Morgens um zehn

Kreativ und spielfreudig präsentierte sich das Ensemble pro musica sacra am Samstagabend in der Siegener Nikolaikirche. Foto: ba
  • Kreativ und spielfreudig präsentierte sich das Ensemble pro musica sacra am Samstagabend in der Siegener Nikolaikirche. Foto: ba
  • hochgeladen von Archiv-Artikel Siegener Zeitung

ba Siegen. Von Leipzig nach London führte am Samstagabend in der Siegener Nikolaikirche eine nicht nur musikalische Reise mit pro musica sacra, bei der den Zuhörern die außergewöhnliche Musik aus der Zeit der Ratsmusiker und Stadtpfeifer nähergebracht wurde. Zur zehnten Stunde durften damals in Leipzig die hoch angesehenen Stadtpfeifer auf dem dortigen Rathausturm erscheinen und musizieren. „Ein Gefühl, als hörten wir die Engel singen“, beschrieb der Komponist Johann Kuhnau das Klangerlebnis. Dieses einmalige Gefühl wollte das renommierte Blechbläserensemble, das in der klassischen Philip-Jones- Besetzung (vier Trompeten, vier Posaunen, ein Waldhorn, eine Tuba) spielt, seinem Publikum vermitteln.

Mit „Hora decima“ von Johannes Pezelius, einem einstigen Kunstgeiger, der später in die gehobenere Position des Stadtpfeifers aufstieg, startete die Reise. Eckehard Pankratz, der musikalische Leiter von pro musica sacra, erleichterte es dem Publikum, sich in die damalige Zeit einzufühlen. Mit seinen humorvollen Erläuterungen machte er von Leipzig aus einen musikalischen Abstecher nach San Marco in Venedig, um die experimentellen Klangerlebnisse von Giovanni Gabrieli mit „Canzon Primi Toni a 8“ aus den „Sacrae Symphonieae“ (1597) mit seinem Ensemble darzubieten, und kehrte anschließend wieder zurück nach Leipzig zu Gottfried Reiche (1667–1734) und seiner berühmten Fuge aus den Turmmusiken.

Dass die Blechbläser sich an andere Musiker verlorenes Terrain stets wieder zurückeroberten, bestätigte auch ein Aufschwung im Bereich der Posaunenmusik, der die Entstehung zahlreicher Posaunenchöre nach sich zog. Neue klangliche Darstellungsmöglichkeiten wurden gesucht, ungewöhnliche Besetzungen und Kompositionen entstanden. Auch pro musica sacra sucht das Ungewöhnliche, was dieses beeindruckend kreative Konzert unterstrich.

Spielfreudig glänzten die Musiker zum Abschluss des rund zweistündigen Konzerts mit einem musikalischen Trip nach Europa. Die „London Miniatures“ von Gordon Langford führten in die britische Hauptstadt. „London calls“ (London ruft) ließ das zwielichtige, etwas schlüpfrige Soho erleben, Green Park, Trafalgar Square und letztendlich den berühmten Paradeplatz Londons, Horse Guards Parade. Hier konnten die Musiker noch einmal richtig zeigen, was in ihnen steckt, denn das Stück ist mit einem Marsch unterlegt, der – wie Pankratz erläuterte – „freundliche Ironie vermuten lässt“. Ein Genuss!

Und weil der musikalische Abend so schön war, gab es als Zugabe ein Abendlied, mit dem das Publikum stimmungsvoll in die Nacht entlassen wurde.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.