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Covid-19-Behandlung mit Budesonid
Möglicher Durchbruch dank Asthma-Spray

Dr. Andreas Farnschläder, Dr. Florian Becher und Paul Fiedler glauben, dass die Covid-19-Behandlung mit Budesonid erfolgsversprechend sein könnte.
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  • Dr. Andreas Farnschläder, Dr. Florian Becher und Paul Fiedler glauben, dass die Covid-19-Behandlung mit Budesonid erfolgsversprechend sein könnte.
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ap Siegen. Eine Studie der Universität Oxford macht Hoffnung im Kampf gegen schwere Covid-19-Verläufe. Das cortisonhaltige Asthma-Spray Budesonid hat sich als äußerst wirksam erwiesen und kann den britischen Forschern zufolge das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt um 90 Prozent senken, wenn es spätestens drei Tage nach Symptombeginn eingenommen wird. Doch wie aussichtsreich sind die Ergebnisse der Oxford-Studie wirklich, und wie genau wirkt das Asthma-Mittel eigentlich? Drei hiesige Mediziner haben die Antworten.

„Die Ergebnisse der Studie sind auf jeden Fall vielversprechend“, sagt Paul Fiedler, Leitender Oberarzt der Klinik für Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin im Kreisklinikum Siegen.

ap Siegen. Eine Studie der Universität Oxford macht Hoffnung im Kampf gegen schwere Covid-19-Verläufe. Das cortisonhaltige Asthma-Spray Budesonid hat sich als äußerst wirksam erwiesen und kann den britischen Forschern zufolge das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt um 90 Prozent senken, wenn es spätestens drei Tage nach Symptombeginn eingenommen wird. Doch wie aussichtsreich sind die Ergebnisse der Oxford-Studie wirklich, und wie genau wirkt das Asthma-Mittel eigentlich? Drei hiesige Mediziner haben die Antworten.

„Die Ergebnisse der Studie sind auf jeden Fall vielversprechend“, sagt Paul Fiedler, Leitender Oberarzt der Klinik für Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin im Kreisklinikum Siegen. Eine positive Wirkung von Budesonid im Rahmen der Behandlung von Covid-19-Patienten hält der Mediziner für plausibel: „Wir wissen schon längere Zeit, dass Steroide die Erkrankung in bestimmten Phasen positiv beeinflussen können“, betont Fiedler, weshalb er und seine Kollegen im Krankenhaus schon seit Beginn der Pandemie auf das Asthma-Mittel setzen.

Asthma-Spray positiven Einfluss auf hartnäckigen Husten

„Wir benutzen das inhalative Budesonid im Kreisklinikum schon seit Anfang 2020“, erklärt er. Nach Einsatz des Medikaments habe man einen positiven Einfluss auf den oftmals sehr hartnäckigen Husten beobachten können. Typischerweise seien die stationären Patienten deutlich kränker als die Studienteilnehmer, da die Probanden primär ambulant zu Hause behandelt wurden. „Eine Folgestudie bei den kränkeren, stationären Patienten wäre deshalb wünschenswert“, folgert der Mediziner vom Kreisklinikum.

„Die Studie ist als Vorstudie zu betrachten“, räumt auch Dr. Andreas Farnschläder vom Marienkrankenhaus ein. Aus Sicht des Siegener Arztes wäre es sinnvoll, das Ergebnis durch eine sogenannte Doppelblindstudie mit einer größeren Teilnehmerzahl abzusichern und im Einzelnen zu prüfen, ob der leichtere Verlauf einer Corona-Erkrankung tatsächlich auf das Asthma-Spray Budesonid zurückzuführen ist.

Asthma-Spray hemmt Virusvermehrung 

„Die Wirkung scheint auf der Hemmung der Virusvermehrung in der Atemwegsschleimhaut zu beruhen“, erklärt Farnschläder. Dadurch werde der Patient einer geringeren Viruslast ausgesetzt, was den leichteren und komplikationsärmeren Verlauf erklären könne – aber eben nicht müsse. Die Nebenwirkungen beschränkten sich bei kurzzeitiger inhalativer Anwendung auf Heiserkeit, Husten und Schleimhautreizungen. Pilzbefall (Soor) im Mund- und Rachenraum seien bei sachgerechter Inhalation eher selten.

Das Asthma-Spray Budesonid könnte eine große Hoffnung sein bei der Covid-19-Behandlung.
  • Das Asthma-Spray Budesonid könnte eine große Hoffnung sein bei der Covid-19-Behandlung.
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Eine Folgestudie gebe zudem Aufschluss darüber, ob das Ergebnis generalisierbar ist, das heißt, ob das Medikament auch bei nicht an Asthma erkrankten Patienten wirkt. Mangels anderer Therapieoptionen könne der Einsatz aber auch jetzt schon trotz fehlender Zulassung für die Indikation im Rahmen eines individuellen Heilversuchs erwogen werden, so Farnschläder.

Medikament pauschal zu geben, nicht zielführend

Ob künftig auch ambulante Covid-19-Patienten mit dem Asthma-Spray behandelt werden, sollte primär eine Entscheidung der Hausärzte sein, findet Fiedler. Der Geisweider Allgemeinmediziner Dr. Florian Becher hat dazu jedenfalls eine klare Meinung. „Für eine ausgewählte Klientel mit einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf ist der Einsatz sicher sinnvoll“, sagt Becher. „Das Medikament pauschal zu geben, halte ich nicht für zielführend.“

Die inhalative Therapie mit Budesonid kann also – in machen Fällen – durchaus zu einem Baustein in der Therapie von Covid-19 werden. „Wir haben seit über einem Jahr immer wieder neue Erkenntnisse über diese Erkrankung gewinnen können und die Therapie entsprechend angepasst“, fasst Fiedler zusammen. „Die verschiedenen Teilaspekte und Therapien zusammen können in ihrer Gesamtheit die Prognose verbessern.“

Dr. Andreas Farnschläder, Dr. Florian Becher und Paul Fiedler glauben, dass die Covid-19-Behandlung mit Budesonid erfolgsversprechend sein könnte.
Das Asthma-Spray Budesonid könnte eine große Hoffnung sein bei der Covid-19-Behandlung.
Autor:

Alexandra Pfeifer

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