SZ

Verführerische Freiheiten
Mit Vernunft auf Streife

Der Wochenmarkt  in Kreuztal ist eine gute Gelegenheit, mit Bürgern ins Gespräch zu kommen - auch über die Coronaauflagen.
  • Der Wochenmarkt in Kreuztal ist eine gute Gelegenheit, mit Bürgern ins Gespräch zu kommen - auch über die Coronaauflagen.
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  • hochgeladen von Anja Bieler-Barth (Redakteurin)

nja Siegen/Kreuztal.  Fröhliche Partyfotos bei Facebook, eine grillende Runde auf dem Kreuztaler Robinson-Spielplatz...: Führen die uns stetig liebgewonnene Freiheiten bescherenden Lockerungen der Corona-Auflagen dazu, dass sich eine neue Lässigkeit im Umgang mit noch bestehenden Restriktionen Bahn bricht? Die SZ fragte in den Rathäusern Siegen und Kreuztal nach, ob dieser subjektive Eindruck sich objektiv belegen lässt. Die Antwort fällt differenziert aus.Während im Oberzentrum eher abgewunken wird, gewann das Ordnungsamt am Fuße des Kindelsbergs zumindest diesen Eindruck: Problematisch wurde es jeweils, wenn in Berlin oder Düsseldorf Lockerungen z. B.

nja Siegen/Kreuztal.  Fröhliche Partyfotos bei Facebook, eine grillende Runde auf dem Kreuztaler Robinson-Spielplatz...: Führen die uns stetig liebgewonnene Freiheiten bescherenden Lockerungen der Corona-Auflagen dazu, dass sich eine neue Lässigkeit im Umgang mit noch bestehenden Restriktionen Bahn bricht? Die SZ fragte in den Rathäusern Siegen und Kreuztal nach, ob dieser subjektive Eindruck sich objektiv belegen lässt. Die Antwort fällt differenziert aus.Während im Oberzentrum eher abgewunken wird, gewann das Ordnungsamt am Fuße des Kindelsbergs zumindest diesen Eindruck: Problematisch wurde es jeweils, wenn in Berlin oder Düsseldorf Lockerungen z. B. mittwochs angekündigt wurden, die erst ab dem kommenden Montag gelten sollten: „Hier waren leichte Anstiege in dem Zeitraum von der Ankündigung bis zum In-Kraft treten zu verzeichnen“, berichtet Andreas Pauschert.

366 Verfahren in Siegen 

Das Siegener Ordnungsamt hat seit Beginn der Corona-Schutzauflagen bis Anfang dieser Wochen insgesamt 366 Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten eingeleitet. Mehrheitlich wurden die Mindestabstände nicht eingehalten, beziehungsweise kamen mehr Personen als zulässig in der Öffentlichkeit zusammen (Stichwort: Kontaktverbot). Bußgelder, weil gegen die Maskenpflicht verstoßen wurde, wurden noch nicht verhängt.  „Trotz der Lockerungen sind die Menschen in Siegen bis auf wenige Ausnahmen weiterhin überaus diszipliniert und verantwortungsbewusst“, bilanziert Ordnungsdezernent Arne Fries. Die Bürger über die Corona-Auflagen zu informieren und zu beraten, sei der richtige Weg. Die Anzahl der Verfahren sei demzufolge auch nach den erfolgten Lockerungen nicht angestiegen. 46 Verfahren waren es vom 6. bis 12. April – also in der Woche vor Ostern, und 25 Verfahren jüngst vom 16. bis 23. Mai. Demnach ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen.
Im Auftrag des Siegener Ordnungsamtes sind täglich sechs Mitarbeiter auf den öffentlichen Plätzen und Grünanlagen unterwegs. Anfangs wurden sie von Mitarbeitern anderer Fachabteilungen unterstützt, als beispielsweise noch die 89 städtischen Spielplätze geschlossen waren. Es werde stadtweit kontrolliert – nicht nur in den stärker frequentierten innerstädtischen Bereichen. Gehen Beschwerden ein, wird gezielt überprüft.

Kreuztal: über 200 Verfahren

In der zweitgrößten Kommune des Kreisgebiets zeigt sich folgendes Entwicklungsbild: Vom 23. März bis zum 19. April wurden 76 Verstöße aktenkundig, vom 20. April bis 10. Mai waren es 107. „Insgesamt wurden bisher 201 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Bis auf einige Ausnahmen handelte es sich ausschließlich um Verstöße gegen das Kontaktverbot“, heißt es aus dem Rathaus. Kontrolliert wird sieben Tage die Woche.  Während der Streifendienste wurden insbesondere während der Sperrphase alle 35 Spiel- und 17 Bolzplätze im Stadtgebiet mindestens einmal am Tag in Augenschein genommen. Bei schönem Wetter werden z. B. auch das völlig frei zugängliche Naturfreibad in der Ferndorfer Zitzenbach und einige Wanderparkplätze angesteuert. Mehrfach täglich kontrolliert wurden und werden die Innenstadt sowie das Schul – und Sportzentrum. Besonders ruhig sei es in Littfeld.
„Einen echten Hotspot gibt es in Kreuztal nicht“, sagt Pauschert. Im positiven Sinne wäre sicherlich der Wochenmarkt als solcher zu bezeichnen. Lars Mertin und Jannik Blöcher drehten dort auch am Donnerstag wieder unermüdlich ihre Runden durch das lebhafte Gewusel. Ihr Hauptaugenmerk: die Maskenpflicht. Nahezu im Minutentakt galt es, Passanten darauf aufmerksam zu machen.
Meist seien es Leute, die den Marktplatz nur überqueren auf dem Weg zu ihrem eigentlichen Ziel, die den Mund-Nasen-Schutz nicht hochgezogen hätten, so Mertin. Eingreifen müssen die beiden auch immer wieder, weil Abstände in Warteschlangen zu gering ausfallen. „Brauchen die Leute am Tisch vor dem Café keinen Mundschutz tragen?“ Die Frage eines Kreuztalers hören Mertin und Pauschert nicht zum ersten Mal. Sie klären über die Dokumentationspflicht beim Cafébesuch auf – und dass der Mundschutz am Tisch abgelegt werden darf.

Auf  Bedrohungen folgen Anzeigen

„Die meisten Bürger zeigen Verständnis für die Auflagen“, sagt Pauschert, um dann aber auch vom Gegenteil zu berichten: Nicht regelmäßig, aber immer wieder müssten er und seine Kollegen sich auch beschimpfen, beleidigen und bedrohen lassen. Letzteres werde zur Anzeige gebracht: Sätze wie „Ich kann Kampfsport“ oder „Irgendwann sehen wir uns mal, wenn du keine Uniform trägst. Dann wirst du sehen, was Du davon hast“ sollen nicht ohne Konsequenz bleiben.

Interpretationsspielräume 

Selbstverständlich werden auch Geschäfte und Gastronomie-Betriebe überprüft. In einer Gaststätte fehlte jüngst die Namensliste zur Dokumentation der Gäste. Das sei wohl zu viel Arbeit gewesen... Jede Lockerung bringe auch neue Probleme, sagt Pauschert mit Blick auf Interpretationsspielräume der Verordnungen. Im Schnitt klingelt sein Telefon 50 Mal am Tag. Konkrete Fragen, was nun genau erlaubt sei, würden immer wieder gestellt. Dass es passieren kann, dass Antworten über Nacht nicht mehr zutreffen, macht den Job nicht einfacher.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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