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Landrat kündigt Bewerbung an
Modellregion für 365-Euro-Ticket

Sie bleiben ein Dauerthema: Verspätungen und Ausfälle im heimischen Busverkehr.

ch Siegen/Bad Berleburg. Der Kreis Siegen-Wittgenstein will eines der jüngst vom Berliner Klimaschutz-Kabinett vorgestellten Modellprojekte für den öffentlichen Nahverkehr haben. „Das Klimaschutzpaket sieht die Möglichkeit vor, dass der Bund Modellprojekte im Nahverkehr unterstützt, zum Beispiel 365-Euro-Jahrestickets“, sagte Landrat Andreas Müller (SPD) am Mittwoch während der Ratssitzung der Stadt Siegen. Dort nahm Müller als Vorsteher des Zweckverbandes Personennahverkehr Westfalen-Süd (ZWS) Stellung zu den aktuellen ÖPNV-Problemen vor allem im Siegener Stadtgebiet. Wenn die Rahmenbedingungen für das Ticket bekannt seien, werde er sich bei Verwaltung und Politik des Kreises Siegen-Wittgenstein dafür stark machen, dass der Kreis sich für das Busfahren für 1 Euro am Tag bewirbt.

ch Siegen/Bad Berleburg. Der Kreis Siegen-Wittgenstein will eines der jüngst vom Berliner Klimaschutz-Kabinett vorgestellten Modellprojekte für den öffentlichen Nahverkehr haben. „Das Klimaschutzpaket sieht die Möglichkeit vor, dass der Bund Modellprojekte im Nahverkehr unterstützt, zum Beispiel 365-Euro-Jahrestickets“, sagte Landrat Andreas Müller (SPD) am Mittwoch während der Ratssitzung der Stadt Siegen. Dort nahm Müller als Vorsteher des Zweckverbandes Personennahverkehr Westfalen-Süd (ZWS) Stellung zu den aktuellen ÖPNV-Problemen vor allem im Siegener Stadtgebiet. Wenn die Rahmenbedingungen für das Ticket bekannt seien, werde er sich bei Verwaltung und Politik des Kreises Siegen-Wittgenstein dafür stark machen, dass der Kreis sich für das Busfahren für 1 Euro am Tag bewirbt. „Es heißt, dass es solche Projekte auch für den ländlichen Raum und nicht nur für die großen Städte geben wird”, gab Müller sich zuversichtlich.

Ohne Quersubventionierung geht es nicht

Der Landrat machte deutlich, dass eine solche Maßnahme – ähnlich wie das angedachte und im Kreis Olpe für das kommende Haushaltsjahr bereits mit Geld hinterlegte Familienticket – zum einen die Attraktivität des Busfahrens steigert, „zum anderen die Einnahmebasis der Verkehrsdienstleister verbreitert”. Müller betonte, dass die Erlöse aus dem Verkauf der Fahrkarten derzeit bei weitem nicht ausreichen, den ÖPNV zu bezahlen. Ohne Quersubventionierung, etwa durch die Millionen Euro des Schülertickets, würde heute schon vieles nicht laufen. „Mehreinnahmen bedeuten daher nicht mehr Leistung, sondern würden nur dazu dienen, bestehende Verkehr zu finanzieren”.

In der Spitze fielen täglich 200 Fahrten aus

Landrat Müller versuchte zuvor, den aktuellen „Baustellenfahrplan” des Verkehrsunternehmens VWS zu verteidigen. Er räumte vor den Kommunalpolitikern ein, wie zu anderer Zeit andernorts auch, dass der derzeit gültige Nahverkehrsplan „auf dem Papier das beste Angebot für den Nutzer seit Jahrzehnten ist”. Die Realität habe bis zu den Sommerferien allerdings in der Tat völlig anders ausgesehen. Wie die SZ berichten musste, sind bekanntermaßen Tag für Tag im Schnitt 100 Verbindungen ausgefallen, in Spitze waren es bis zu 200 Fahrten.Als Gründe für die „massiven Ausfälle” führte Müller den Fahrermangel an, die zahlreichen Baustellen in der Krönchenstadt – „wenn in Siegen ein Bus im Stau steht, dann kommt er auch im Umland zu spät” – und die Rechtsunsicherheit bei der Vergabe des sogenannten Linienbündels Mitte (der notwendige Genehmigungsbescheid ist vom Verwaltungsgericht für ungültig erklärt worden, die Bezirksregierung als Auftrags- bzw. Konzessionsgeber wie potenzielle Auftragnehmer, die die Busse stellen wollen, haben beim OVG in Münster Antrag auf Zulassung der Berufung eingereicht, der Ausgang des Verfahren ist völlig offen).

"Baustellenfahrplan" half nicht

Auch in den Sommerferien bzw. seit dem Greifen des „Baustellenfahrplans” am 28. August sei keines dieser Probleme gelöst und vor allem die Zahl der Baustellen mit Vollsperrung in Siegen verringert worden. Landrat Müller sprach jedoch davon, dass der aktuelle, zurecht gestutzte Fahrplan aus Sicht der ÖPNV-Nutzer „verlässlicher sei”. „Die Alternative wäre der Zustand vor den Ferien gewesen, und das wollte keiner”, sagte Müller. Er machte klar, dass der ZWS mit der Wern-Group bzw. den VWS direkt eine Vereinbarung zur Leistungserbringung geschlossen hat, die Sanktionsmöglichkeiten bei Nichterbringung enthält. Sprich: Ist der Zweckverband in Sachen Nahverkehrsplan weder Konzessionsgeber noch Kontrollorgan und damit nicht zuständig, hat man in diesem Fall den Daumen drauf. Müller: „Doch seien wir realistisch, keine nachträgliche Sanktion wird dafür sorgen, dass ein Bus mehr fährt!”

Kurzfristige Verbesserungen kaum machbar

Der Landrat gab zu, dass kurzfristige Verbesserungen kaum machbar seien. Man konzentriere sich mit Partnern – zwölf Busunternehmen, Arbeitsagentur und Jobcenter – auf die Ausbildung künftiger Busfahrer. 40 Fahrer fehlen sofort, jährlich müssten weitere 25 Busfahrer neu eingestellt bzw. ausgebildet werden. Müller: „Da sind wir dran. Allgemein fahren wir ab Oktober eine Imagekampagne für das Berufsbild des Busfahrers, konkret bilden wir aus und schulen um. Sieben wurden bereits ausgebildet, drei sind Ende des Jahres fertig. 34 beenden in sechs Monaten ihre Qualifikation.”
Auf die zahlreichen Verspätungen der Busse bzw. die fehlende Fahrplantreue und das „Chaos Schülerverkehr” (Florian Kraft, Grüne) angesprochen, verwies Landrat Müller nochmals auf die Baustellensituation und die Stoßzeiten im Berufsverkehr, die den ÖPNV beeinträchtigen. „Da müssen wir an technischen Stellschrauben drehen. Etwa andere Ampeltaktungen, die den Bussen freie Fahrt ermöglichen, oder aber das Einrichten von zusätzlichen Busspuren”. An dieser Stelle schaltete sich Bürgermeister Steffen Mues in die Debatte ein: „Ein Beschleunigungskonzept für den Busverkehr wird gerade erstellt, wir geben Gas!”

Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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