden auszuschließen, weil er nicht geimpft ist, wird schwierig.“
Den Liese-Vorschlag gar nicht mal so abwegig findet Thomas Knebel, Vorsitzender des Schützenvereins Berghausen. Die ersten Fluggesellschaften würden ja auch bereits die Devise ausgeben, dass künftig nur mitfliegen darf, wer geimpft ist. Günter Schmidt, Vorsitzender des Schießvereins Erndtebrück, hält es für eine Option, aber er fragt sich auch: „Kann man das machen oder grenzt man damit andere aus?“

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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